Deutsche Sprachwelt
Die Sprachzeitung für alle! Die Sprachzeitung für alle! Deutsche Sprachwelt - Gemeinsam erhalten und gestalten
Hauptseite
Wissen
Neueste Ausgabe
Berichte
Archiv
Meinung
Sprachpanscherei
Sprachwahrer
Engleutsch?
Dienste
Spenden
Verweise
Impressum
Kontakt
Berichte


Warum Sprachhunzer und nicht Sprachverhunzer?
Hintergründe einer Wortschöpfung des Vereins Deutsche Sprache

Von Ulrich Werner

Denninger Str. 104
81925 München
Fernruf 089/42941114
Ferndruck (Fax) 92401115
www.sprache-werner.info

Liebe Sprachverhunzungsgegner,

der lebhafte Gedankenaustausch zum Thema Hunzen und Verhunzen der Sprache hat mich veranlaßt, in „Trübners Deutsches Wörterbuch“ Ausgabe 1939, zu schauen. Ich tat dies trotz der Bemerkung des verehrten Herrn Hellwich, „Auf den falschen Ausdruck Sprachhunzer wurde bereits mehrfach hingewiesen.“ Er meint sicher „mehrmals“. Im Trübner stehen folgende Einträge:

hunzen schw. (bedeutet „schwach flektierend“) Zw., das mit seinen Zusammensetzungen aus-, herunter-, ver- und zerhunzen erst im Nhd. erscheint und von da ins Dänische als hundse entlehnt wird. Die Bedeutung ist klar: „da er noch unser Knecht war, hunzt' ich ihn täglich“; „der Oberknecht, der in früheren Diensten von reichen Bauern gehunzt worden war“; „Und (er) wurde nicht, bis er gestorben Von sterblichen Wesen gehunzt“. Sie ergibt sich aus der Behandlung, die dem Hunde, bes. dem Ziehhund oft widerfuhr. Das Ztw. ist eine Bildung wie duzen, erzen, siezen zu Du, Er, Sie und bedeutete „jemdn. einen Hund nennen“, dann „wie einen H. behandeln“.

Das einfache Ztw. ist heute verschwunden; dagegen werden die Zusammensetzungen noch oft gebraucht. So aushunzen (ausschelten): „Und wenn es niemand tut, so hunzt die Frau mich aus“; „Wie hunzt sie da das arme Dirnchen aus“; „Wir schämen uns doch herzugehn, weil sie uns so ausgehunzt hat“;. - herumhunzen: „Die ganze Welt hunzt an einem herum“. - herunterhunzen: „aber hunzen se den grünen Jungen morgen vom Theater herunter, trink ich mir vor Freuden 'nen Spitz“. - Vor allem verhunzen: „wir ... bemühen uns die Lateinischen oder Griechischen terminos technicos mit dunckeln und lächerlichen Worten zu verhunzen“; „Es ist gut in London wie in Berlin, nur die Qual ums tägliche Brot verhunzt einem das eine wie das andre“; „Laß dies verhunzte Wahlrecht nur ein einziges Mal wirken“; „Alldieweil man sich ja sunst Den Pensionsbezug verhunzt“. – Es folgen 14 Literaturstellen.

verhunzen schw. Ztw. Das einfache hunzen (s. d.) „wie einen Hunde behandeln“ ist heute so gut wie verschwunden, und nur ganz ausnahmsweise liest man noch: „Denselben Tag gegen Abend klagt der Thurmöder dem Ulrich gegenüber, wie elend es manchmal einen fuchsen kann und wie es besonders ihn fuchst und hunzet“. Von Zusammensetzungen finden sich ab und zu noch aushunzen (ausschelten) („Freilich würde mich der Vater schön vornehmen und aushunzen, wenn er mich hier ertappte“), herumhunzen und herunterhunzen: „runtergehunzt hat sie ihn, daß man's auf der ganzen Hasengasse gehört hat“.

Allgemein üblich ist nur noch verhunzen (schlecht, verachtungswert machen, vererben). Nur vereinzelt kommt es mit persönlichem Objekt vor: „Die Helden des Alterthums mit Kommentationen zu schinden und zu verhunzen mit Trauerspielen“. Eher schon: „ein junges Weib, ... eine freundliche liebenswerthe Tochter der guten Natur, an der die Hand der Kunst nichts verhunzt noch verhudelt hatte“. Frei: „Verzweiflung , wenn die beiden liebsten Menschen etwa Beethoven oder Schubert verhunzten“; „als plötzlich jemand im anstoßenden Musikzimmer Grieg verhunzte“.

Häufiger sagt man es von Dingen und Abstr.: „Man kann eine Rolle sehr richtig deklamieren und doch alles auf das Erbärmlichste verhunzen“; „Federfuchser ... wie sie jetzt durchs Land kutschieren und verhunzen, was des Kriegsmanns Säbel einstens gut gemacht hat“; „Und daß, man sein verhunztes Leben noch mit einem ungemütlichen Abgang bezahlen muß“; „Die Oper müssen sie Euch auf der Stelle zurückschicken. Weiß Gott, wie sie verhunzt sein mag“; „eine Menge schöner alter Ortsnamen wurden schon durch Dummheit und büreaukratische Borniertheit verhunzt“; „seit die Segelstange das Nasenbein zertrümmert und ihm das Anlitz verhunzt hatte“. - Ableitungen sind Verhunzer M. und Verhunzung W., die gern in Zusammensetzungen gebraucht werden. Löns schreibt von einem unweidmännischen Jäger: „An einem hellen Septembermorgen sitzt der Massenmörder und Naturverhunzer wieder in seiner Erdhütte“; „Diese empörenden Sprachverhunzer sollten wie die Buben, die die Denkmäler besudeln, auf öffentlichem Markte gestäubt werden“. – Es folgen 15 Literaturstellen.

Der Erfindungsdrang nach neuen Wörter wird uns wahrscheinlich bald hunzeln, den Hunzler, Hunzelei, hunzlerisch, hunzträchtig, hunzfähig, hunztückisch und andere Verhunzungen erzeugen.

Und noch ein Tip: Geben Sie das Suchwort verhunzen in die Suchmaschine Google ein.

 

 
Zurück Nach Oben
© 2000-2013 Verein für Sprachpflege e. V. – Alle Rechte vorbehalten!