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„Bereich Below the Line“

Glosse von Wolfgang Dorn

Gibt es noch Werber, die deutsch sprechen können?

Ich glaube "nein". Und den Beweis hörte ich gerade in der vorigen Woche. Ein Werber fragte einen anderen: "Was machen sie beruflich?" Hier die Antwort (ich habe sie gleich danach aufgeschrieben): "Ich bin in der integrierten Marketingkommunikation als Director Client Services in unserer Düsseldorfer Unit. Aber ich möchte in den Bereich Below the line!"

Zu Hause habe ich das Kauderwelsch übersetzt. Er wollte sagen: "Ich bin leitender Kundenberater in einer Düsseldorfer Werbeagentur. Lieber ging ich in die Verkaufsförderung!"

Spätestens danach war mir klar, wer der Bundesbahn ihr neues Ansehen verschafft hat: Werber! Sie sind sicher davon ausgegangen, daß Deutsche nicht mehr Bahn fahren. Anders kann man das Kauderwelsch nicht erklären.

Hier ein paar Beispiele: Fahrkarten gibt es nicht mehr, nur noch Tickets. Und die bekommt man natürlich nicht am Fahrkartenschalter, sondern am Ticket Counter. Hat man Fragen, geht man zum Service-Center. Hier ist die Parallele zum Englischen besonders deutlich, denn hier muß man genau so in einer Schlange warten, wie das in England auch üblich ist.

Treffen kann man sich mit seinen Freunden am Meeting Point und belegte Brötchen bekommt man am Back Point (nicht zu übersetzen mit "Hintern Punkt").

"Last minute", kann man im Event-Center kaufen und in modernen Bahnhöfen (Verzeihung: Railway stations) kann sich im Food Store bedienen lassen. Pinkeln und mehr darf man bei McClean – nicht zu verwechseln mit McDonald.

Auch die Züge sind "internationalisiert": Regional-Express, Intercity und Interregio heißen die jetzt. Sicherlich haben die ein schlechtes Gefühl dabei, daß sie immer noch durch Deutschland fahren müssen und die Bahnhöfe noch in Köln (nicht in Cologne) und in München (nicht in Munich) halten müssen.

Eines allerdings verstehe ich nicht: Der französische Zug, der ständig zwischen Köln und Paris verkehrt, hat weder englische noch deutsche Bezeichnungen. Die Franzosen haben eben mehr als wir Deutschen begriffen, daß die eigene Sprache ein Teil der eigenen Kultur ist.

 

 
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