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Denkmal für die Urheber der Rechtschreibreform
Zur Ehrentafel ...


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(bitte herunterladen und verbreiten!)

Pressemitteilung vom 1. August 2006

Ehrentafel der Rechtschreibreform
von A bis Z (wird laufend erweitert)

Gerhard Augst
Vorsitzender der Rechtschreibkommission am Institut für deutsche Sprache (1990 bis 1997; Mitglied seit 1979)
Vorsitzender der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung (1997 bis 2004)

„Wir erkennen an, dass es gerade den versierten Schreibern schwer(er) fällt, Erlerntes und Beherrschtes durch anderes zu ersetzen, zumal in dem einen oder anderen Fall die Begründung – z. B. eine optische Differenzierung, die einem wenigstens das Lernen des Schwierigen einsichtig machte – nun nicht mehr gelten soll. Die neuen Schreibungen und Regeln lösen daher gerade bei manchen Schreibkönnern Unbehagen und emotionale Abwehr aus. Aber allein ästhetisches Unbehagen kann nach diesem langen Verfahren kein Grund für eine nachträgliche Änderung sein. So war es z. B. in der Erarbeitung bis zuletzt umstritten, ob ein Vokal abgetrennt werden können soll. Nun ist aber die Entscheidung gefallen. Wen es stört, der kann diese Trennung selbst leicht vermeiden; aber wegen der Verlässlichkeit des Verfahrens sollte er jetzt die Toleranz aufbringen, es zu ‚erdulden‘, wenn andere von dieser Trennregel Gebrauch machen.“ (Gerhard Augst, Burkhard Schaeder, Rechtschreibreform. Eine Antwort an die Kritiker, 1997, Seite 48)

Karl Blüml
Leiter der Wissenschaftliche Arbeitsgruppe des Koordinationskomitees für Orthographie beim Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten, Wien
Stellvertretender Vorsitzender der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung (1997 bis 2004)
Mitglied des Rechtschreibrates (seit 2004)
„Das Ziel der Reform waren gar nicht die Neuerungen. Das Ziel war, die Rechtschreibregelung aus der Kompetenz eines deutschen Privatverlages in die staatliche Kompetenz zurückzuholen.“ (Karl Blüml in: Der Standard, 31. Januar 1998)

Peter Gallmann
Stellvertretender Vorsitzender der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung (1997 bis 2004)
Mitglied des Rechtschreibrates (seit 2004)

Die Schweizer Reformer Peter Gallmann und Horst Sitta schrieben schon im Oktober 1996 in einer „Stellungnahme zu den Unruhen bezüglich der Umsetzung der neuen Rechtschreibung in Deutschland“: „Noch gar nicht gesprochen worden ist über die Möglichkeit, dass bei der Arbeit am Regelwerk auch Regeln formuliert worden sein können, die fragwürdig sind, was sich womöglich erst bei der konkreten lexikographischen Arbeit herausstellt. All diese Probleme waren natürlich weder dem Internationalen Arbeitskreis noch den Behörden unbekannt.“

Georg Gölter
Kultusminister von Rheinland-Pfalz (1981 bis 1991)
„Was die Beantwortung der Frage nach den Vätern der Reform angeht, gibt es eine relativ einfache Antwort: Konrad Duden mit seinem Begriff  ‚Zwischenziel‘. Doch ist eine solche Antwort vielleicht doch etwas zu einfach. Für Friedrich Besch, Staatssekretär im Düsseldorfer Schulministerium, ist Georg Gölter, der damalige Kultusminister von Rheinland-Pfalz, der eigentliche Vater der Reform.“ (Zabel, Keine Wüteriche am Werk, Seite 410)
„Spiegel: Da können wir fast ohne Risiko eine Prognose wagen: Die Kommission wird sich auf allen Gebieten einigen ... Nur in einem Punkt wird eine Minderheit die Reform ablehnen, eben wenn es um die Groß- und Kleinschreibung geht.
Gölter: Das wäre ein faszinierendes Ereignis, das wäre ja sogar ein Jahrhundertereignis. Ich nehme mich nicht wichtiger als ich bin, aber wenn der Kultusminister Georg Gölter aus dem relativ kleinen Bundesland Rheinland-Pfalz dazu einen Beitrag geleistet hat, dann kann er darauf sogar ein bißchen stolz sein.“
(Spiegel-Gespräch mit Kultusminister Georg Gölter (CDU) über die Rechtschreibreform, 17. Mai 1989)

Günther Habedank
Leitender Ministerialrat im hessischen Kultusministerium; verstorben
„Die entscheidende Frage ist jetzt nicht mehr, ob dieses oder jenes einzelne Wort rechtschreibmäßig akzeptabel positioniert ist, sondern entscheidend ist jetzt, ob die damit befaßten Gremien sich der Lage sehen, der Angelegenheit den vorgeschlagenen und wohlüberlegten Fortgang zu geben.“ (Wiesbaden, 23. Juni 1994)
„Ein wenig erstaunt war ich über den Grad ihres Engagements, weil Sie den Eindruck erwecken, es handle sich um einen Rechtschreibumsturz, gegen den Sie agieren. Dabei handelt es sich doch voraussichtlich nicht um wesentlich mehr als einen besonderen Akt der Sprachpflege, der vorgenommen werden soll, abgesprochen zwischen den deutschsprachigen Ländern.“ (Antwort von Habedank an Prof. Dr. Gerhard Thews, 1. April 1993)

Klaus Heller
Mitglied der Rechtschreibkommission am Institut für deutsche Sprache (1992 bis 1997)
Geschäftsführer der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung (1997 bis 2004)

„Jeder aufmerksame Leser, der sich die Mühe macht, gegen die Neuregelung der Rechtschreibung gerichtete Pamphlete mit seriösen Veröffentlichungen zu vergleichen, wird sich leicht davon überzeugen können, in welchem Maße mit Unwahrheiten, Halbwahrheiten und bloßen Behauptungen gearbeitet wird, um die Bemühungen zu diskreditieren, die doch dazu führen sollen, mit weniger Lernaufwand als bisher zu einer sicheren Handhabung unserer Rechtschreibung zu kommen. Selbstverständlich fällt es uns allen schwer, einst mühsam erlernte Regeln oder einige seit Kindesbeinen bekannte Wortbilder einer Veränderung unterworfen zu sehen.“ (PC-Magazin, Juli 1997, Seite 164)

Rudolf Hoberg
Vorsitzender der Gesellschaft für deutsche Sprache
Mitglied der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung (1997 bis 2004)
„Der Darmstädter Linguist Rudolf Hoberg, der jahrelang in der Öffentlichkeit mitdiskutiert ha
t, wundert sich in der Rückschau über zweierlei – ‚die große Bedeutung, die dem Thema beigemessen wird, und die stupende Ignoranz, die das Urteil der allermeisten Beteiligten auszeichnet ... In der Regel äußern sich auch Menschen zur Rechtschreibung und zu ihrer Reform, denen die einfachsten Kenntnisse fehlen, die nicht einmal zwischen Sprache und Schrift, zwischen Ausdruck und Inhalt, zwischen Lauten und Buchstaben unterscheiden können; die kaum eine Ahnung von den Prinzipien haben, die unsere Rechtschreibung bestimmen; die nicht wissen, welche Rolle staatliche Instanzen bei der Festlegung der bisherigen Rechtschreibnorm gespielt haben; die ernsthaft glauben, diese Norm habe sich ,frei entfaltet‘ und müsse das auch in Zukunft tun ...“ (Die Zeit, 14. November 1997)

Johanna Wanka
Präsidentin der Kultusministerkonferenz (2005)
Brandenburgische Kultusministerin (seit 2000)
„Die Kultusminister wissen längst, dass die Rechtschreibreform falsch war“, sagt sie. Sie sieht auf ihren Teller: „Aus Gründen der Staatsräson ist sie nicht zurückgenommen worden.“ (Der Spiegel, 2. Januar 2006)

Hans Zehetmair
Bayerischer Kultusminister (1986 bis 1998)
Vorsitzender des Rechtschreibrates (seit Dezember 2004)
„Ich habe mich um den Job ja nie beworben – sondern mich aus Fürsorge um die deutsche Sprache geopfert!“ (in: Die Welt, 28. Juli 2006, auf die Frage: „Bereuen Sie bei all der Schreibverwirrung, sich jemals für die Rechtschreibreform eingesetzt zu haben?“)
„Eine Zweidrittelmehrheit bedeutet natürlich auch manchen Kompromiss, der vielleicht für die Sprache nicht das Beste ist.“ (über das dritte amtliche Regelwerk, das vom Rat für Rechtschreibung mit Zweidrittelmehrheit beschlossen wurde; Rheinischer Merkur, 16. Februar 2006)
„Wir hätten die Rechtschreibreform nicht machen sollen. Ich sage: Politik, Hände weg von einer Rechtschreibreform! Sprache ist ein dynamischer Prozess, sie muss wachsen und entstehen.“ (Passauer Neue Presse, 30. April 2003)

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