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Wahlprüfsteine für die Landtagswahl in Baden-Württemberg

Antwort der SPD (in neuer Rechtschreibung)

1. Wie beurteilt Ihre Partei die zunehmende Durchdringung der deutschen Sprache mit unnötigen Anglizismen?
Zusammenfassung: Die SPD beklagt einen „Rückgang an Sprachfähigkeit“. Spitzenkandidatin Ute Voigt wendet sich „gegen den bedenkenlosen Umgang mit Anglizismen“.

2. Welche Maßnahmen wären nach Ihrer Ansicht denkbar, um diesem kulturellen Verfall Einhalt zu gebieten?
Zusammenfassung: Die SPD sieht den Hauptansatzpunkt im Schulunterricht. Sie will gezielt Kinder fördern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist und „die von der Landesregierung vorgenommenen Kürzungen bei der Sprachförderung rückgängig machen“.

3. Gerade auch im öffentlichen Bereich, in Ministerien, Verwaltungen usw. sitzen Sprachpanscher zuhauf. Wie würde Ihre Partei zukünftig die Vorbildfunktion öffentlicher Einrichtungen im Sprachgebrauch anmahnen?
Zusammenfassung: Die SPD-Spitzenkandidatin Ute Voigt verspricht, auf ihren Sprachgebrauch zu achten und sich dafür einzusetzen, daß die Broschüren des Landes in „verständlicher deutscher Sprache“ gehalten sein werden.

4. Aus Wirtschaftskreisen werden Forderungen laut, Englisch als zweite Amtssprache in Deutschland einzuführen. Wie steht Ihre Partei zu solchen Ideen?
Zusammenfassung: Die SPD sieht keinen „Anlass, Englisch zur zweiten Amtssprache zu machen. Die Beherrschung der deutschen Sprache und von ein oder zwei Fremdsprachen muss das Ziel sein, nicht das Abschwächen der Stellung der deutschen Sprache.“

Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Landesverband Baden-Württemberg

UTE VOGT Landesvorsitzende

Arbeitsgemeinschaft der bad.-württ.
Regionalgruppen im Verein Deutsche Sprache
Herrn Prof. Dr. Hans-Manfred Niedetzky
Lärchenstr. 27

75331 Engelsbrand
01. März 2001/cd

Wahlprüfsteine zur Entwicklung der deutschen Sprache

Sehr geehrter Herr Professor Niedetzky,

herzlichen Dank für die im Hinblick auf die Landtagswahl übersandten Prüfsteine zur Entwicklung der deutschen Sprache, die ich gerne beantworte. Neben dem ernsthaften Hintergrund der von Ihnen aufgeworfenen Fragen entbehrt dieses Thema im baden-württembergischen Landtagswahlkampf nicht einer gewissen Pikanterie, nachdem die Landesregierung ihre Imagekampagne unter das Motto "Wir können alles, außer Hochdeutsch" gestellt hat. Sie können gewiss sein, dass eine SPD-geführte Landesregierung diese Kampagne nicht fortsetzen wird.

Mit freundlichen Grüßen

Ute Vogt

Wahlprüfsteine zur Entwicklung der deutschen Sprache

1. Wie beurteilt Ihre Partei die zunehmende Durchdringung der deutschen Sprache mit unnötigen Anglizismen?

Sprache bildet einen wesentlichen Teil unserer kulturellen Identität. Sprache ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel, sie trägt viel zur Persönlichkeitsbildung und zum gesellschaftlichen Status des Einzelnen bei, Sprachlosigkeit führt in die Isolation. Sprache ist jedoch nichts statisches, sondern wird als lebendiger Organismus von den Menschen geprägt, die sich ihrer bedienen, sie unterliegt gesellschaftlichen und anderen Einflüssen, Weiterentwicklungen und Moden. In unserer Gesellschaft ist ein Rückgang an Sprachfähigkeit zu beklagen, der vielfältige Ursachen hat. Die mit der Globalisierung aller Lebensbereiche verknüpfte Internationalisierung und die enger und zahlreicher gewordenen Kontakte zwischen Menschen unterschiedlichster Nationalitäten und Sprachen haben ihren Teil dazu beigetragen, dass Englisch als weltweite Verkehrssprache in unserem Alltag ständig präsent ist. Dies trifft in gleicher Weise auf die weltumspannenden Medien- und Unterhaltungsindustrien und die meisten Bereiche des Wirtschafts- und Berufslebens zu. Uns geht es daher um die fließende Beherrschung der deutschen und von ein bis zwei weiteren Sprachen, und uns geht es um den bewussten Umgang und Gebrauch der Sprache. Ich wende mich deshalb gegen den bedenkenlosen Umgang mit Anglizismen im Deutschen. Ich glaube nämlich, dass ein Teil des beklagten Rückgangs an Sprachfähigkeit auch auf den gedankenlosen Umgang mit Sprache im Allgemeinen zurückzuführen ist, wie er insbesondere in den elektronischen Medien, aber auch von führenden Persönlichkeiten im Rampenlicht der Öffentlichkeit gepflegt wird.

2. Welche Maßnahmen wären nach Ihrer Ansicht denkbar, um diesem kulturellen Verfall Einhalt zu gebieten?

Der Hauptansatzpunkt ist die Gestaltung des Schulunterrichts, denn dort wird Sprache und der Umgang mit ihr gelernt. Die baden-württembergische SPD legt großen Wert darauf, die Beherrschung der deutschen Sprache zu fördern, wir haben hierzu einen eigenen Abschnitt in unser Wahlprogramm aufgenommen. Uns geht es dabei auch um die gezielte Förderung der Kinder, deren Muttersprache nicht deutsch ist. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Integration und Chancengleichheit, es ist aber auch eine unverzichtbare Maßnahme zur Hebung der allgemeinen Sprachfähigkeit und des Unterrichtsniveaus insgesamt. Wir wollen, dass zum Ende des ersten Schuljahres alle Kinder die deutsche Sprache so gut beherrschen, dass sie dem Unterricht folgen können. Wir werden die Anstrengungen von Kindergärten, Schulen und Jugendhilfe in diesem Bereich unterstützen und die von der Landesregierung vorgenommenen Kürzungen bei der Sprachförderung rückgängig machen.

3. Gerade auch im öffentlichen Bereich, in Ministerien, Verwaltungen usw. sitzen Sprachpanscher zuhauf. Wie würde Ihre Partei zukünftig die Vorbildfunktion öffentlicher Einrichtungen im Sprachgebrauch anmahnen?

Ich denke schon, dass die öffentlichen Einrichtungen und Verwaltungen durch den bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit der Sprache stilbildend sein könnten. Dies betrifft sowohl den Gebrauch von Fremdworten, wie auch die Bemühung um eine klare und verständliche Ausdrucksweise, anstelle von bürokratischen Satzungetümen. Wie nötig vor allem letzteres ist, zeigt ein Beispiel aus der Sitzung des Landtags vom 31. Januar diesen Jahres. Die Regierung hatte hier ein Gesetz zur Neuorganisation der Führungsakademie des Landes vorgelegt. In der Begründung war folgender Satz enthalten: „Mit der Neuregelung erfolgt eine Weiterentwicklung der im Wesentlichen durch die Monostruktur der Ausbildung von Nachwuchsführungskräften für leitende Führungsfunktionen geprägten Führungsakademie des Landes zu einer diversifizierten Einrichtung, die nach einem ganzheitlichen Verständnis als integraler Bestandteil einer strategischen und operativen Organisations- und Personalentwicklung zukunftsorientierte Inhalte, Verfahren und Maßnahmen der beruflichen Qualifizierung konzipiert, plant, vorbereitet, organisiert, erprobt, durchführt, auswertet und zertifiziert.“ Rainer Brechtken, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, hat dies in der Debatte nicht nur kritisiert, sondern auch mit dem Satz kommentiert „Fangen wir bei der Sprache mit der Reform an.“

Ich selbst werde gerne bereit sein, auf meinen Sprachgebrauch zu achten und will mich auch weiterhin bemühen, einer gewissen Vorbildfunktion gerecht zu werden. Für eine SPD-geführte Landesregierung kann ich Ihnen gerne zusagen, dass wir in den ministeriellen Pressestellen und auch für die Broschüren des Landes Wert darauf legen werden, dass sie in verständlicher deutscher Sprache erscheinen werden.

4. Aus Wirtschaftskreisen werden Forderungen laut, Englisch als zweite Amtssprache in Deutschland einzuführen. Wie steht Ihre Partei zu solchen Ideen?

Baden-Württemberg ist traditionell ein besonders exportstarkes Land, wir sind der Standort wichtiger Weltkonzerne, verfügen über international anerkannte Universitäten und Forschungseinrichtungen und verdanken es der Schönheit unseres Landes und der Gastfreundschaft der Menschen, dass auch viele Touristen aus dem Ausland gerne nach Baden-Württemberg kommen. Schon heute ist es für einen Großteil der Beschäftigten in Industrie und Dienstleistungen unabdingbar, dass sie auch in anderen Sprachen als der Deutschen fließend kommunizieren können. Es wäre blauäugig, diese Entwicklung nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen, wo die täglichen Arbeitskontakte für viele Beschäftigten immer internationaler werden und man mit größter Selbstverständlichkeit in verschiedenen Sprachen zuhause ist. Es besteht jedoch kein Anlass, Englisch zur zweiten Amtssprache zu machen. Die Beherrschung der deutschen Sprache und von ein oder zwei Fremdsprachen muss das Ziel sein, nicht das Abschwächen der Stellung der deutschen Sprache.

 

 
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