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?Die Welt? fragt: Köthen oder Mannheim?

Die Welt, 9. März 2007, Seite 27:

SPRACHE
Köthen oder Mannheim?
Dankwart Guratzsch

Kaum hatte der Oberbürgermeister der alten Residenzstadt Köthen sein Gemeinwesen vor zwei Monaten zum ?Zentrum der deutschen Sprache? erhoben, riefen Sprachhüter auch schon zu einer Gegenattacke auf. Sie nahmen die gestern beendete Jahrestagung des Instituts für deutsche Sprache zum Anlass, die weiland gleichfalls Residenzstadt Mannheim mit dem offiziellen Prädikat ?Hauptstadt der deutschen Sprache? zu dekorieren. Eine belächelnswerte Konkurrenz?

Es ist ein weitverbreiteter Eindruck, dass es dem Deutschen schlecht gehe, dass es von Anglizismen überschwemmt, durch Werbesprache verhunzt, durch Grammatikfehler entstellt werde. Deshalb schießen neue Sprachvereine wie Pilze aus dem Boden. Sie haben sich der Pflege der deutschen Sprache verschrieben und knüpfen an eine Tradition an, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Der sensationelle Erfolg der Bücher von Bastian Sick beweist, wie populär derartige Bestrebungen sind.

In Köthen, das sich bereits ?Bach-Stadt? und ?Hauptstadt der Homöopathie? nennt, führte das Unbehagen am Verfall der Sprachkultur im Januar zur Neugründung der honorigen ?Fruchtbringenden Gesellschaft? von 1617. Auf Anhieb schlossen sich gleich fünf weitere Vereine an: die Aktion Deutsche Sprache aus Hannover, der Sprachrettungsklub Bautzen, die Bremerhavener Regionalgruppe des Vereins Deutsche Sprache, die Zeitschrift Deutsche Sprachwelt und der Nürnberger ?Pegnesische Blumenorden?, einzige Sprachgesellschaft der Barockzeit, die die Zeiten überlebt hat.

Dass man mit dieser Gründung an den Ursprungsort der Fruchtbringenden Gesellschaft, nach Köthen, ging, ist den etablierten Sprachverwaltern wie dem Institut für deutsche Sprache, dem Duden und dem Goethe-Institut offenbar übel aufgestoßen. Sie vermuten richtig, dass darin auch Kritik zum Ausdruck kommt. Was sie bisher als Sprachpflege verstanden haben, hat sich als wenig breitenwirksam erwiesen. Der Hauptstadttitel allein wird an diesem Urteil nichts ändern.

<< Hauptseite geschrieben von dsw am 14.03.2007

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