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Wahlprüfsteine für die Landtagswahl in Baden-Württemberg

Antwort der Republikaner (in hergebrachter Rechtschreibung)

1. Wie beurteilt Ihre Partei die zunehmende Durchdringung der deutschen Sprache mit unnötigen Anglizismen?
Zusammenfassung: Die Republikaner sehen die Entwicklung nicht nur als Ärgernis, sondern mit großer Sorge. Auch künftige Generationen sollten ihrer Meinung nach verstehen, was die Vorfahren einst geschrieben oder gesprochen haben.

2. Welche Maßnahmen wären nach Ihrer Ansicht denkbar, um diesem kulturellen Verfall Einhalt zu gebieten?
Zusammenfassung: Die Republikaner halten ein Sprachschutzgesetz für möglicherweise kontraproduktiv, statt dessen fordern sie freiwillige Selbstkontrolle. Das Fach Deutsch müsse aufgewertet und der Bürgerprotest unterstützt werden.

3. Gerade auch im öffentlichen Bereich, in Ministerien, Verwaltungen usw. sitzen Sprachpanscher zuhauf. Wie würde Ihre Partei zukünftig die Vorbildfunktion öffentlicher Einrichtungen im Sprachgebrauch anmahnen?
Zusammenfassung: Die Republikaner haben in ihrer parlamentarischen Arbeit 34 Anträge und Anfragen zur deutschen Sprache eingebracht.

4. Aus Wirtschaftskreisen werden Forderungen laut, Englisch als zweite Amtssprache in Deutschland einzuführen. Wie steht Ihre Partei zu solchen Ideen?
Zusammenfassung: Die Republikaner „lehnen derartige Überlegungen ohne Wenn und Aber ab“.

Von: Jericke, Dr. Hartmut
An: Niedetzky@t-online.de
Betreff: Wahlprüfsteine zur Entwicklung der deutschen Sprache/Antworten Republikaner
Datum: Don, 1. Mär 2001 16:45 Uhr

Sehr geehrter Herr Professor Niedetzky,

der Fraktionsvorsitzende Dr. Schlierer hat mich gebeten, Ihnen namens der Republikaner auf Ihre Fragen zur Entwicklung der deutschen Sprache zu antworten. Dieser Bitte komme ich gern nach. Ich bin Berater der REP-Fraktion im Stuttgarter Landtag und betreue die Bereiche Schule und Hochschule.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Hartmut Jericke
- Parl. Berater -

Wahlprüfsteine zur Entwicklung der deutschen Sprache

1. Wie beurteilt Ihre Partei die zunehmende Durchdringung der deutschen Sprache mit unnötigen Anglizismen?

Die zunehmende Durchdringung der deutschen Sprache mit Anglizismen und Amerikanismen ist nicht mehr nur Ärgernis, sondern bietet inzwischen Anlaß zu großer Sorge um den Fortbestand der deutschen Sprache. Dabei geht es nicht um das Einsickern von fremdem Vokabular in den allgemeinen Wortschatz. Dies findet in allen gesprochenen Sprachen zu allen Zeiten statt. Es geht um die Geschwindigkeit und die Häufigkeit dieser „Ismen“, die das Deutsche schon heute, etwa im Bereich der Geschäftssprache, merklich verändert hat. Zu unserer kulturellen Identität gehört aber auch, daß künftige Generationen noch nachlesen und verstehen können, was ihre Vorfahren einst geschrieben und wie sie gesprochen haben. Sprache ist eben nicht nur ein, sondern das wichtigste Mittel der Verständigung. Beunruhigend ist deshalb auch der große Einfluß der Werbeindustrie auf die Alltagssprache, insbesondere durch den Einsatz der audio-visuellen Mittel über die elektronischen Medien.

2. Welche Maßnahmen wären nach Ihrer Ansicht denkbar, um diesem kulturellen Verfall Einhalt zu gebieten?

Ein Gesetz zum Schutz der deutschen Sprache würde im Bundestag aller Wahrscheinlichkeit nach keine Mehrheit finden und wäre möglicherweise sogar kontraproduktiv. Für die Zukunft der deutschen Sprache ungemein wichtig ist zum einen die Rolle der Schulen. Das Fach Deutsch muß an allen weiterführenden Schulen aufgewertet werden. Spracherziehung, Grammatik und ein verbindlicher Lektürekanon für die Schüler muß Pflichtinhalt der Lehrpläne werden. Zum anderen müssen Werbe- und Unterhaltungsindustrie dazu gebracht werden, einer freiwilligen Selbstkontrolle zuzustimmen. Alle engagierten Bürger sind darüber hinaus dazu aufgerufen, gegen die Verluderung der deutschen Sprache zu protestieren.

3. Gerade auch im öffentlichen Bereich, in Ministerien, Verwaltungen usw. sitzen Sprachpanscher zuhauf. Wie würde Ihre Partei zukünftig die Vorbildfunktion öffentlicher Einrichtungen im Sprachgebrauch anmahnen?

Schon vor mehr als zwei Jahren haben wir Republikaner eine Parlamentarische Initiative in den Geschäftsgang des Landtags von Baden-Württemberg eingebracht, in der Maßnahmen zur Vermeidung fremdsprachiger Modewörter in regierungsamtlichen Veröffentlichungen sowie im Schriftverkehr eingefordert wurden (DS 12/4089 vom 02.06.99). Insbesondere sollten alle Ministerien sowie untergeordnete Behörden und Landeseinrichtungen durch Verordnung angewiesen werden, im Schriftverkehr untereinander und mit den Bürgern sowie in Druckerzeugnissen und sonstigen Veröffentlichungen die Verwendung fremdsprachiger Modewörter zu unterlassen. Insgesamt 34 Anträge und Anfragen der Landtagsfraktion beschäftigten sich aus unterschiedlichen Standpunkten mit der deutschen Sprache. Erhalt und Schutz unserer Sprache wird auch in der nächsten Legislaturperiode ein wichtiges Thema der Republikaner bleiben.

4. Aus Wirtschaftskreisen werden Forderungen laut, Englisch als zweite Amtssprache in Deutschland einzuführen. Wie steht Ihre Partei zu solchen Ideen?

Wenn in Deutschland Englisch als zweite Amtssprache eingeführt werden sollte, hätte Deutsch als Weltkultursprache keine Bedeutung mehr. Wir lehnen derartige Überlegungen daher ohne Wenn und Aber ab. Dies steht allerdings nicht im Widerspruch dazu, daß künftig Fremdsprachenkenntnisse immer wichtiger werden. Wir unterstützen durchaus den Fremdsprachenunterricht an den Schulen. Dieser darf jedoch nicht zu Lasten der Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift gehen.

 

 
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