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Chaotische Destruktion Ein Resümee zur sogenannten Rechtschreibreform Von Dr. Manfred Pohl Man kann nun nach mehreren Jahren, in denen sich verschiedene unbelehrbare Einrichtungen um die Anwendung der Reform bemühen, den Niedergang der deutschen Rechtschreibung, den ihr die Reform zufügt, deutlich sehen. Es ist nicht mehr zu übersehen, daß die ganze Reform in allen ihren Bereichen von einer Gruppe Dilettanten konstruiert worden ist, die von der deutschen Sprache nur äußerst geringe Sachkenntnisse hat und der darüber hinaus auch jegliches Sprachgefühl fehlt. Die folgenden Darstellungen belegen das. Mit Beispielen bin ich dabei sparsam umgegangen, um die Übersichtlichkeit nicht durch Masse zu ersetzen. Zu allen Punkten gibt es Hunderte von Beispielen, und täglich werden neue gefunden. Zur Getrennt- und Zusammenschreibung findet man in der Broschüre Die Wörterliste von Stephanus Peil allein unter dem Buchstaben A weit über 100 aus dem Deutschen verschwundene Wörter. Die Ergüsse der Reformer lassen sich in fünf Sachgebiete gliedern, in denen sogenannte Erneuerungen eingeführt werden sollen, und zwar: 2. Neue Regeln Getrennt- und Zusammenschreibung sowie der Groß- und Kleinschreibung 3. Neue Regeln der Silbentrennung am Zeilenende 4. Neuschreibung von ausgewählten Wörtern 5. Die ss-Schreibung anstelle von ß und die Mehrfachschreibung von Konsonanten Man kann heute im einzelnen folgendes zu diesen Komplexen feststellen: Die neuen Kommaregeln sind nicht zu gebrauchen. Sie zerstören die Eindeutigkeit der Niederschrift und erschweren das flüssige Lesen. An vielen Stellen entstehen durch die mögliche willkürliche Kommasetzung, wie sie dem Schreibenden überlassen wird, sinnentstellende Textverfälschungen. Die neuen Kommaregeln werden von niemandem verwendet. Ausnahmslos alle Printmedien lehnen sie ab und setzen die Kommas weitgehend nach den bisherigen Regeln. Beispiele: 2. Neue Regeln Getrennt- und Zusammenschreibung sowie der Groß- und Kleinschreibung Die Regeln der Getrennt- und Zusammenschreibung sind nicht verwendbar. Durch sie werden Tausende von Wörtern aus der deutschen Schriftsprache ersatzlos gestrichen. Die differenzierten Ausdrucksmöglichkeiten des schriftlichen Deutschs werden zerstört. Es gibt mündliche Ausdrucksformen, die kein schriftliches Abbild mehr haben. Beispiele: Außerdem gibt es riesige Mengen von Festlegungen bei der Getrennt- und Zusammen-schreibung, in denen totale Prinzipienlosigkeit und völlige Willkür das Erlernen unmöglich machen. Niemand ist imstande zu sagen, wie wohl die Regel lautet, nach der getrennt- oder zusammengeschrieben werden soll. Beispiele: 3. Neue Regeln der Silbentrennung am Zeilenende Die Regeln der Silbentrennung am Zeilenende wurden so geändert, daß sie keinerlei Sinn mehr beinhalten. Selbst der Begriff Silbentrennung hat sich erübrigt, denn nach Silben muß nicht mehr getrennt werden. Große Mengen solcher "Trennregeln" sind völlig absurd und widersprechen jeglichen Grundsätzen der Morphologie. Es ist ein Chaos, wie es größer kaum erdenkbar ist. Beispiele: 4. Neuschreibung von ausgewählten Wörtern Die Neuschreibung einiger einzelner Wörter wurde mit nicht begründbarer Willkür deklariert. Zusammenhänge von Wortbedeutungen und Stammableitungen sind meist völlig aus der Luft gegriffen. Es ist keinerlei sprachwissenschaftliches Herangehen zu erkennen. Beispiele: 5. Die ss-Schreibung anstelle von ß und die Mehrfachschreibung von Konsonanten Die ss-Schreibung anstelle von ß sowie auch die Mehrkonsonantenschreibung bei Zusammensetzungen führt zu häßlichen und unästhetischen Zeichenanhäufungen, die das Lesen deutlich erschweren. Mit der zur Rechtfertigung solcher Schreibexzesse empfohlenen vermehrten Bindestrichsetzung will man den Deutschschreibenden ins 18.,. teilweise ins 17. Jahrhundert zurückbomben. Aber eine Zerstörung mit einer weiteren Zerstörung wieder in Ordnung zu bringen wollen, ist schon recht kurios. Beispiele: Wie man sieht, gibt es keinen Bereich der Reform, in dem man in den Änderungen einen vernünftigen Sinn erkennen kann, geschweige denn eine Anpassung der Schreibung auf wissenschaftlich belegbaren Entwicklungen. Die gesamte Reform ist eine Zusammenstellung von willkürlichen Fehlinterpretationen, die die deutsche Schriftsprache von Grund auf verunglimpfen. Nicht einmal das gestellte Ziel der Vereinfachung des Schreibens ist erreicht worden. Denn dazu hätte die Verstärkung der Systematisierung gehört. Tatsächlich ist aber das Gegenteil gemacht worden: die bestehende Systematik wurde beseitigt, Regeln wurden abgeschafft, Schreiben ist der Beliebigkeit zum Opfer gefallen. Diese sogenannte Reform muß zurückgenommen werden, weil sie keine Elemente enthält, die einen Fortschritt oder eine Verbesserung gebracht hätten. Nur ein einziges Element kann als durchgängig systematisch erkannt werden: Chaotische Destruktion.
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