Die Sprachzeitung für alle! Die Sprachzeitung für alle! Deutsche Sprachwelt - Gemeinsam erhalten und gestalten
Hauptseite
Wissen
Neueste Ausgabe
Berichte
Archiv
Meinung
Sprachpanscherei
Sprachwahrer
Engleutsch?
Dienste
Spenden
Verweise
Impressum
Kontakt
Nachrichten

Sieben Gründe, warum die reformierte Doppel-s-Regelung abgeschafft werden muß

Heute stellt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zum wiederholten Male ihren ?Kompromißvorschlag? zur Rechtschreibreform vor. Er besteht aus willkürlichen und unsystematischen Einzelfestlegungen und dem Zugeständnis, die neue Doppel-s-Schreibweise beizubehalten. Der Vorschlag ist deswegen sowohl von Befürwortern der Rechtschreibreform als auch von ihren Gegnern mehrmals zurückgewiesen worden. Anfang des Jahres wurde die Rechtschreibkommission zu Gesprächen mit der Akademie verpflichtet, die ganz und gar scheiterten. Die Nachteile eines Kompromisses liegen auf der Hand: Es stünde nicht die Besinnung auf die beste Schreibweise im Vordergrund, sondern politische Taktiererei. Außerdem wäre ein Kompromiß so teuer wie die von den Kultusministern beschlossene Umsetzung der Reform der Reform zum 1. August 2005, die der neue Duden schon fehlerhaft vorweggenommen hat.

Die Akademie bezeichnet den Schaden, den die reformierte Doppel-s-Regelung anrichtet, als ?nicht nennenswert?. Die DEUTSCHE SPRACHWELT ist anderer Meinung und faßt deswegen aus aktuellem Anlaß noch einmal sieben Gründe zusammen, warum die reformierte Doppel-s-Regelung wieder abgeschafft werden muß:

1. Alter Hut:
Die reformierte Doppel-s-Schreibung hat sich schon im 19. Jahrhundert nicht bewährt.

Die vermeintlich moderne Doppel-s-Schreibung hat Christian August Heyse Anfang des 19. Jahrhunderts erfunden. In Österreich wurde sie 1879 eingeführt und 1902 wieder abgeschafft, weil sie sich schon damals nicht bewährt hatte.

2. Mehr Rechtschreibfehler:
Die reformierte Doppel-s-Schreibung ist erwiesenermaßen fehlerträchtiger als die bewährte Regelung.

Der Leipziger Professor Harald Marx hat die Rechtschreibleistungen von Grundschülern im Hinblick auf die Doppel-s-Schreibung im Jahr 1996, also vor der Reform, und nach der Reform (1998, 2001, 2003 und 2004) untersucht. Marx stellte fest, daß die Schüler mit den Reformregeln mehr Fehler machen. Er wies Übergeneralisierungen nach. Marx: ?Wörter, die in der S-Laut-Schreibung von der Rechtschreibreform nicht betroffen waren, wurden jetzt häufiger als vor der Reform falsch geschrieben.? Dazu trage vor allem das Nebeneinander von bewährter und reformierter Schreibung bei. Beispiele für Falschschreibung durch Übergeneralisierungen: heiss, Strasse, Grüsse und so weiter.

3. Keine Vereinheitlichung:
Die reformierte Doppel-s-Schreibung führt ? anders als behauptet ? nicht zu einheitlichen Schreibweisen.

Die hessische Landesregierung behauptete zum Beispiel am 19. August dieses Jahres in ihren ?10 guten Gründen für die Rechtschreibreform?, die reformierte Doppel-s-Schreibung führe gemäß dem Stammprinzip ?zu einheitlichen Schreibweisen - Fluss schreibt sich wie Flüsse -, wo früher Abweichungen gelernt werden mussten.? Das Gegenbeispiel braucht man nicht lange zu suchen: fließen ? floss ? geflossen.

4. Verdruß am Schluß:
Die reformierte Doppel-s-Schreibung steigert die Fehlerwahrscheinlichkeit am Wortende um 33 Prozent.

Früher galt die Eselsbrücke: ?Doppel-s am Schluß bringt Verdruß.? Waren früher nur einfaches s und ß am Wortende möglich (Gruß, Fluß, Bus), so gibt es mit der reformierten Doppel-s-Schreibung drei Möglichkeiten: s, ss und ß (Gruß, Fluss, Bus). Die Wahrscheinlichkeit, daß es zu einem Rechtschreibfehler kommt, hat hier um 33 Prozent zugenommen.

5. Vorbote weiterer Eingriffe:
Die reformierte Doppel-s-Schreibung ist nur ein erster Schritt zu weiteren Eingriffen in die deutsche Schreibung.

Die Abschaffung vieler ß-Schreibungen soll nur das Tor zu weiteren Eingriffen in die Sprache aufstoßen. Laut SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser müsse man ab dem Jahr 2005 den Weg weitergehen in Richtung ?gemäßigte Kleinschreibung?. Das ?ß? müsse gänzlich abgeschafft werden.

6. Schwerer lesbar:
Die reformierte Doppel-s-Schreibung führt zu schwerer lesbaren Schreibweisen.

Zahlreiche zusammengesetzte Wörter sind durch die reformierte Doppel-s-Schreibung schwerer zu lesen: Messergebnis, Nussecke, hasserfüllt, Flusssand, Schlussserie, Schlossstraße, Flussschifffahrt. Das Wortbild mit der ß-Marke ist dagegen schneller zu erfassen: Meßergebnis, Nußecke, haßerfüllt, Flußsand, Schlußserie, Schloßstraße, Flußschiffahrt.

7. Zahlreiche Ausnahmen:
Die reformierte Doppel-s-Schreibung ist schwieriger als es den Anschein hat.

Nach kurzem Selbstlaut Doppel-s, nach langem Selbstlaut und nach Zwielaut ?ß?? Eine scheinbar einfache Regel entpuppt sich als große Hürde für Neulerner: ?Dass isst dass Hauß vom Nikolauß.? Um diesen Satz nach der Rechtschreibreform richtig schreiben zu können, müssen zahlreiche undurchsichtige und schwierige Ausnahmeregeln gelernt werden. Vergleiche auch die möglichen Falschschreibungen ?Kultussbürokratissmuss?, ?Armutszeugniss?, ?Ohne Fleiß kein Preiß?.


Die Vernunft siegt!

Thomas Paulwitz
Schriftleiter der DEUTSCHEN SPRACHWELT

<< Hauptseite geschrieben von Thomas Paulwitz am 30.08.2004

Dieses Neuigkeitensystem wurde von Phil Marx entwickelt.
http://www.yubb.de

 
Zurück Nach Oben
© 2000-2008 Verein für Sprachpflege e. V. – Alle Rechte vorbehalten!