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FAZ: Leserbrief-Adventskalender zur Rechtschreibreform

Nachdem die Kritik immer größer geworden war, daß die ?Frankfurter Allgemeine Zeitung? (FAZ) keine Leserbriefe veröffentlichte, die die Entscheidung kritisierten, sich einer Variante der Rechtschreibreform anzuschließen, hat die FAZ nun eine Art Adventskalender eingerichtet. Seit dem 16. Dezember veröffentlicht die FAZ jeden Tag einen kritischen Leserbrief zur Rechtschreibreform. Das erste Türchen durfte der Rechtschreib-Rebell Friedrich Denk öffnen, dessen Leserbrief wir unten wiedergeben. Wenn sich das letzte Türchen geöffnet hat, werden die Leser der FAZ, die sich das zumuten lassen wollen, mit der Rechtschreibreform beschert.

Kein Schlußstrich

Bald wird also auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung ?daß? mit vier Buchstaben schreiben. Sie hat sechs Jahre lang ? das ist nicht wenig in unserer schnellebigen Zeit ? gegen diese zu Unrecht so genannte Rechtschreibreform gekämpft. Man versteht durchaus, daß sie sich nicht länger als einzige deutschsprachige Tageszeitung außer der ?jungen Welt? gegen die von den Mächtigen hierzulande verordneten Schreibveränderungen wehren mag. Was aber bedeutet das für die Reformkritiker? War die am 19. Oktober 1996 in dieser Zeitung veröffentlichte ?Frankfurter Erklärung zur Rechtschreibreform? mit 400 Unterzeichnern und 50 000 Unterstützungsunterschriften umsonst? Waren die Gründung der Initiative ?WIR gegen die Rechtschreibreform? und der Aufruf zum Volksbegehren in Bayern im November 1996 ein Schlag ins Wasser? Hat sich Matthias Dräger mit dem Volksentscheid in Schleswig-Holstein vom September 1998, dem ersten erfolgreichen echten, weil parteiunabhängigen Volksentscheid in Deutschland, umsonst abgemüht? Haben Gabriele und Carsten Ahrens in Niedersachsen umsonst 580 000 Unterschriften gesammelt? Haben sich 550 Professoren für Sprach- und Literaturwissenschaft im Mai 1998 umsonst an das Bundesverfassungsgericht gewandt? Hat Hans Krieger umsonst Dutzende von Artikeln geschrieben und Theodor Ickler umsonst sechs Bücher verfaßt und zehn Jahre Freizeit geopfert? Haben Tausende von Bürgerinnen und Bürgern (ich nenne stellvertretend nur Erwin Dötsch, Hans-Jürgen Grosser, Karin Pfeiffer-Stolz, Günter Löw, Claudia Ludwig, Stephanus Peil, Manfred Riebe, Maria Theresia Rolland, Norbert Schäbler und Stefan Stirnemann) umsonst Zehntausende von Protestbriefen an Politiker und Zeitungen geschrieben und Hunderttausende bei Unterschriftenaktionen und Umfragen umsonst ihre Ablehnung der Rechtschreibreform bekundet? Waren die ganzseitigen Anzeigen mit der Frage ?Soll die Rechtschreibreform zurückgenommen werden?? in sechs Zeitungen am 19. August 2000 (98,5 Prozent der fast 100 000 teilnehmenden Zeitungsleser antworteten schriftlich mit Ja und nur 1,3 Prozent mit Nein) vergeudetes Geld? Und was hat der auf der Buchmesse 2004 an die Politiker gerichtete ?Frankfurter Appell zur Rechtschreibreform? von 250 Autoren, Verlegern, Professoren und Künstlern bewirkt?

So recht (Reformschreibung: ?So Recht?) die Kritiker auch hatten mit ihren Argumenten (die Rechtschreibreform war und ist in der Tat überflüssig, milliardenteuer, mißlungen, unpädagogisch, undemokratisch) - sie haben diese ?Reform? nicht verhindern können. Die Kritiker haben also umsonst gekämpft im Sinn von ?vergeblich?, freilich nicht umsonst im Sinn von ?kostenlos? und erst recht nicht umsonst im Sinn von ?grundlos?. Deshalb würden sich die meisten von ihnen in einer ähnlichen Situation hoffentlich wieder für das Bessere einsetzen. Und die meisten - auch ich - nehmen die Kultusminister und die Verfassungsrichter beim Wort, die mehrfach nicht ohne Zynismus betont haben, daß alle außerhalb der Schulen und Behörden schreiben dürfen, wie sie es für richtig halten. Wir werden also auf dem Computer nicht die ?neue deutsche Rechtschreibung? einstellen, die, wie wir wissen, aus dem 19. Jahrhundert ist, und weiter so schreiben wie unsere bedeutendsten Autoren, deren Bücher wir auch weiter in klassischer Rechtschreibung lesen wollen. Im übrigen wissen wir, daß die neuesten Korrekturen an der Schulschreibung (mit ihren etwa 3000 Varianten) keinen Schlußstrich unter dem wohlbekannten Thema Rechtschreibreform bedeuten . . .
Friedrich Denk, Weilheim i. OB

<< Hauptseite geschrieben von pau am 19.12.2006

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