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75 Jahre Reiner Kunze

Das Magazin ?Frankfurt Live? (www.frankfurt-live.com) berichtete am 18. August 2008 über die Glückwünsche der DEUTSCHEN SPRACHWELT für Reiner Kunze, der 75 Jahre alt wurde:

Der Dichter Reiner Kunze feiert 75. Geburtstag
Thomas Paulwitz lobt sein einzigartiges Sprachbewußtsein

?Er wäre ein würdiger Träger des Literatur-Nobelpreises?

(18.08.08) Zum 75. Geburtstag hat die Sprachzeitung ?Deutsche Sprachwelt? ihrem Autor und Freund Reiner Kunze gratuliert. Chefredakteur Thomas Paulwitz würdigte Kunzes Verdienste um die Sprache. Zugleich schlug er ihn für den Literatur-Nobelpreis vor.

?Je gestörter das Verhältnis zur eigenen Sprache ist, desto schutzloser ist sie?, mahnte Reiner Kunze in seiner ?Rede zur Sprache?, die er am Tag der deutschen Sprache 2007 vor der ?Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft? hielt, deren Ehrenmitglied er ist. Paulwitz erklärte: ?Diese Worte Reiner Kunzes sind Ausdruck der unerschütterlichen Liebe zur Sprache und des Willens, kompromißlos für ihre Bewahrung zu kämpfen. Es gibt kaum einen weiteren deutschen Dichter der Gegenwart, der ähnlich sprachbewußt ist wie Kunze. Er wäre ein würdiger Träger des Literatur-Nobelpreises.?

Kunzes einzigartiges Sprachbewußtsein führte zum Bruch mit den Herrschenden in der DDR. Später kämpfte er gegen die staatlich verordnete Rechtschreibreform. Er schrieb eine Streitschrift über die von der Reform bedrohte ?Aura der Wörter? und verspottete in Versen die ?hohen staatsgewalten?, die sich für den Vormund der Sprache hielten. Wenn ?barbaren sie verwalten?, habe diese ?den mund zu halten?. Kunzes Vermächtnis ist die gemeinnützige Reiner-und-Elisabeth-Kunze-Stiftung. Nach dem Tod der Stifter soll sie in deren Haus zeitgeschichtliche Dokumente und literarische Texte, die in Beziehung zu Werken der Bildenden Kunst stehen, ausstellen.

Reiner Kunze wurde am 16. August 1933 als Sohn eines Bergarbeiters und einer Kettlerin geboren. Ab 1947 besuchte er eine Aufbauklasse, die Arbeiterkindern eine höhere Schulbildung ermöglichte. Zwei Jahre später wurde er vom Rektor seiner Schule als Kandidat der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) vorgeschlagen. 1951 legte er sein Abitur in Stollberg ab.

Kunze studierte danach Philosophie und Journalistik an der Karl-Marx-Universität in Leipzig. Seine ersten Gedichte veröffentlichte er 1953 in der Zeitschrift ?neue deutsche literatur?. Zunächst orientierte sich Kunze am sozialistischen Realismus, später begann er sich zunehmend von den Vorstellungen der SED zu distanzieren. Nach dem Staatsexamen 1955 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent an der Journalistischen Fakultät der Karl-Marx-Universität in Leipzig. Sein erster Lyrikband erschien unter dem Titel Vögel über dem Tau. 1959 wurde er beschuldigt, die Studenten zu entpolitisieren und mußte die Universität verlassen, ohne seine Promotion zu beenden. Er arbeitete vorübergehend als Hilfsschlosser im Schwermaschinenbau.

1961 lernte er die Deutsch-Tschechin Elisabeth Littnerova kennen, nach langer Zeit des Briefeschreibens auch persönlich. Sie heirateten, und 1962 zog Elisabeth in die DDR, nach Greiz/Thüringen, wo sie als Kieferorthopädin arbeitete. 1968 trat Kunze aus Protest gegen die Invasion der Warschauer-Pakt-Staaten in der Tschechoslowakei aus der SED aus.

?Die Herausgabe des Gedichtbandes ?Sensible Wege ? Achtundvierzig Gedichte und ein Zyklus? stieß 1969 auf Widerstand in der DDR-Kulturbürokratie. Für Kunze wurde es zunehmend schwieriger, seine Werke zu veröffentlichen. Als 1970 im Westen Deutschlands das Kinderbuch ?Der Löwe Leopold: Fast Märchen, fast Geschichte? erschien, wurde Kunze wie auch nach dem Buch Sensible Wege mit einem Ordnungsstrafverfahren belegt, und die Autorenexemplare wurden beschlagnahmt.

1976 wurde sein Prosaband ?Die wunderbaren Jahre? in der Bundesrepublik veröffentlicht, in dem Kunze das DDR-System scharf kritisierte. Das Manuskript war heimlich in die Bundesrepublik gebracht worden. Wegen seiner dissidierenden Haltung wurde Kunze aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen, was einem Berufsverbot gleichkam. Eine DDR-Version des Buches ?Der Löwe Leopold?, die im gleichen Jahr erscheinen sollte, wurde zurückgenommen, 15.000 bereits gedruckte Exemplare eingestampft.

Am 7. April 1977 stellte Kunze wegen zunehmender staatlicher Repressalien gegen ihn und seine Familie einen Antrag auf Ausbürgerung aus der DDR. Der Antrag wurde innerhalb von drei Tagen genehmigt und Kunze siedelte am 13. April mit seinen Angehörigen in die Bundesrepublik über? schreibt Wikipedia über den Lyriker.

Reiner Kunze hat sich Zeit seines Lebens der Lyrik verschrieben und ist ihr treu geblieben. In der Kunst, im Kunstwerk gab und gibt es für den Dichter keine Kompromisse. Diese unerschrockene Haltung hat dazu geführt, daß er die DDR verlassen hat. Im Westen ? exakt in Bayern ? gelandet, dauerte das Ankommen eine kleine Ewigkeit. Die linken bundesdeutschen Literaten grenzten ihn aus.

Die DSW-Ausgaben sind kostenlos erhältlich: www.deutsche-sprachwelt.de/kontakt/form.php bestellung@deutsche-sprachwelt.de (hbh)

<< Hauptseite geschrieben von dsw am 18.09.2008

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