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Strafe für schlechtes Deutsch: Schulhof fegen? (Richtigstellung)

Für Wirbel hat die angebliche Äußerung Robert Heinemanns, des schulpolitischen Sprechers der Hamburger CDU-Bürgerschaftsfraktion, zur Deutschpflicht an den Schulen gesorgt. Von einer Forderung nach einem ?Besen-Appell? für Schüler, die nicht richtig Deutsch sprechen, war die Rede. Wir dokumentieren eine Richtigstellung Heinemanns. Er stellte heute klar:

In den letzten Tagen hat die Berichterstattung der Bild-Zeitung über meine angebliche Forderung ?Deutsch sprechen oder Schulhof fegen? für erhebliches Aufsehen gesorgt. Wer meine politische Arbeit kennt, der weiß, daß derart undifferenzierte Forderungen nicht zu meinem Repertoire gehören. Darüber hinaus arbeiten wir in Hamburg derzeit an einer Stärkung der Selbstverantwortung der Schulen, zu der eine solche Forderung nicht passen würde. Da es zu der Berichterstattung aus verständlichen Gründen zahlreiche Anfragen gab, möchte ich auf diesem Wege einmal die Fakten und die Historie klarstellen:

Eine Berliner Schule hat auf dem Schulhof die Benutzung der deutschen Sprache zur Pflicht gemacht. Nachdem zahlreiche Politiker bis hin zum ehemaligen Bundestagspräsidenten Thierse diese Initiative begrüßt hatten, schwappte das Thema am 24. Januar auch nach Hamburg über. Ich habe allen Medien auf Anfrage erklärt, daß jede Schule selber entscheiden muß, ob sie hier Handlungsbedarf sieht. Sollte eine Schule aber die Benutzung der deutschen Sprache auf dem Schulhof durch eine Entscheidung der Schulkonferenz zur Pflicht machen wollen, würde ich dies begrüßen. Die meisten Medien haben dies auch entsprechend berichtet:

Hamburger Abendblatt vom 25.1.:
Ähnlich sieht es der CDU-Bildungsexperte Robert Heinemann. ?Ich finde es gut, wenn eine Schule diesen Weg geht, aber wir werden das nicht vorschreiben?, sagt der Bürgerschaftsabgeordnete. ?Ich weiß von einzelnen Lehrern, die Schüler darauf hinweisen, Deutsch besser auch in den Pausen zu sprechen.?

Hamburger Morgenpost von 25.1.:
Robert Heinemann, der schulpolitische Sprecher der CDU, begrüßt das Berliner Beispiel. ?Wenn Lehrer, Eltern und Schüler an einer Hamburger Schule sich für ein Deutschgebot entscheiden, dann begrüße ich das.? Schließlich führe es auch zu Aggressionen, wenn mehrere Schüler in einer fremden Sprache tuschelten. ?Das hat auch nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun. Bei unseren vielen Sprachen ist das Opfer ja auch gar nicht unbedingt ein deutsches Kind.? Heinemann hält aber nichts davon, den Schulen seitens der Stadt eine Regelung von oben zu verordnen. Genauso sieht das Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig.

Welt vom 26.1.:
Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig (CDU) hatte bereits erklärt, daß eine ?Deutsch-Anweisung? aus ihrer Sicht nichts bringen werde. Auf eine freiwillige Übereinkunft setzt CDU-Bildungspolitiker Robert Heinemann.

Auch die Bild-Zeitung hat mich am 24. Januar angerufen und auch der Bild-Zeitung habe ich die gleiche Auskunft gegeben. Der Bild-Redakteur fragte mich jedoch zusätzlich, welche Sanktionsmöglichkeiten eine Schule denn überhaupt habe, wenn sie die Deutschpflicht durchsetzen wolle. Ich habe ihm erklärt, daß auch darüber die Schule jeweils selber befinden müsse. Für nicht geeignet hielte ich jedoch Maßnahmen nach dem Schulgesetz wie etwa der Ausschluß vom Unterricht. Statt dessen gebe es eine ganze Bandbreite von Maßnahmen vom erzieherischen Gespräch über Verfahren wie bei den Streitschlichtern bis hin zu Strafmaßnahmen wie dem Fegen des Schulhofes.

Am nächsten Tag zitierte mich die Bild mit dem Satz: ?Sanktionen müßten die Schulen selbst festlegen. Mögliche Strafe: Wer nicht deutsch spricht, soll den Schulhof fegen.? Das war zwar erheblich verkürzt ? aber noch nicht völlig falsch. Ich telefonierte am 25.1. mit dem Redakteur und erklärte ihm, daß dieses Zitat ?journalistisch an der Grenze? sei.

Am nächsten Tag wurde dennoch in der Bild-Berichterstattung aus dieser MÖGLICHEN Maßnahme plötzlich eine FORDERUNG, ein ?Besen-Appell?, den ich auch noch ?ausdrücklich bekräftigt haben? soll. Mehr noch: In der Bildunterschrift steht der unglaubliche Satz: ?Wer nicht RICHTIG deutsch spricht, soll fegen, meint Schulexperte Robert Heinemann.?

Dies war nicht mehr nur verknappt zitiert, dies war definitiv falsch ? mit entsprechenden Folgen. Genauso falsch übrigens wie das Zitat von SPD-Schulexpertin Britta Ernst, die zu dem ?Besenappell? gesagt gaben soll: ?Ich sehe keinen Grund zur Kritik. Im Kern hat Herr Heinemann recht.? Sowohl die SPD als auch ich persönlich haben sich daraufhin massiv bei der Bild-Zeitung beschwert. Der zuständige Lokalchef hat sich mehrfach ausdrücklich bei mir entschuldigt ? zumal trotz meines ersten Telefonates mit ihm das falsche Zitat am 28. Januar noch einmal als ?Spruch der Woche? erschien.

Am heutigen 30. Januar wird in der Hamburger Ausgabe der Bild-Zeitung daher eine Richtigstellung in Form eines kurzen Interviews erscheinen. Ich hoffe, daß ich mit diesen Ausführungen zur Klarstellung beitragen konnte und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Robert Heinemann
Schulpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion

<< Hauptseite geschrieben von dsw am 30.01.2006

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