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„Neuschreiber werden ganz alt aussehen“

Siegfried Lenz unterzeichnet die Resolution für die Wiederherstellung der Rechtschreibeinheit

Von Claudia Ludwig

Siegfried Lenz, dessen Buch „Ein Mann im Strom“ gerade öffentlich in Hamburg gelesen wird, hält nichts von der Rechtschreibreform. Jetzt unterzeichnete er die „Resolution zur Wiederherstellung der Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung“. Im SPIEGEL hatte Lenz zur Reform folgende Fragen gestellt: „Erstens: Welch eine Notwendigkeit besteht zu solchen Veränderungen? Zweitens: Wer hat ein Interesse daran? Drittens: Wer besitzt die Legitimation, diese Veränderungen als Regel einzuführen? [...] Ich halte sie für einen kostspieligen Unsinn. [...] Ich vermute [...], es handelt sich um das Bedürfnis von Kulturpolitikern und Lektoren, uns die Mühen differenzierten Sprachgebrauchs zu ersparen.“

Getragen wird diese Resolution (Unterzeichner: www.deutsche-sprachwelt.de/archiv/unterzeichner.shtml) von Astrid Mannes, Pressesprecherin eines Bildungsverbandes, Claudia Ludwig, 1.Vorsitzende des Vereins „Lebendige deutsche Sprache e. V.“, dem VRS (Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e. V.) und der Zeitung DEUTSCHE SPRACHWELT.

Unterschrieben haben inzwischen über 300 Unternehmen, Institutionen, Verlage, Vereine und Verbände und mehr als zwanzig Prominente, wie zum Beispiel Peter Boenisch, Klaus von Dohnanyi, Ulla Hahn, Dieter Thomas Heck, Gertrud Höhler, Manfred Krug, Günter Kunert, Reiner Kunze, Christa Meves und Walter Scheel. Die Resolution soll noch in diesem Jahr den Kultusministern übergeben werden. Deutschlandweite Anzeigen erschienen unter anderem in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und in „Medien Aktuell“.

Wie viele andere namhafte Schriftsteller der Gegenwart wird Siegfried Lenz auch in Zukunft die sogenannte „neue“ deutsche Rechtschreibung nicht übernehmen. „Das kann er auch gar nicht!“ meint Astrid Mannes. „Siegfried Lenz ist ein Mensch, der auf Qualität setzt. Seine Bücher und Stücke zeugen davon. Unglaublich, daß er jetzt Schülern als ‘veraltet‘ und ‘unmodern‘ verkauft wird.“

Noch schlimmer finden alle Initiatoren der Resolution, daß Schriftsteller wie Günter Kunert und Reiner Kunze eine „zweite Ausbürgerung aus deutschen Schullesebüchern“ erfahren, wenn beispielsweise ihre Texte nicht mehr in Schulbüchern vorkommen, weil sie in vermeintlich „alter“ Rechtschreibung geschrieben sind. Damit wird die heranwachsende Generation um ein hohes Kulturgut betrogen.

„Auch wenn allgemein der Eindruck entstanden ist, das Thema Rechtschreibreform sei keines mehr – der Schein trügt! Das Thema ist eine Zeitbombe!“, so Claudia Ludwig. „Uns liegen Aussagen vor, die einigen Zündstoff bieten. In den Schulen ist es am schlimmsten. Aber Lehrer trauen sich nicht, an die Öffentlichkeit zu gehen.“

Die „Rechtschreibreform“ hat zu einem riesigen Schreibchaos geführt und damit ihr Ziel klar verfehlt. Zeitungsverlage haben eigene Hausorthographien, die Rechtschreibung, die die Kinder in den Schulen lernen, ist in neuesten Wörterbüchern schon wieder anders, da laufend nachgebessert wird. Selbst einige Organisationen, die an der sogenannten Reform mitgewirkt haben, fordern „Verbesserungen“. Jeder schreibt, wie er will. Damit gibt es keine deutsche Rechtschreibung mehr – das ist einmalig auf der ganzen Welt!

Eine Diskussion über Bildung mit einer weiterhin umgesetzten, immer mehr chaotisierenden Rechtschreibreform halten die Reformgegner für heuchlerisch. Es gibt für sie nur eins: zurück zur einheitlichen klassischen Rechtschreibung! „Im Jahr 2003 wird sich sehr viel zu diesem Thema tun. Und es wird der Tag kommen, da alle behaupten, sie seien schon immer gegen diese 'Reform' gewesen. Dann aber“ – davon sind die Reformgegner überzeugt – „werden einige Neuschreiber ganz alt aussehen!“

 

 
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