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8. März 2004

Rechtschreibreform ist frauenfeindlich

Zum Weltfrauentag

Von Claudia Ludwig, der Vorsitzenden des Vereins Lebendige deutsche Sprache e. V.

Sind die Rechtschreibreformer, die sich immer wieder neu durch erstaunliche Unkenntnis der deutschen Sprache und Grammatik auszeichnen, nun auch noch frauenfeindlich? „Diese Vermutung liegt nahe!“ meint Claudia Ludwig, 1. Vorsitzende des Sprachvereins „Lebendige deutsche Sprache e.V.“, und fragt weiter: „Wer trägt denn die größte Last der Rechtschreibumstellung? Das sind doch fast ausschließlich die Frauen!“

Da seien zuerst einmal die Grundschullehrerinnen, dann die Mütter und schließlich die große Zahl der Dolmetscherinnen, Lektorinnen und Sekretärinnen, die – obwohl nahezu perfekt in klassischer deutscher Rechtschreibung – alle die Änderungen hätten neu erlernen müssen. „Und was haben die Kinder und die Unternehmen jetzt davon?“ fragt Claudia Ludwig angriffslustig: „Nur Negatives! Die Kinder werden immer verwirrter, denn bei ihren Lehrerinnen und Müttern zeigt sich eine verstärkte Unsicherheit.

Sekretärinnen, die vor der Rechtschreibreform ohne Duden schreiben konnten, greifen nun mehr und mehr zum Wörterbuch, weil auch sie durch die neuen Regeln nicht mehr sicher sind. Brauchten sie früher nur bei komplizierten oder selten geschriebenen Wörtern Hilfe, schlagen sie heute bis zu zehn Mal am Tag im neuen Duden nach. Ganz zu schweigen von den zahllosen Dolmetscherinnen und Lektorinnen, die nun zwei Rechtschreibungen beherrschen müssen: die klassische und die neue – eine Zeit- und Geldverschwendung ohnegleichen!“

Claudia Ludwig ist sicher: „Männer hätten das nicht mit sich machen lassen! Und wenn ich bedenke, daß die 'Reformergruppe' in ihrer ersten Zusammensetzung ausschließlich männlich war, drängt sich mir doch stark der Gedanke an Frauenfeindlichkeit auf. Vergessen wir nicht, daß die besseren Rechtschreiber immer schon die Mädchen und die Frauen waren!“

Auch daß die Reformer (die inzwischen als Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung die Umsetzung ihrer eigenen Schöpfung – der Rechtschreibreform – kontrollieren) nun wieder an Neuerungen denken, paßt für Claudia Ludwig ins Bild: „Ein so schlechtes Werk weiterhin zu verteidigen und nur nachbessern zu wollen, ist typisch männliches Denken und Verhalten. Frauen hätten schon längst den Vorschlag gemacht, wieder zur klassischen Rechtschreibung zurückzukehren. Sie können eben viel lockerer mit den eigenen Fehlern umgehen, kommen schneller zur Einsicht und sind dann – um der Sache willen – bereit, ihre Fehler zu korrigieren.“

Für Claudia Ludwig, die sich vehement für die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung einsetzt, ist es eine Frage der Leidensfähigkeit, bis sich weiblicher Widerstand regt. Aus ihrer Arbeit als Kommunikations-Trainerin weiß sie: „Frauen ertragen lange ganz viel. Wenn sie dann aber an einen Punkt kommen, der für sie nicht mehr vertretbar ist, gibt es kein zurück mehr, dann handeln sie: klar, entschieden und kompromißlos!“ Und dieser Punkt, so ist sich Claudia Ludwig absolut sicher, ist bald erreicht.

 

 
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