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Sütterlin-Urteil: Schrift im Verkehr mit Behörden zulässig

Das Oberlandesgericht Celle hat in einem jetzt bekanntgewordenen Urteil festgestellt, daß es keine verbindlichen Vorschriften darüber gibt, welche Schriftart im Schriftverkehr zu verwenden ist (Aktenzeichen: 1 Ws 248/09 (StrVollz)). Das Gericht verurteilte am 19. Mai dieses Jahres die Justizvollzugsanstalt in Celle, einen dort einsitzenden Häftling nicht zu benachteiligen, wenn dieser im Schriftverkehr mit seiner Verlobten die Sütterlinschrift verwendet. Der Behörde war der Kontrollaufwand zu hoch gewesen. Die Sütterlinschrift sei jedoch weder eine Geheimschrift, so das Gericht, noch unlesbar oder unverständlich. Da bis in die 1990er Jahre die Sütterlinschrift oder Deutsche Schreibschrift als weitere Schriftart zumindest im Leseunterricht der bundesdeutschen Schulen verwendet wurde, können diese noch in weiten Teilen der Bevölkerung gelesen werden.

Der Bund für Deutsche Schrift und Sprache e. V. (BfdS) und die Sütterlinstube Hamburg e. V. fühlen sich durch dieses Urteil in ihrem jahrzehntelangen ehrenamtlichen Bemühen um die Förderung der deutschen Schriften bestätigt. Diese Schriften seien eine wichtige Kulturtechnik. Kulturgüter, die in diesen Schriften über einen Zeitraum von 500 Jahren verfaßt wurden, müßten lesbar bleiben. Fast täglich erhalten die beiden Vereinigungen Bitten um Übertragung von Akten, Tagebüchern, Briefen, Berichten und Urkunden aus den deutschen Schriften in die gängigen Antiquaschriften.

Das Urteil verpflichtet die öffentliche Verwaltung auch dazu, Eingaben in deutscher Schrift sachkundig zu bescheiden. Dazu sind in den Behörden entsprechende Kenntnisse vorzuhalten (siehe auch diesbezügliche Beschlüsse von Petitionsausschüssen des Deutschen Bundestages). Das können BfdS und Sütterlinstube, aber auch andere Initiativen unterstützen. Sie können den Behörden jedoch keine hoheitlichen Aufgaben abnehmen, wie zum Beispiel die Kontrollaufgaben eines Gefängnisses oder die notarielle Beglaubigung der Übertragung von Urkunden und Grundbuchauszügen mit hohem ideellem, teilweise aber noch aktuellem materiellem Wert.

Ehrenamtliches Engagement sei aber auch notwendig, um Hochschulen, Archive, Museen und öffentliche Bibliotheken bei ihrer Arbeit der Erschließung von Texten in deutscher Schrift für heutige Benutzer zu unterstützen. Hier seien Strategien zu entwickeln, an deren Entwicklung die beiden Vereinigungen mit ihren Erfahrungen mitwirken könnten.

<< Hauptseite geschrieben von bfds/dsw am 27.06.2009

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