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Die DEUTSCHE SPRACHWELT beanstandet die Behinderung des Rückbaus der Rechtschreibreform

Nachrichtenagenturen und Medien berichten in großer Zahl über die Kritik der DEUTSCHEN SPRACHWELT an der Entscheidung der Kultusministerkonferenz (KMK), Teile der Rechtschreibreform, die noch nicht überarbeitet worden sind, zum 1. August an Schulen und Behörden alleinverbindlich zu machen. Im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2) äußerte sich dazu der Schriftleiter der DEUTSCHEN SPRACHWELT, Thomas Paulwitz. Unten geben wir die Agenturmeldungen von dpa und ddp wieder, die am 3. Juni verbreitet wurden.


Reformgegner: Kultusminister verschärfen «Rechtschreibchaos»

Berlin (dpa) ? Die Gegner der Rechtschreibreform haben das jüngste Votum der Kultusministerkonferenz als «babylonischen Irrsinn» bezeichnet.

Mit ihrem Beschluß, zum 1. August einen Teil der Reform in Kraft zu setzen, während andere Teile noch überarbeitet werden, wollten die Kultusminister «den Rückbau fehlerhafter Reformteile verhindern» und «nur einen kleinen Teil ausbessern», sagte am Freitag der Chefredakteur der Zeitung «Deutsche Sprachwelt», Thomas Paulwitz. Das Blatt gilt als Sprachrohr der Reformgegner. Die Kultusminister bewirkten mit ihrem Beschluß «mehr Verwirrung als Klarheit und verschärfen das Rechtschreibchaos».

Paulwitz forderte den designierten nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) auf, «sobald wie möglich sein Wahlversprechen zur Rechtschreibreform einzulösen». Rüttgers habe vor der Wahl versprochen, dass die CDU bei einem Wahlsieg dafür sorgen werde, «dass man zu den bewährten Regeln zurückkehrt». Wenn das bevölkerungsreichste Bundesland jetzt bei der Reform aussteige, «kippt die Rechtschreibreform endgültig».


Rat soll «Rechtschreibfrieden» wiederherstellen

Mannheim (dpa) ? Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist am Freitag in Mannheim zusammengekommen, um abschließend über die strittigsten Fälle der Getrennt- und Zusammenschreibung zu beraten. Unmittelbar vor der wichtigen Sitzung des Expertengremiums erklärte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ihre Mitgliedschaft in dem Rat. Damit ist die mit Befürwortern und Gegnern der Rechtschreibreform besetzte Runde endgültig komplett.

Der Expertenrat war von Kultusministerkonferenz eigens zur Wiederherstellung des «Rechtschreibfriedens» eingesetzt worden. Das Gremium wird von dem früheren bayerischen Kultusministers Hans Zehetmair (CSU) geleitet. Neben der Getrennt- und Zusammenschreibung will der Rat Änderungsvorschläge für die Silbentrennung und die Zeichensetzung erarbeiten. Die Kultusministerkonferenz hatte am Donnerstag beschlossen, daß die unstrittigen Teile der Rechtschreibreform wie geplant zum 1. August für Schulen und Behörden verbindlich werden. In den vom Rechtschreibrat behandelten Streitfällen soll dagegen von den Lehrern in den Schulen weiterhin «Toleranz geübt» und keine Fehler gewertet werden.

Als weitgehend unstrittig gelten die neuen Regeln für die Groß- und Kleinschreibung und die Laut-Buchstaben-Zuordnung. Dies betrifft zum Beispiel die neue Schreibweise von Stängel (früher Stengel), aufwändig (früher aufwendig) oder Soße (früher Sauce). Zur Begründung wird dabei entweder der Laut für die neue Schreibung zu Grunde gelegt oder die Herkunft des Wortes, zum Beispiel Stängel von Stange oder aufwändig von Aufwand.

Die Gegner der Rechtschreibreform bezeichneten das Votum der Kultusministerkonferenz unterdessen als «babylonischen Irrsinn». Mit ihrem Beschluß wollten die Kultusminister «den Rückbau fehlerhafter Reformteile verhindern» und «nur einen kleinen Teil ausbessern», sagte der Chefredakteur der Zeitung «Deutsche Sprachwelt», Thomas Paulwitz. Der Deutsche Lehrerverband bezeichnete die neuen Rechtschreibregeln als unfertig. Sollte sich der Rat am Freitag auf die Empfehlungen zur Getrennt- und Zusammenschreibung verständigen, wird die Kultusministerkonferenz zunächst eine Anhörung ansetzen, bei der vor allem Lehrer und Elternverbände Stellung beziehen sollen. Das Expertengremium muß die Änderungsvorschläge mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit beschließen.


Rechtschreibreförmchen beschlossen
Kultusminister einigen sich auf Inkrafttreten unstrittiger Regeln - Scharfe Kritik am Beschluß

Berlin (ddp) ? Die unstrittigen Teile der Rechtschreibreform sollen wie geplant zum 1. August in Kraft treten. Darauf verständigte sich die in Quedlinburg tagende Kultusministerkonferenz (KMK). KMK-Präsidentin Johanna Wanka (CDU) nannte den Beschluß am Freitag eine «gute Entscheidung». «Auch in Deutschland muß man irgendwann einmal zum Abschluß von Reformen kommen», sagte sie. Außen vor bleiben zunächst die Getrennt- und Zusammenschreibung, die Silbentrennung und die Zeichensetzung. An den Beschlüssen der KMK gab es scharfe Kritik.

Am Nachmittag wollte sich noch der in Mannheim tagende Rat für Deutsche Rechtschreibung äußern. Das Gremium hatte bei der Getrennt- und Zusammenschreibung für eine Rückkehr zu den alten Regeln plädiert. Wanka sagte, der Rat habe keine Frist für eine Entscheidung genannt bekommen, solle aber einen Zeithorizont setzen. Unstrittig sind laut KMK die neuen Regeln zur Laut-Buchstaben-Zuordnung, zur Schreibung mit Bindestrich sowie zur Groß- und Kleinschreibung. Schreibweisen, die nicht diesen Regeln entsprechen, werden in Schulen ab 1. August als Fehler bewertet. In den noch ungeklärten Punkten sollen Lehrer dagegen bei der Bewertung tolerant sein, bis der Rechtschreibrat seine Beratungen abgeschlossen hat.

Der kulturpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Joachim Otto, forderte, das Inkrafttreten der Reform um ein Jahr zu verschieben. So könne der Rechtschreibrat «seine erfolgversprechende Arbeit fortsetzen». Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, sagte, auch die nun vorliegenden Pläne seien «wieder nichts Fertiges».

Der Germanist Theodor Ickler kritisierte, nur Teile der Reform in Kraft treten zu lassen, führe «zu einem noch größeren Durcheinander». Nach Ansicht des Vertreters des PEN-Zentrums Deutschland im Rechtschreibrat würden besonders Lehrer bei der Korrektur von Schülertexten vor Probleme gestellt.

Auch der Chefredakteur der Fachzeitung «Deutsche Sprachwelt», Thomas Paulwitz, sagte, die Kultusminister sorgten mit ihrer jüngsten Entscheidung für «mehr Verwirrung als Klarheit und verschärften das Rechtschreibchaos». Schülern und Lehrern könne ein solches Teilinkrafttreten nicht zugemutet werden.

Der Verlag Axel Springer wollte die Entscheidung nicht kommentieren. Letztlich seien die strittigen Fragen weiter offen, sagte Sprecherin Edda Fels. Deshalb wolle ihr Haus die Entscheidung des Rates für Deutsche Rechtschreibung abwarten. Der Verlag hoffe, daß sich die Politik diesen Vorschlägen nicht verschließen werde. Die Zeitungen des Verlages waren im vergangenen Jahr zur alten Rechtschreibung zurückgekehrt.

Zustimmung für den Beschluß der KMK kam vom Deutschen Philologenverband. Vorsitzender Heinz-Peter Meidinger nannte die Entscheidung der Minister »nachvollziehbar und praxisorientiert«. Da die strittigen Teile nur rund 0,5 Prozent des Wortschatzes beträfen, werde dies »in der Praxis kaum Probleme für die Schulen aufwerfen«.


Berichte gab es unter anderem in: RTL.de, Südwest-Presse, Allgäuer Zeitung, Magdeburger Volksstimme, Märkische Oderzeitung, Hessisch-Niedersächsische Allgemeine (HNA), Eßlinger Zeitung, Frankfurter Neue Presse, Neckar-Quelle, Neue Westfälische, Bonner General-Anzeiger, Pforzheimer Zeitung, Mindener Tageblatt, Lippische Landes-Zeitung, Leipziger Volkszeitung, Trostberger Tagblatt, Aachener Zeitung, Backnanger Kreiszeitung, Harburger Nachrichten, Fränkischer Tag, tz, Böblinger Bote, Schwäbische Zeitung, Neue Osnabrücker Zeitung, Passauer Neue Presse, Oberhessische Presse, Münchner Merkur, Zevener Zeitung, Bote vom Haßgau, Südkurier, Reutlinger Generalanzeiger, Die Welt, Berliner Morgenpost, Heidelberger Nachrichten, Offenbach-Post, Lübecker Nachrichten, Thüringische Landeszeitung, Thüringer Allgemeine, Westfalenpost, Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), Ostthüringer Zeitung, Nürtinger Zeitung, Landeszeitung Lüneburg, Dresdner Neueste Nachrichten, Rhein-Neckar-Zeitung, Neue Ruhr-Zeitung, Rhein-Zeitung, Uetersener Nachrichten, Wendlinger Zeitung, Mainecho, Goslarsche Zeitung, Kieler Nachrichten, Aachener Nachrichten, Leipziger Volkszeitung, Allgäuer Zeitung, ORF, Freie Presse, Fulda-Info, Kölner Stadt-Anzeiger, Kurier (Ö), Spiegel Online, Kölnische Rundschau, Focus Online.

<< Hauptseite geschrieben von dsw am 04.06.2005

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