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Sprachwahrer


Die Sprachwahrer des Jahres 2005
Stadt Mühlhausen, Josephine Ahrens und Benedikt XVI.

Radio Vatikan berichtete weltweit darüber, daß der Papst auf der Sprachwahrerliste der DEUTSCHEN SPRACHWELT stand, die Süddeutsche Zeitung raunte argwöhnisch, daß sich der Papst dabei „in einer seltsamen Runde“ befinde, doch die Thüringer Allgemeine hatte es zuerst entdeckt: Bei der Wahl zum Sprachwahrer des Jahres 2005 standen der Papst und die Stadt des Papstfeindes Thomas Müntzer auf einer Seite. Heutzutage hat die Stadt nicht den Papisten, sondern den Anglizismen den Kampf angesagt. Oberbürgermeister Hans-Dieter Dörbaum wies die Verwaltung an, keine überflüssigen englischen Ausdrücke mehr zu gebrauchen. Auch die Mühlhausener Geschäfte sollen nicht mehr mit „Sale“, sondern mit „Schlußverkauf“ die Kunden anlocken. Das fanden die Leser der DEUTSCHEN SPRACHWELT so vorbildlich, daß sie der Stadt Mühlhausen in der Sprachwahrerwahl die meisten Stimmen gaben (30 Prozent).

Papst Benedikt XVI. folgt erst an dritter Stelle, aber mit einem beachtlichen Ergebnis: Er erhielt 18 Prozent der Stimmen. Daß Benedikt mit Recht zu den Sprachwahrern zu zählen ist, belegt seine soeben veröffentlichte Enzyklika „Deus caritas est“, die er in seiner Muttersprache erdachte und abfaßte; selbstverständlich in herkömmlicher Rechtschreibung. Die Deutsche Bischofskonferenz scheint hingegen an der Unfehlbarkeit des Papstes zu zweifeln, denn sie wandelte den Glaubenstext in die Schreibweise der Rechtschreibreformatoren um.

Daß die Leser der DEUTSCHEN SPRACHWELT erkannten, daß der Rechtschreibrat keine unabhängige Einrichtung ist, sondern eine Beruhigungspille der Kultusminister, mag verantwortlich dafür sein, daß Hans Zehetmair mit sechs Prozent der Stimmen nicht auf den vorderen Plätzen zu finden ist. Ein Leser schrieb, um Zehetmair wählen zu können, müßte dieser „schon öffentlich erklären, daß die Rechtschreibreform ein in vielem sprachwidriges Machwerk war“. Im Vergleich mit dem Vater der „Zehetmair-Reform“ kommt die Rechtschreibrebellin Josephine Ahrens ungleich besser weg. Die Schülerin, die es ablehnt, in der Schule die reformierte Rechtschreibung anzuwenden, und mit dieser Haltung vor dem Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht erfolgreich war, erhielt 29 Prozent der Stimmen und damit fast so viele wie die Stadt Mühlhausen. „Josephine Ahrens ist für mich die Sprachwahrerin 2005, weil sie sich nicht untergeordnet hat und auch keine Rechtswege gescheut hat“, schrieb ein Leser.

Vorgeschlagen waren:

Papst Benedikt XVI.: Mit Joseph Kardinal Ratzinger wurde am 19. April dieses Jahres ein erklärter Sprachschützer auf den Stuhl Petri berufen. In seinen zahlreichen Schriften nutzt und bereichert Benedikt XVI. die Ausdruckskraft der deutschen Sprache. Der neue Papst spricht fließend Italienisch, Französisch, Englisch, Spanisch und Latein.

Stadt Mühlhausen: Die thüringische Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, auf Anglizismen und hochtrabendes Amtsdeutsch zu verzichten. So sollen Mühlhausener Geschäfte künftig nicht mehr mit "Sale", sondern mit "Schlußverkauf" werben. Oberbürgermeister Hans-Dieter Dörbaum wies die Verwaltung an, keine überflüssigen Anglizismen mehr zu gebrauchen.

Hans Zehetmair: Als Vorsitzender des neu geschaffenen Rechtschreibrates arbeitet Zehetmair seit einem Jahr dafür, die größten Unzulänglichkeiten der Rechtschreibreform zu beseitigen. Dabei scheut er sich nicht davor, der Kultusministerkonferenz zu widersprechen und über ihre engen Vorgaben hinauszugehen.

Josephine Ahrens: Die 16jährige Schülerin erhielt im September dieses Jahres vor dem Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht recht. „Sie hat Anspruch darauf, daß in ihren Arbeiten die herkömmliche Rechtschreibung nicht beanstandet, das heißt als falsch gewertet wird“, entschied das Gericht.

Josef Kraus: Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands fordert in seinem Buch „Der PISA-Schwindel“, das in diesem Jahr erschienen ist, eine „Offensive für muttersprachliche Bildung“ und zeigt einen Ausweg aus den zahlreichen Mißständen im Bildungswesen.

Werner Kieser: Während andere Gesundheitsstätten Workouts, Body-Shaping, Easy-Steps, Fatburner- und Bauch-Killer-Programme, Cross-Spinning und andere Spinnereien anbieten, kommt das Krafttraining in den Kieser-Betrieben völlig ohne grelle Anglizismen aus.


 

 
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