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Zehetmair will offenbar doch Vorsitzender des Rechtschreibrats bleiben

Eine öffentliche Diskussion über die Dauerreform scheint unerwünscht

Entgegen der in der Presse zu lesenden Ankündigung, Hans Zehetmair werde seine Amtszeit als Vorsitzender des Rechtschreibrats im Dezember dieses Jahres beenden, wird sich der ehemalige bayerische Kultusminister voraussichtlich nun doch der Wiederwahl stellen. Eine öffentliche Erklärung Zehetmairs wird für die kommenden Wochen erwartet. Das haben Nachforschungen der DEUTSCHEN SPRACHWELT ergeben. Demnach wird die Rechtschreibreform auch im Jahr 2011 unter der Führung von Zehetmair weiter nachgebessert.

„Zehetmair gibt Chefposten im Rechtschreibrat zum Jahresende ab“, hat die Netzausgabe des Münchner Merkurs am 12. Juli gemeldet und Zehetmair mit den Worten zitiert: „Sechs Jahre Opfer reichen.“ Bernd Ernemann, der „Chefredakteur Online“ des Merkurs, bestätigt unserer Zeitschrift: „Stand unserer Information ist und bleibt, daß Herr Zehetmair im Dezember sein Amt niederlegen wird.“

„Sechs Jahre Opfer reichen“ – doch nicht

Dieser Darstellung widersprechen jedoch die Geschäftsführerin des Rechtschreibrats, Kerstin Güthert, und der Pressesprecher der von Zehetmair ebenfalls geleiteten Hanns-Seidl-Stiftung, Hubertus Klingsbögl. Güthert betonte gegenüber der DEUTSCHEN SPRACHWELT, hierbei handele es sich „offenkundig um eine Fehlinformation.“ Klingsbögl antwortet unserer Zeitschrift, „daß Herr Dr. Zehetmair, auch wenn dies in der Presse zu lesen war, keineswegs erklärt hat, daß er für diese Aufgabe nicht mehr zur Verfügung stehen werde. Vielmehr hat er seine Entscheidung gegenüber den Ratsmitgliedern offen gelassen.“

Bessere Ausstattung des Rechtschreibrats

Vertrauenswürdige Kreise im Rechtschreibrat sind sich allerdings sicher, daß sich Zehetmair der Wiederwahl stellt. Eine überwältigende Mehrheit im Rat habe ihn zum Weitermachen aufgefordert. Daß Zehetmair die Meldung des Münchner Merkurs bislang nicht bestreitet und noch keine offizielle Erklärung über seine Zukunft abgegeben hat, erklären sich Beobachter aus dem Umfeld des Rechtschreibrats damit, daß der Ratsvorsitzende von der Kultusministerkonferenz Zugeständnisse für eine bessere Ausstattung des Rats erreichen will. Der Rechtschreibrat verfügt zum Beispiel über keinerlei finanzielle Mittel und ist auf die Zuarbeit des Instituts für deutsche Sprache und der im Rat vertretenen Wörterbuchverlage angewiesen. Zehetmair werde nach seiner Wiederwahl allerdings keine vollständige Amtsperiode mehr dem Rat vorsitzen, heißt es.

Unerwünschte öffentliche Diskussion über Reform der Reform

Über die 2011 kommende nächste Reform der Rechtschreibreform will die Geschäftsführerin des Rechtschreibrats im übrigen keine tieferen Auskünfte geben. Zur Übermittlung der Änderungsvorschläge an die Kultusminister schreibt Güthert unserer Zeitschrift: „Ein genauer Termin für die Übergabe des Berichts an die staatlichen Stellen in Deutschland und den anderen Teilnehmerstaaten steht noch nicht fest. Sie ist für Ende des Jahres anvisiert.“ Einzelheiten will sie uns jedoch nicht verraten: „Über etwaige Änderungsvorschläge, die der Rat aus seiner Beobachtung zieht, wird wie in der Vergangenheit zu gegebener Zeit und in geeigneter Form berichtet.“ Dies entspricht der seit der letzten Reform von 2006 zu beobachtenden Handhabe, keine öffentliche Diskussion zuzulassen und die Öffentlichkeit über die geplanten weiteren Änderungen an der Reform bis zuletzt nicht zu unterrichten. Die Kultusministerkonferenz, die den Rat für deutsche Rechtschreibung eingesetzt hat, äußert sich schon seit Jahren nicht mehr und verweist bei Fragen auf den Rat. Dieser verzichtet jedoch weitgehend auf Pressekonferenzen und Presseerklärungen. Das hänge „mit der Langfristigkeit der Aufgabe zusammen, die der Rat wahrnimmt“, erklärt Güthert unserer Zeitschrift.

„Vornehmer“ Rechtschreibrat

Das weitere Vorgehen stellt Güthert gegenüber der DEUTSCHEN SPRACHWELT so dar: „Der Rat für deutsche Rechtschreibung wird sich auf seiner Sitzung am 1. Oktober mit der Fertigstellung seines Berichts befassen. Inhalt des turnusmäßig zu erstellenden Berichts wird eine Darstellung über die Wahrnehmung seiner Aufgaben in den vergangenen viereinhalb Jahren sein, zu dessen vornehmsten die ständige Beobachtung der Schreibentwicklung und die wissenschaftliche Begleitung gehören.“ Wer derart vornehm ist, habe die Verbindung zum Sprachvolk längst verloren, meinen Spötter.

<< Hauptseite geschrieben von Thomas Paulwitz am 26.07.2010

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