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Sprachwahrer des Jahres

Die Nachrichtenagentur dpa verbreitete am 11. März 2008 die folgende weitbeachtete Meldung:

Porsche zum «Sprachwahrer des Jahres» gewählt
Erlangen (dpa) - Die Porsche AG ist von der Erlanger Zeitschrift «Deutsche Sprachwelt» zum «Sprachwahrer des Jahres 2007» gewählt worden. Ein Drittel der Leser haben sich für den Sportwagenhersteller entschieden. Überzeugt habe Porsche vor allem durch den bewußten Einsatz von Deutsch als Unternehmenssprache, während andere international agierende Firmen auf Englisch umgestiegen seien. Hinter Porsche landete der Kinderliedermacher Rolf Zuckowski auf Platz zwei vor der CDU/CSU-Initiative «Sprachlicher Verbraucherschutz». Mit dem seit 2000 verliehenen Titel werden Menschen und Unternehmen für den besonderen Einsatz für die deutsche Sprache ausgezeichnet.

Die ?Süddeutsche Zeitung? berichtete ebenfalls am 11. März 2008:

Beispiel Porsche: Sprache in Firmen
Schlechtes Deutsch besser als gutes Englisch


Error, error: Der Sportwagenhersteller Porsche setzt intern ganz auf die deutsche Sprache. Weil der Einfallsreichtum der Ingenieure dann größer ist.

Von Stefanie Gentner
Porsche hat sich zu einem der angesehensten Automobilhersteller entwickelt. Ein Erfolgsfaktor könnte der konsequente Einsatz des Deutschen als Unternehmenssprache sein ? betont die Zuffenhausener Firma selbst. Das sagen aber auch Unternehmensberater und Sprachforscher. Jüngst quittierten nun auch noch die Leser der Zeitschrift Deutsche Sprachwelt das Engagement der Porsche AG mit Wertschätzung und wählten den Autohersteller zum ?Sprachwahrer des Jahres?.

Tatsächlich lassen sich mit dem konsequenten Gebrauch der deutschen Sprache als Konzernsprache ? so wie es Porsche durchzusetzen versucht ? entscheidende Vorteile erzielen. Etwa in Besprechungen: Die Erfahrung zeigt, daß selbst Diplom-Ingenieure ? Werksleiter mit bis zu 5.000 Mitarbeitern ? in ?Meetings? nichts sagen, weil ihnen auf englisch nichts einfällt oder sie sich nicht blamieren wollen.

Porschechef Wendelin Wiedeking betonte hierzu schon vor einiger Zeit im Spiegel: ?Natürlich können sich die Manager in Englisch verständigen. Aber das ist nicht auf allen Arbeitsebenen der Fall. Ganz schwierig wird es, wenn es um Details geht, um die Einzelteile eines Motors beispielsweise. Doch gerade bei diesen Themen müssen sich die Mitarbeiter perfekt verständigen. Und wenn Englisch oder Französisch die Konzernsprache ist, benachteiligt man automatisch alle, für die dies nicht die Muttersprache ist.? [...]

Ein Porsche-Sprecher bringt es noch einmal auf den Punkt: ?Natürlich müssen auch bei uns alle Englisch können, um sich international bewegen zu können. Es ist aber doch die Muttersprache, die uns wirklich stark macht.? Gerade in den Entwicklungsabteilungen geht es um Vorstellungskraft, Denkschärfe und um reibungslose Verständigung. Der Einfallsreichtum der Ingenieure ist in ihrer Muttersprache am größten, heißt es bei Porsche. Dieser soll auf keinen Fall gebremst werden. Der Erfolg gibt dem Unternehmen Recht. So konnte es für das Jahr 2007 unter anderem einen Zulassungsrekord in Deutschland und einen Verkaufsrekord in Nordamerika ausweisen. Nach einer Umfrage des Manager Magazins ist Porsche außerdem zum achten Mal in Folge zum Unternehmen mit dem besten Ansehen in Deutschland gekürt worden. Auch andere Firmen setzen konsequent auf die deutsche Sprache, etwa Eon Westfalen-Weser. Das Unternehmen hat sogar einen entsprechenden Leitfaden für die Mitarbeiter zusammengestellt.

Das Gros der Firmen folgt jedoch dem Trend der ?Verenglischung?: Viele Unternehmen anglisieren sogar ihre Firmennamen, wie beispielsweise BMW Group, Deutsche Post World Net oder Deutsche Bahn Mobility Network Logistics. Siemens nennt ihre Abteilungen nur noch Power Generation, Automation Technologies oder Lighting. Ebenso bei BASF: Hier hat sich Vorstandsvorsitzender Jürgen Hambrecht darum bemüht, die Unternehmensbereiche seit dem 1. Januar 2008 mit englischen Bezeichnungen zu versehen, ohne dafür deutschsprachige Entsprechungen anzubieten.

So wurden aus den vormals fünf Segmenten Chemikalien, Kunststoffe, Veredelungsprodukte, Pflanzenschutz/Ernährung und Öl/Gas nun die sechs neuen Bereiche Chemicals, Plastics, Functional Solutions, Performance Products, Agricultural Solutions und Oil&Gas. Manch einer machte sich schon lustig, nannte BASF nicht mehr ?The Chemical Company?, sondern nur noch lapidar ?The Comical Company?. Gerade die Mitarbeiter haben ihre Probleme mit dem neuen Vokabular. So schreibt ein Beschäftigter in der BASF-Mitarbeiterzeitung, er tue sich ?sehr schwer? mit den neuen Bezeichnungen. [...]

Porsche ist in jedem Fall überzeugt von seinem Festhalten an der deutschen Sprache. In Stuttgart blickt man entspannt zum Nachbarn Daimler, der nicht zuletzt durch die Kooperation mit dem amerikanischen Automobilhersteller Chrysler Englisch als Konzernsprache eingeführt hat. ?Das gibt es bei uns nicht?, heißt es bei Porsche.

<< Hauptseite geschrieben von dsw am 13.03.2008

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