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Menschinnen?

Gedanken zur politisch-sexuellen Korrektheitsverordnung

Von Prof. Christian Gizewski, Berlin

In der Sprachtradition stimmt das grammatische Geschlecht mit dem sexuellen oftmals nicht überein. Aber auch soweit es sprachlich möglich ist, zur Bezeichnung des sexuellen Geschlechts eine grammatisch-weibliche Form zu wählen, ist dies in aller Regel nicht nötig, um eine Wertschätzung, wenn sie angebracht ist, zum Ausdruck zu bringen.

Ganze Gruppen von Menschen können allerdings meines Erachtens im allgemeinen weder wertgeschätzt noch nicht wertgeschätzt werden. Das gilt besonders auch für das weibliche Geschlecht.

Mit anderen Worten: Um eine in bestimmten Situationen gefühlsmäßig oder sachlich begründete Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen, kann man sprachlich so wie oben beschrieben verfahren, aber man muß es nicht.

Medial oder gesetzgeberisch „neu eingeführte“ Sprechweisen, die eine bestimmte Art kollektiver Wertschätzung faktisch vorschreiben, braucht prinzipiell niemand zu respektieren, wie überhaupt derartige „verordnete“ Sprechweisen – von denen es in der gegenwärtigen Amts- und Mediensprache ja nicht gerade wenige gibt – im Hinblick auf die in Art. 5 des Grundgesetzes mitgarantierte Freiheit, sich unreglementiert in der natürlichen und traditionellen Sprache auszudrücken, prinzipiell rechtlich angegriffen oder abgewehrt werden können.

Nicht einmal Personen, die Beamte sind oder sich in Verträgen dazu verpflichtet haben, bestimmte Sprechweisen zu praktizieren, sind dazu über ein ganz eng begrenztes Mindestmaß des „Sprachgehorsams“ hinaus verpflichtet.

Im Interesse der allgemeinen Sprachfreiheit ist meines Erachtens vielmehr ein demonstratives Nichtbefolgen „verordneter Sprachneuerungen“ anzuraten, wenn man von deren Richtigkeit nicht überzeugt ist. Sprachliche Demonstrationen, auch und gerade des Gesetzgebers und der Medien, können und sollen Andersdenkende – zumeist die Mehrheit der Bevölkerung – dann ohne Gewissensbisse und ohne konkreten Personen, die wirklich Wertschätzung verdienen, Unrecht zu tun, „in aller Sachlichkeit“ mit den sachlich erforderlichen Gegendemonstrationen beantworten.


 
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