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„Neue deutsche Rechtschreibung ist nicht lernbar!“

Erklärung des Vereins Lebendige deutsche Sprache

Die neue deutsche Rechtschreibung entpuppt sich zunehmend als Zeitbombe. Wie die 1. Vorsitzende des Sprachvereins „Lebendige deutsche Sprache e.V.“, Claudia Ludwig, nach intensiven Recherchen herausfand, sind die Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung für die Kinder nicht zu erlernen.

„Das läßt sich einfach erklären!“ sagt Claudia Ludwig. Gerade die Regeln für die angeblich so logische s-Schreibung seien nur dann zu verstehen und umzusetzen, wenn man die alte Rechtschreibung beherrsche. „Denn“, so Ludwig weiter, „die beiden Hauptregeln: Doppel-s nach kurzem Vokal und: ß nach langem Vokal und Doppellauten beziehen sich ausschließlich auf Wörter, die vorher nur mit 'ß' geschrieben wurden. Das haben die Rechtschreibreformer aber selbst noch gar nicht erkannt, denn sie verkünden sie für die gesamte s-Schreibung – ein folgenschwerer Fehler!“

Denn nun werde den armen Grundschulkindern eingebleut, was in dieser Konsequenz gar nicht stimme. Es steht eben nicht nach jedem kurzen Vokal ein Doppel-s. Wir schreiben auch mit Rechtschreibreform: was, bis, Zeugnis, minus, Bistum usw. Und so müssen die Lehrer nun schlüssig erklären, warum Kuss, Schluss, groß oder Straße den Regeln folgen, was, bis, plus, Los, Mus oder Preis aber nicht! Das können sie nicht, und deshalb können die Kinder nicht mehr richtig schreiben lernen, wie sehr sie sich auch anstrengen mögen. So steht immer häufiger in den Heften: wass, biss, Zeugniss...

Völlig schockiert ist die 1. Vorsitzende, die selbst sechzehn Jahre lang Deutsch unterrichtet hat, darüber, daß die Deutschlehrer – andere kluge Menschen übrigens auch – sich so haben vorführen lassen. „Jeder, der einen intensiveren Blick in das Regelwerk der neuen deutschen Rechtschreibung geworfen hat, ist entsetzt zur alten Rechtschreibung zurückgekehrt“, weiß Claudia Ludwig. Nur den Kindern lasse man keine Wahl. Die müßten sich jetzt mit dem völlig unverständlichen, chaotischen und nicht lernbaren Machwerk der Reformer herumplagen.

Besonders fatal findet die ehemalige Deutschlehrerin, daß die richtigen Schwierigkeiten erst ab der 5. Klasse zutage treten, was wiederum mit dem reduzierten Wortschatz in den Grundschulklassen zusammenhängt. Wenn die richtig schwierigen Wörter dazukommen, ist schon viel zu viel versäumt worden und das Fenster zur Ausbildung eines differenzierten Sprachgefühls und zum Erlernen der Rechtschreibung nahezu geschlossen.

„Es gibt nur einen Ausweg“, ist sich Frau Ludwig sicher: „Die Deutschlehrer müssen ab sofort zur alten, klassischen Rechtschreibung zurückkehren und sich weigern, die Reform weiterhin umzusetzen.“ Der Schaden sei zwar auch dann immer noch riesig, aber: „Die Kinder haben so immerhin eine letzte Chance, richtig schreiben (und auch lesen) zu lernen – mit der Reform ist auch die dahin!“


Die DEUTSCHE SPRACHWELT löst nach den Regeln/Rätseln der Rechtschreibreform auf und bedauert die Deutschlehrer, die diesen Paragraphendschungel ihren Schülern erklären müssen:

- was, bis:
„§ 2: Folgt im Wortstamm auf einen betonten kurzen Vokal nur ein einzelner Konsonant, so kennzeichnet man die Kürze des Vokals durch Verdopplung des Konsonantenbuchstabens.“ Aber: „§ 4: In acht Fallgruppen verdoppelt man den Buchstaben für den einzelnen Konsonanten nicht, obwohl dieser einem betonten kurzen Vokal folgt. Dies betrifft [...] 6. eine Reihe einsilbiger Wörter mit grammatischer Funktion, zum Beispiel: [...] bis, [...] was“.

- Zeugnis, minus:
„§ 2: Folgt im Wortstamm auf einen betonten kurzen Vokal nur ein einzelner Konsonant, so kennzeichnet man die Kürze des Vokals durch Verdopplung des Konsonantenbuchstabens.“
-nis und -nus sind hier zwar kurz, aber nicht betont

- Bistum:
„§ 4: In acht Fallgruppen verdoppelt man den Buchstaben für den einzelnen Konsonanten nicht, obwohl dieser einem betonten kurzen Vokal folgt.“ Das Wort Bistum ist darin nicht enthalten, vielleicht gehört das Wort zur dritten Fallgruppe: „einige Wörter mit unklarem Wortaufbau oder mit Bestandteilen, die nicht selbständig vorkommen“. Wer weiß?

- Los, Mus:
Das wird in Süddeutschland lang ausgesprochen. Hier erkennt man eine weitere „Spassbremse“ der Reform.

- Preis:
Ein kleines Suchspiel: „§ 25: Für das scharfe (stimmlose) [s] nach langem Vokal oder Diphthong schreibt man ß, wenn im Wortstamm kein weiterer Konsonant folgt. [...] Zur Schreibung von [s] in Wörtern mit Auslautverhärtung wie Haus, graziös, Maus, Preis siehe § 23.“
„§ 23: Die in großen Teilen des deutschen Sprachgebiets auftretende Verhärtung der Konsonanten [b], [d], [g], [v] und [z] am Silbenende sowie vor anderen Konsonanten innerhalb der Silbe wird in der Schreibung nicht berücksichtigt. E1: Bei vielen Wörtern kann die Schreibung aus der Aussprache erweiterter Formen oder verwandter Wörter abgeleitet werden, in denen der betreffende Konsonant am Silbenanfang steht, zum Beispiel: [...] Preis, preislich, preiswert - Preise (aber Fleiß - fleißig)“

 

 
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