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Stirbt der Leichenbestatter aus?
„Herr Funeralmaster, das ist zum Totlachen!“

Von Juergen W. Klueh

Möchten Sie einen verstorbenen Angehörigen einem Bestattungsunternehmer anvertrauen oder einem Funeralmaster? Sie wissen nicht, was ein Funeralmaster ist? Dann geht es Ihnen wie vielen Ihrer Mitbürger. Ein Funeralmaster ist ein Bestattungsunternehmer mit Kenntnissen des Einbalsamierens und der Qualifikation eines Ausbilders.

So einfach und doch so fremdartig.

Der Besitzer eines großen Bestattungsunternehmen in Bayern kam Ende der Neunziger auf die Idee, alles, was mit Bestattungen zu tun hat, aufzupeppen. Ob ihm Bestattungen in der bisherigen Form zu antiquiert erschienen, ob er glaubte, das Geschäft mit dem Tod durch Anglizismen interessanter machen zu können oder ob einfach nur der Bedarf nachließ, ist schwer zu sagen. Er erfand eine neue Berufsbezeichnung: den Funeralmaster. Inzwischen hat der Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) einen Ausbildungsgang zum "funeral master" eingerichtet. Und erste Bestattungsunternehmer dürfen sich jetzt offiziell Funeralmaster nennen.

Die Verantwortlichen im BDB sollten sich einmal in einschlägigen englischen und amerikanischen Wörterbüchern über "funeral" und seine Varianten informieren. Es reicht doch nicht, einen deutschen Begriff wortwörtlich ins Englische zu übersetzen, ohne sich gleichzeitig zu versichern, daß es diese Übersetzung auch tatsächlich gibt. Im englischen wie im amerikanischen gibt es für einen Bestattungsunternehmer mit Kenntnissen des Einbalsamierens die Berufsbezeichnung "funeral director". Das Unternehmen wird als "funeral home" bezeichnet. Einen "funeralmaster" wird man vergeblich suchen.

Nach dieser etwas merkwürdigen Kreation würde es mich nicht wundern, wenn bereits weitere Sprachverhunzungen am Brodeln sind. Hierzu einige Vorschläge meinerseits. Einen idyllisch gelegenen Friedhof auf einer Anhöhe oder einem Hügel könnte man mit "boot hill" bezeichnen. Für andere würde bestimmt "graveyard" passen, ausgestattet mit vielen "gravestones". Oder wie wäre es mit "cemetery"? Klingt so nach Zement, also geeignet für Anlagen in der Nähe von Industriegebieten.

Es bleibt zu hoffen, daß der Begriff des "Funeralmasters" bald beerdigt werden wird. Wenn man allerdings die deutsche Gründlichkeit bedenkt, wird er uns noch bis in unser Grab begleiten.

Gerüchte besagen übrigens, daß Särge künftig "peace boxes" genannt werden. Bei Tchibo gab es vor kurzem bereits „body bags“ (auf deutsch: „Leichensäcke“) zu erwerben.

Interessant wäre es zu wissen, wie die Bestatter „Funeralmaster“ aussprechen? In einem miserablen Englisch oder einem einwandfreien Deutsch? Eines dürfte wohl sicher sein. Ein älterer Mensch würde einen Bestatter, wenn überhaupt, mit „Herr Funeralmaster“ (buchstabengetreu und auf deutsch) anreden.

Wenn das Sterben nicht ein so ernstes und endgültiges Ereignis wäre, könnte man über diese billige Globalisierungsanbiederei nur lachen. Doch ich fürchte, diese Leute meinen das ernst!

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