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Die Tücken beim Sprachkampf

Überlegungen zur psychologischen Strategie der Sprachhüter


Von Thoralf K. Malepart


Es gibt im wesentlichen zwei prinzipielle Probleme für die, welche die deutsche Sprache beschirmen wollen.


Das Problem

Das eine ist die Tatsache, daß der bewußte deutsche Sprachgebrauch nicht auffällt, im Gegensatz zum regen Anglizismengebrauch der anderen. Anders ausgedrückt: Das bessere, überlegte Sprechen wird als Normalfall gehandelt: es ist schwer, von selbst damit Punkte zu kassieren. Wer Vermarktung sagt statt "Marketing", fällt dadurch nicht als Sprachwahrer auf oder als Vorbild; wer "Marketing" und weitere Anglizismen in Folge verwendet, konzentriert aber die Aufmerksamkeit auf sich: allein schon, weil der Tiefencode der Sprache damit gestört wird.

Die einzige Gegenstrategie wäre, auf die "Metaebene" zu gehen und die Sprachverhunzung oder -pflege zu thematisieren. ("Was war denn das? `Corporate Identity´? Geht das nicht auf Deutsch?") Nachteil: Man verliert erstens einen "Lässigkeitsbonus" – immer, wenn man etwas ernst nimmt, ist man nicht lässig. Zweitens kann man das Thema nur einmal zum Inhalt des Gesprächs machen; Anglizismen kann man aber in jeden Thema einflechten.

Zweites Grundproblem: die bildhafte Medienwelt. Zum einen braucht eine Bilderwelt, wie sie heute durch das Fernsehen, die neuen Druckmethoden von Zeitschriften und schließlich das Internet besteht, keinen so großen Sprachreichtum und treffende Logik und beschreibende Bilder, wie sie nur die Muttersprache zu bieten hätte (durch gut geübten Gebrauch).

Zum anderen kann das Thema Sprache kaum mediengerecht vermittelt werden, ebensowenig wie Sprachverlust, Sprachänderung, Sprachenstörung usw.: weil dem Thema die Bilder fehlen! Wenn ein Fernsehjournalist einen Beitrag über den "Verein Deutsche Sprache" machen will, kommt er ins Schleudern. Er kann die Broschüren zeigen, die Aufkleber und Plakate, und das Büro des Vereinsvorsitzenden. Damit ist die Sache erschöpft. Selbst spektakuläre Aktionen können nur auf das Thema aufmerksam machen - einen sogenannten Aufhänger bieten - aber nie die Botschaft selbst bildlich vermitteln, schon gar nicht emotional. Bilder vom Abschlachten von Robbenjungen bringen Tierschützern sofort enormen Gewinn, weil sie genau die Botschaft transportieren, und das emotional höchst aufgeladen. Wie aber soll man den Sprachverlust intensiv bebildern? Man könnte noch englischvollgestopfte Werbungen zeigen, aber das löst nur bei denen etwas aus, die schon empfänglich für das Thema sind.


Die Lösung

Es scheint für die beiden genannten Probleme – Aufmerksamkeit und Bilderwelt – bei kurzem Nachdenken nur einen Ausweg zu geben. Zum ersten: Da man seinen "Lässigkeitsbonus" ohnehin verspielt, wenn man die gepflegte Sprache zum Thema macht - und das muß man ja – kann man nur ein anderes geachtetes Gefühl an dessen Statt etablieren. Das der Exklusivität. Man muß versuchen, sauberen Sprachgebrauch und seine Jünger in eine noble Aura zu tauchen (die es und seine Klientel verdient!). Wer klar deutsch redet, darf sich gern als etwas Besseres fühlen. Es muß Mode werden, einfallsreich Deutsch zu sprechen! Wenn man auf diese Weise die Vorzeichen dreht, wird man Deutsch wieder in die (deutsche) Gesellschaft integrieren können.

Zum Zweiten: gegen die Bildarmut des Sprachthemas kann man nichts machen. Man kann nur durch geschickte bildreiche Aktionen auf die Feinheit der deutschen Sprache und Ihres Gebrauchs aufmerksam machen. Verzwickterweise müßte dabei der Eindruck entstehen, daß die Aktionisten eigentlich gar nicht unbedingt Öffentlichkeit hergestellt sehen wollten... um den Eindruck der Extravaganz zu bewahren. Ein Ausweg: Aktionsumfelder in anerkannt hohem Niveau: Theater, Oper, Galerien, sonstige Kunstszene.

Noch ein paar Gedanken zur gegnerischen Front. Eine solche dürfte an sich gar nicht bestehen für Sprachpfleger. Es gibt kaum aktive Gegner im Sinne von "militanten" Englischbefürwortern. Es gibt nur ein passive Masse. Diese ist teils gedankenlos, teils resigniert. Dieser Masse muß man Zeichen setzen. Da die Mehrheit dieser Masse vermutlich die Anglizismen ablehnt – mindestens im Osten dürfte das so sein - also zur resignierten Gruppe zählt, wäre das richtige Mittel, sprachliches Selbstvertrauen zu verbreiten. Genauer gesagt: Sicherheit auf Seiten der Englischmuffel darzustellen! Erfolgschancen für Deutsch zeigen. Auf das schnelle Anwachsen des Vereins verweisen. Sprachhunzer lächerlich machen. Damit würde man die Mehrheit in ihrer Meinung bestätigen und zum Aufstand oder mindestens einer Meinungsäußerung ermutigen (Theorie der "Schweigespirale"). All dies und ähnliches dürfte bessere Erfolge zeitigen als weinerliches Anklagen von Sprachverfehlungen. Gerade die "Lässigkeitshunzer" würden damit noch Auftrieb in Ihrer gesuchten Größe und Lebensleichtigkeit – ihrem Lässigkeitsgefühl - bekommen.

Seien wir also stolz auf unsere Berufung, der eigenen, traditionsreichen Sprache wieder zu ihrem wohlverdienten Aufschwung zu verhelfen!

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