Die Sprachzeitung für alle! Die Sprachzeitung für alle! Deutsche Sprachwelt - Gemeinsam erhalten und gestalten
Hauptseite
Wissen
Neueste Ausgabe
Berichte
Archiv
Meinung
Sprachpanscherei
Sprachwahrer
Engleutsch?
Dienste
Spenden
Verweise
Impressum
Kontakt
Nachrichten

Erster Schulbuchverlag kehrt der Rechtschreibreform den Rücken und erhebt schwere Vorwürfe

Als erster Schulbuchverlag hat der Dürener Stolz-Verlag soeben angekündigt, zur hergebrachten Rechtschreibung zurückzukehren. Gleichzeitig erhoben die Verleger Peter Stolz und Karin Pfeiffer-Stolz in einem Offenen Brief schwere Vorwürfe gegen den Verband der Schulbuchverlage (VdS). Unterdessen sickert durch, daß die Gespräche der Rechtschreibkommission mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, die einen Rückbau der Reform fordert, offenbar gescheitert sind. Wir geben im folgenden Auszüge aus dem Offenen Brief des Stolz-Verlages wieder:

Wir distanzieren uns außerdem ausdrücklich von der Art und Weise, wie der VdS mit den Kritikern der Rechtschreibreform umgeht. Die angeblich von jenen angezettelten ?Grabenkämpfe? können wir nicht ausmachen. Allerdings registrieren wir inhaltlich aufschlußreiche Untersuchungen seitens anerkannter Sprachwissenschaftler sowie schwerwiegende Bedenken, geäußert durch namhafte Schriftsteller. ...

Im Namen aller Mitglieder des VdS verbreiten Sie wider besseres Wissen die Beschwichtigung, von einem ?Schreibchaos? könne keine Rede sein. ... Man muß kein Prophet sein, um vorauszusagen, daß der größte Teil der Reform stückweise zurückgenommen werden wird. ... Die Mitgliedsverlage des VdS werden bewußt darüber im unklaren gelassen, daß spätestens im nächsten Jahr ein Großteil der jetzt aufgelegten Druckwerke wieder ?veraltet? sein wird. ...

Wir verwahren uns dagegen, im Kielwasser des Verbandes ein gescheitertes Reformwerk gesundbeten und hochjubeln zu müssen ? aus kurzsichtigen wirtschaftlichen Erwägungen. ... Die Schüler bewegen sich seit der vorschnellen Einführung der ?Reform? in einer zunehmend uneinheitlich werdenden Schriftkultur. Sie spüren die Unsicherheit der Erwachsenen, bekommen täglich die Beliebigkeiten der Orthographie vor Augen geführt und fragen sich, weshalb sie überhaupt noch richtig schreiben lernen beziehungsweise Sorgfalt auf das Geschriebene anwenden sollen. Dies, und allein dies ist die eigentliche Zumutung. Aus lernpsychologischer und pädagogischer Sicht eine Bankrotterklärung! Das aber kümmert weder die Reformer selbst, noch die Kultusminister, und schon gar nicht den VdS. Glauben sie alle wirklich, daß wir mit der Fortsetzung des traurigen Experiments unseren Schülern keinen Schaden zufügen?

Der Streit um die Orthographie ist willkürlich vom Zaun gebrochen worden, niemand wollte sie, niemand brauchte sie, und jetzt leiden darunter vor allem Schüler, Lehrer und Schulbuchverlage. ... Als Verleger von Schulbüchern und Lernhilfen haben wir eine Verantwortung gegenüber den nachwachsenden Generationen und sind nicht bereit, uns dieser wider besseres Wissen zu entziehen.

Wie die Akademien der Wissenschaften und die 50 Rechtswissenschaftler, sowie die Mehrheit der Angehörigen der deutschen Sprachgemeinschaft, sind auch wir der Meinung, daß das mißglückte Experiment beendet werden muß ? je eher, desto besser!

Peter Stolz, Karin Pfeiffer-Stolz
Stolz Verlags GmbH
Schneidhausener Weg 52
52355 Düren

www.stolzverlag.de

<< Hauptseite geschrieben von dsw am 21.05.2004

Dieses Neuigkeitensystem wurde von Phil Marx entwickelt.
http://www.yubb.de

 
Zurück Nach Oben
© 2000-2008 Verein für Sprachpflege e. V. – Alle Rechte vorbehalten!