Deutsche Sprachwelt
Die Sprachzeitung für alle! Die Sprachzeitung für alle! Deutsche Sprachwelt - Gemeinsam erhalten und gestalten
Hauptseite
Wissen
Neueste Ausgabe
Berichte
Archiv
Meinung
Sprachpanscherei
Sprachwahrer
Engleutsch?
Dienste
Spenden
Verweise
Impressum
Kontakt
Berichte


Spitzennoten für die Sprachzeitung

Von Prof. Dr. Hans-Manfred Niedetzky

Dieser Beitrag erschien am 20. September 2002 in der 9. Ausgabe der DEUTSCHEN SPRACHWELT auf Seite 4.

Gründliche Leser | Eine Ausgabe erreicht rund 75.000 Leser | Gesamturteil: Durchschnittsnote 1,8 | Anglizismen und Rechtschreibung am wichtigsten | Die DSW erreicht in hohem Maß nicht-vereinsgebundene Sprachinteressierte | Aktive Leser | Zahlungsbereitschaft | Gebildete Leser

Es war schon ein schweres Stück Arbeit, bis die ersten Ergebnisse aus der großen DSW-Leserbefragung vorlagen. Wie fast alles bei der DEUTSCHEN SPRACHWELT (DSW) mußten elektronische Datenerfassung, Programmierung der Auswertungsvorgänge und Dokumentation nebenbei und mangels finanzieller Mittel ohne Hilfe von außen bewältigt werden. Große Verlage führen regelmäßig Leserbefragungen durch und haben dafür auch Arbeitskräfte und einen Haushaltsposten. Doch auch mit ehrenamtlichem Einsatz läßt sich etwas bewegen. Dank der eingegangenen Antworten, deren Zahl im höheren dreistelligen Bereich liegt, haben wir jetzt einen besseren Überblick über unsere verehrte Leserschaft und deren Ansichten und Wünsche.

Fragebogen in Ausgabe 7

Die Ihnen nachstehend auszugsweise dargebotenen Ergebnisse sind im streng statistischen Sinn nicht repräsentativ. Um das zu erreichen, hätten wir aus unserem Anschriftenbestand eine Stichprobe ziehen, den Fragebogen außerhalb der Zeitung drucken und versenden müssen – ein kostspieliges Unterfangen. Sehr häufig sind jedoch auch derart angelegte Erhebungen nicht repräsentativ, nämlich dann, wenn nicht alle Fragebögen ausgefüllt zurückgesandt werden. In der Marktforschung ist man schon froh, wenn die Rücklaufquote vierzig Prozent beträgt, meistens liegt sie unter zwanzig.

Wie kommt die DSW an?

Nicht nur der Kostenersparnis wegen hatten wir uns entschlossen, den Fragebogen in der 7. Ausgabe der DSW abzudrucken. Uns lag daran, Kenntnisse über die Meinungsentwicklung bei unseren Leser zu erhalten: Wie kommt die DSW äußerlich und inhaltlich an? Welche Themenkreise werden als besonders wichtig erachtet? Worüber möchte man mehr lesen? Was wird vermißt? Was stört? Letztendlich ist es dann gleichgültig, ob es nun beispielsweise 84 oder 87,3 Prozent sind, denen das Thema Schulbildung in der DSW wichtig oder sehr wichtig ist. Hauptsache wir wissen, daß die Leserschaft daran ein großes Interesse hat. Angesichts der Fülle von Daten haben wir uns entschlossen, die Umfrageergebnisse in zwei Teilen darzubieten, schließlich wollen wir ja unser eigentliches Anliegen, Beiträge über das Sprachgeschehen, nicht aus den Augen verlieren.

Gründliche Leser

Selbst aus den USA und aus Kanada gingen Fragebögen ein. Fast sechzig Prozent der Antwortenden lesen die DSW seit der ersten Ausgabe und haben somit einen guten Überblick über die gesamte Bandbreite der Beiträge. Das erhöht die Aussagekraft der Ergebnisse, weil die Antworten nicht auf Einzelbeobachtungen beruhen. Das Leseverhalten dürfte manch andere Publikation neidisch machen: 61 Prozent lesen alle oder fast alle Beiträge, weitere 26 Prozent gaben an, etwa drei Viertel einer Ausgabe zu lesen. Verschwindend geringe drei Prozent lesen nur ausgewählte Artikel, die restlichen zehn Prozent etwa die Hälfte. Was geschieht mit der gelesenen DSW? 42 Prozent geben sie weiter, 33 Prozent bewahren sie auf, und nur zwanzig Prozent geben die DSW zum Altpapier (5 Prozent sonstige Verwendungen).

Eine Ausgabe erreicht rund 75.000 Leser

Knapp dreißig Prozent lesen die DSW alleine, bei genau der Hälfte der Leser lesen Familienangehörige mit. Sofern die Zeitung nicht aufbewahrt wird, wird sie an Bekannte, Freunde, Arbeitskollegen weitergegeben. Statistisch gesehen gelangt eine Ausgabe der DSW in die Hände von zwei bis drei Lesern. Rechnet man das hoch, erreicht eine Ausgabe rund 75.000 Leser!

Gesamturteil: Durchschnittsnote 1,8

Gespannt sahen wir der Beurteilung der DEUTSCHEN SPRACHWELT entgegen. Akzeptieren die Leser, daß wir als reine Idealisten nicht mit den marktbeherrschenden Zeitungsmachern und deren Finanzmacht mithalten können? Die Befragungsergebnisse ließen uns aufatmen, erhielt doch die DSW im Gesamturteil die Durchschnittsnote 1,8. Niemand setzte sein Kreuzchen bei „gefällt eher nicht“ oder „gar nicht“. Wie sich die Zensuren verteilen, ersehen Sie aus der Abbildung 1. Differenzierter sieht das Bild bei den einzelnen Elementen der DSW aus. Die Qualität des Drucks und der Beiträge sowie das Titelblatt erhielten ebenfalls bessere Durchschnittsnoten als 2 (siehe Abb. 2). Die schlechteste Note wurde mit 2,5 dem Druckformat erteilt. Interessant ist, daß die bundesdeutschen Leser das Format verhältnismäßig gut benoten (durchschnittlich 2,3), wohingegen die Österreicher damit nicht so zufrieden sind (durchschnittlich 3,3).

Anglizismen und Rechtschreibung am wichtigsten

Höchst aufschlußreich sind die Ergebnisse zur Wichtigkeit von Themenkreisen (Abb. 3). Unangefochtener Spitzenreiter ist das Thema Anglizismen: Für 69 Prozent aller Antwortenden sind Berichte darüber sehr wichtig (Rechtschreibung 63 Prozent, Sprachstil 61, Deutsch in der EU 60 Prozent). Damit decken wir zum Großteil die Bedürfnisse unserer Leser ab. Künftig müssen wir aber auch verstärkt Beiträge über die Stellung der deutschen Sprache in der Europäischen Union bringen. Auch die Beurteilung des Themas Schulbildung, das ab der DSW-Ausgabe 6 aufgegriffen wurde, zeigt, daß die Schriftleitung die Stimmungslage richtig eingeschätzt hat.

Die DSW erreicht in hohem Maß nicht-vereinsgebundene Sprachinteressierte

Terminmeldungen und Berichte aus den Vereinen sind für 35 Prozent und 40 Prozent der antwortenden Leser ziemlich unwichtig. Dieses Ergebnis überrascht nicht, wenn man zur Kenntnis nimmt, daß 56 Prozent der Leser keinem Sprachverein angehören (Republik Österreich 69 Prozent, Bundesrepublik Deutschland 52 Prozent – Abb. 7). 19 Prozent der antwortenden Österreicher sind Mitglied beim Verein „Muttersprache“ Wien, genau ein Drittel der bundesdeutschen Leser gehört dem Verein Deutsche Sprache (VDS) an. Der gelegentlich zu hörende Vorwurf aus Dortmund, die DSW wolle in Konkurrenz zum größten deutschen Sprachverein treten, sollte sich somit erübrigt haben, erreicht doch die DSW in hohem Maße gerade die vereinsmäßig nicht gebundenen Sprachinteressierten, die sonst nicht angesprochen werden könnten. Damit erfüllt die DSW eine unverzichtbare Aufgabe.

Aktive Leser

Eine Vereinsmitgliedschaft muß nicht notwendigerweise bedeuten, daß man sich tatkräftig für die deutsche Sprache einsetzt. Jeder Vereinsfunktionär weiß, daß immer nur sehr wenige Mitglieder bereit sind mitzuarbeiten. Die überwältigende Mehrheit meint, mit seinem Mitgliedsbeitrag seine Schuldigkeit getan zu haben. Da sind die Leser der DSW aus anderem Holz geschnitzt! Lediglich 14 Prozent gaben an, bislang noch nichts für die deutsche Sprache getan zu haben. Dafür mag es sicher verständliche Gründe geben, und diese Haltung soll hier auch nicht angeprangert werden. Das schließt aber nicht aus, die Einsatzfreudigen besonders zu loben. Und die allermeisten der Antwortenden haben mehrere Aktivitäten entfaltet. Welche das im einzelnen sind, ersehen Sie aus Abbildung 4. Unter der Rubrik „Sonstiges“ wurden am häufigsten genannt: Gespräche und Diskussionen geführt, Vorträge gehalten, Artikel geschrieben.

Zahlungsbereitschaft

Ein Projekt wie die DEUTSCHE SPRACHWELT kann mit Idealismus alleine nicht am Leben erhalten werden. Ohne Anlagen der Kommunikations- und Datentechnik wäre eine Herstellung unmöglich, der Druck und Versand muß bezahlt werden. Womit wir beim leidigen Thema Geld sind. Ohne Sie, liebe Leser, die Sie spenden, gäbe es keine DSW. Obwohl wir für jeden Euro dankbar sind, ist das Spendenaufkommen auf Dauer keine zuverlässige Berechnungsgrundlage. Von Ausgabe zu Ausgabe taucht die bange Frage auf: Reicht das Geld für die kommende Nummer? Wenn nein, wer springt ein? Deshalb fragten wir nach der Zahlungsbereitschaft unserer Leser (Abb. 5). 80 Prozent könnten sich vorstellen, zukünftig Bezugsgebühren zu zahlen. Acht oder zehn Euro wären für die meisten ein angemessenes Entgelt für ein Jahresabonnement. Bei 15 Euro müßten wir mit einer drastischen Einbuße unserer Leserschar rechnen.

Gebildete Leser

Die antwortenden Leser verfügen über einen hohen Bildungsstand, wie aus Abbildung 6 ersichtlich ist. Dabei ist zusätzlich zu berücksichtigen, daß eine vor mehr als dreißig Jahren und davor erhaltene Berufsausbildung oder abgelegte Mittlere Reife zu einer besseren Bildung führte als heutzutage das Abitur in manchen deutschen Bundesländern. Soweit der erste Teil der Auswertung. In der nächsten Ausgabe werden dann hauptsächlich die Antworten aus den Fragen 8 bis 12 vorgestellt. In diesem Teil mußten die Leser nicht ankreuzen, sondern eigene Formulierungen niederschreiben. Ein Ergebnis sei aber schon heute mitgeteilt: Der beliebteste Autor ist mit Abstand Thomas Paulwitz, danach folgt Professor Theodor Ickler. Da bleibt nur zu hoffen, daß uns der Schriftleiter mit seinem großen Einsatz erhalten bleibt. Für die DSW wäre es das Ende, würde er von anderen Verlagen abgeworben. Hoffen und beten wir, daß der Idealismus über den Mammon siegt.

 

 
Zurück Nach Oben
© 2000-2013 Verein für Sprachpflege e. V. – Alle Rechte vorbehalten!