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Gift für Sprache und Kultur

In einer Pressemitteilung der DEUTSCHEN SPRACHWELT zum Reformationstag hieß es: ?Reformation statt Halloween feiern?. Dies griff die Nachrichtenagentur IDEA auf und verbreitete am 31. Oktober 2007 die folgende Meldung:

Bibelübersetzung & Bibelverbreitung
Halloween ist ?Gift für Sprache und Kultur?

E r l a n g e n (idea) ? Das am 31. Oktober gefeierte Gruselfest Halloween ist ?Gift für die deutsche Sprache und Kultur?. Dieser Überzeugung ist der Chefredakteur der Zeitschrift ?Deutsche Sprachwelt?, Thomas Paulwitz (Erlangen). Der ?kommerzialisierte amerikanische Totenkult? drohe den Reformationstag (31. Oktober) zu überschatten.

Deshalb müsse daran erinnert werden, was die Reformation für eine lebendige deutsche Sprache bedeute. Martin Luther (1483-1546) habe mit seiner Bibelübersetzung zur Ausbildung des Hochdeutschen beigetragen und die deutsche Sprache mit zahllosen Wortschöpfungen bereichert. Seine Sprachkunst zeige er zum Beispiel in der Weihnachtsgeschichte beim Spiel mit dem Selbstlaut ?i?: ?Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.? Während die Reformation die Sprache gefördert habe, verdränge Halloween Bräuche wie Erntedank und das Martinssingen. Halloween stehe beispielhaft für die Amerikanisierung und Verrohung der Sprache und Kultur. Kinder als Tote zu verkleiden und mit der Parole ?Süßes oder Saures? auf Erwachsene zu hetzen, stelle keine kulturelle Bereicherung dar.

Vampire und Gespenster

Halloween leitet sich von ?All Hallows? Eve? ab (Vorabend zu Allerheiligen). Dieses Fest wurde 837 von Papst Gregor IV. als Gedenktag für die christlichen Märtyrer ? als ?Tag der Heiligen? ? festgelegt. Man wollte damit die christianisierten Völker keltischen Ursprungs von ihren Bräuchen wegbringen. Dazu gehörte die Vorstellung, daß in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November die Menschen Zugang zur Welt der Geister finden. Die Seelen der Verstorbenen, so meinte man, könnten zurückkehren, etwa in Tiergestalt. Davor fürchteten sich die Menschen. Deshalb versuchte man, die Geister durch Gegenmittel wie Feuer oder Masken zu vertreiben. Dazu sollten in Rüben geschnitzte Gesichter dienen. Die Sitte mit dem ausgehöhlten Kürbis geht auf irische Einwanderer in den USA zurück. Im Mittelpunkt der deutschen Halloween-Partys stehen Hexen, Geister und Dämonen. Die Teilnehmer verkleiden sich meist als Vampire und Gespenster. Seit einigen Jahren schwärmen verkleidete Kinder aus, um unter dem Motto ?Süßes oder Saures? an Haustüren Bonbons zu verlangen.

Die ?Erlanger Nachrichten? berichten am 31. Oktober 2007 von Halloween-Auswüchsen und zitieren dabei die DEUTSCHE SPRACHWELT:

Süßes wird leicht sauer
Halloween: Schnell wird über die Stränge geschlagen

Heute ist Halloween. Während sich die Befürworter schon tagelang auf den Spaß mit den gruseligen Verkleidungen freuen, sehen die Gegner darin alles ? von der überflüssigen amerikanischen Unsitte über den Ausdruck der Verwahrlosung der Gesellschaft bis zum «Gift für die deutsche Sprache und Kultur» (Thomas Paulwitz, Chefredakteur der «Deutschen Sprachwelt»).

Halloween ist also nicht jedermanns Sache. Das sollten die Geister, Gespenster und Untoten, die in der Nacht um die Häuser ziehen, beherzigen. «Denn schnell wird aus Spaß Ernst, und dann setzt das große Geheule ein», mahnt die Polizei, die auf einen reichlichen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann, was die Nacht zu Allerheiligen, einem der höchsten katholischen Feiertage, anbelangt.

In den letzten Jahren hatte die Erlanger Polizei im Vergleich zu anderen Nächten an Halloween wesentlich mehr Einsätze zu verzeichnen. 2006 mußten insgesamt 30 spukbedingte Einsätze gefahren werden. Es kam dabei zu neun Sachbeschädigungen und sieben Körperverletzungen. Ein Erwachsener mußte ausgenüchtert werden, und ein 14jähriges Mädchen wurde in der Innenstadt volltrunken aufgefunden und in die Kinderklinik gebracht ? von gezündeten Feuerwerkskörpern, Ruhestörungen, Trunkenheitsfahrten, Streitigkeiten und öffentlichem Pinkeln gar nicht zu reden. Auch verstießen Gastwirte gegen das Feiertagsgesetz, die ihre Gäste in den «stillen Tag Allerheiligen» hineinfeiern ließen. Erst unlängst hatte der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf dieses Feiertagsgesetz verwiesen und Ausnahmegenehmigungen für Halloween-Partys als rechtswidrig bezeichnet. [?]

Vom Spaß zur Straftat

Doch gerade diese Streiche nehmen in den letzten Jahren Ausmaße an, die durchaus Straftatqualitäten haben: Ein Gartentürchen zu verstecken, ist eine Sache, es kaputt zu machen die andere, nicht mehr lustige: die strafbare! Gerade auch unter Alkoholeinfluß ist die Schwelle vom harmlosen Scherz zu Sachbeschädigung, Beleidigung oder gar Körperverletzung schnell überschritten. Häuser beschmieren oder mit Eiern bewerfen ist eine Sachbeschädigung, mahnt die Polizei. Und wer anderen ergatterte Süßigkeiten wegnimmt, womöglich noch mit Gewalt, begeht einen Raub. Das ist ein Verbrechen, für das das Strafgesetz bei Erwachsenen eine Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr vorsieht! [?]

<< Hauptseite geschrieben von dsw am 02.11.2007

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