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Vernachlässigt, geschunden,
aber überlebensfähig –
Ein Märchen über die deutsche Sprache



Von Prof. Hans-Manfred Niedetzky


Vor langer Zeit trug sich eine gar traurige Geschichte zu. Es war schon schmerzlich anzusehen, wie eine einstmals glanzvolle Hochsprache immer mehr verkümmerte. Einst als Sprache der Gelehrten und der Wissenschaft gepriesen, wurde sie vom Geld- und Medienadel auf das Schändlichste vernachlässigt, geschunden und lächerlich gemacht. Alles Amerikanische wurde verherrlicht, die eigene Tradition und Kultur als rückständig gebrandmarkt. Angeblich konnte man auf deutsch moderne Sachverhalte nicht mehr ausdrücken.

Fast jeder Globalisierungshörige tönte, Englisch sei besser, schöner, kürzer, kreativer usw. Wen wunderte es, daß die Oberflächlichen, Geist- und Niveaulosen fast nur noch ein engleutsches Kauderwelsch benutzten. Dies war zwar gräßlich anzuhören, galt aber als unübertreffliche Ausdrucksweise. Wer nichts Gehaltvolles zu sagen hatte, und dazu gehörten zuallererst die Zeitgeistritter der Finanzen, des Marketing und der Beratung, mußte die Dürftigkeit seiner erbärmlichen Gedanken eben vertuschen. Verschlimmert wurde der Niedergang noch dadurch, daß die Mehrheit des Sprachvolkes das Imponiergehabe der Blender unüberlegt nachäffte.

Seelenlose Konzerne verboten ihren Mitarbeitern, während der Arbeit Deutsch zu sprechen, auf daß der globalisierte unmündige Arbeits- und Konsumknecht nicht mehr denken sondern nur noch funktionieren mußte. Weit und breit kein Hoffnungsschimmer, niemand, der sich dieses Elends annahm. Nicht einmal die Sprachgelehrten zeigten Interesse am Erhalt, im Gegenteil, die allermeisten aus dieser Zunft sahen im Verfall nicht einmal ein Problem. Schlimmer noch, sie beteiligten sich aktiv an der Zerstörung, indem sie begierig jeden denglischen Grunzlaut registrierten und sofort in ihre Neusprechliste, genannt Duden, aufnahmen und so hoffähig machten.

Schon begannen die gekauften Schreiberlinge der Sprachschinder, auf ihren Tastaturen die Nachrufe einzuhämmern und in Dateien abzulegen, um ja als erste den Tod der Sprache verkünden zu können. Als einige gar die Ausmerzung der deutschen Sprache als Errungenschaft zu bejubeln begannen, faßten sich endlich einige Aufrechte ein Herz und begannen, sich gegen die Anglizismenflut zu stemmen. Belächelt als Modernisierungsverlierer, beschimpft als ewiggestrige Nationalisten, verhöhnt als Spinner, verfolgten sie unbeirrt ihr Ziel. Furchtlos traten Sie an die Öffentlichkeit, brandmarkten die Fehlentwicklung, nannten die Sprachverhunzer beim Namen.

Und siehe da, das Wunder geschah: die Verzagten faßten wieder Mut, die Gedankenlosen überdachten ihre Ausdrucksweise und die Sprachschänder wurden unruhig. Immer mehr schlossen sich der Bewegung an, aus Dutzenden wurden Hunderte, aus Hunderten Tausende, aus Tausenden.... Wo immer die Kämpfer für die Muttersprache auftraten, sie wurden zum Stadtgespräch und aufmunternde Zustimmung wurde Ihnen zuteil.

Politiker mit feinem Gespür für die Sorgen der Bevölkerung wendeten sich verstärkt gegen das Denglish bzw. Engleutsch genannte Kauderwelsch, zuerst der Ministerpräsident von Thüringen, Dr. Bernhard Vogel, dann der Berliner Innensenator Werthebach, der FDP-Bundestagsabgeordnete Türk, Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer und schließlich gar Bundespräsident Rau in seinem Grußwort zur Eröffnung des Kongresses "Gutenbergs Folgen". Jetzt begriff auch das Sprachvolk, welches Schindluder es mit seiner ausdrucksstarken Muttersprache getrieben hatte. Reumütig kehrte es auf den Pfad der Tugend zurück, während die einst so stolzen Globalisierer, Start-Ups, E-Commerzler und New Economisten auf ihren geplatzten Börsenträumen am Wegesrand einen jämmerlichen Anblick boten.

Gewiß, der Ausgang der Geschichte klingt sehr träumerisch, aber wir haben es in der Hand, den Traum zu verwirklichen


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