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Nix gute Sprache?
Wissenschaftler fordern einen bewussten Umgang mit Deutsch

von Arno Stoffels

(erschienen in den Nürnberger Nachrichten am 21. Februar 2004, Seite 4; die NN richten sich teilweise nach den Regeln der Rechtschreibreform)

NÜRNBERG — Wenn sich in den großen Konzernen Marketing-Strategen zum Meeting treffen, kommen sie ohne Beamer nicht aus. Und wenn der trotz des Supports des Technical-Teams mal wieder nicht handelbar ist, muss zumindest das Flip-Chart bereit stehen, um einigermaßen easy vor dem Lunch-Break den Business-Case checken zu können.

Alles klar? Wem es jetzt schon schwindlig geworden ist, der kann beruhigt sein. Weil heute zum mittlerweile fünften Mal der von der Unesco ausgerufene „Welttag der Muttersprache“ gefeiert wird, soll von hier ab Schluss sein mit den Anglizismen. Schon um das in dieser Hinsicht reichlich dünne Nervenkostüm der Sprachwissenschaftler zu schonen, die mit der Veränderung des Deutschen zwar nicht den sofortigen Untergang des Abendlands, aber doch eine auf Dauer bedrohliche Sprachpanscherei heraufdämmern sehen.

„Wenn wir weiter nur gelassen zuschauen und nicht aktiv etwas gegen die Vermischung tun, werden tatsächlich viele der heutigen Sprachen aussterben“, ist Thomas Paulwitz überzeugt. Bis zu 90 Prozent der heute weltweit geschätzten 6000 Sprachen, erklärt der Erlanger Germanist [Historiker] und Mitbegründer der Fachzeitschrift Deutsche Sprachwelt, seien innerhalb der nächsten hundert Jahre vom Aussterben bedroht. Der Grad der Gefährdung hänge dabei vor allem von der Anzahl ihrer Sprecher ab.

Mundart verschwindet

Deutsch gehört mit rund 100 Millionen weltweit immerhin zu den Spitzensprachgruppen. Um sich zufrieden zurückzulehnen, meint Paulwitz, gibt es aber keinen Grund. So seien viele deutsche Mundarten, wie beispielsweise das Plattdeutsche, bereits dabei zu verschwinden. Und auch um das Hochdeutsch sei es nicht gut bestellt, erklärt Paulwitz und bezieht sich auf den weltweit renommierten Sprachforscher David Crystal.

Dessen Ansicht nach hängt der Gefährdungsgrad einer Sprache nicht nur von der Sprecherzahl, sondern vor allem auch vom Spracherwerb der Kinder und dem Einfluss anderer Sprachen ab. „Amerika und England sind nun mal bei der Musik und in der Werbung beherrschend“, so Paulwitz. Ein Patentrezept gegen die Anglizismen-Flut hat er allerdings auch nicht. Die Verankerung von Deutsch als Amtssprache [Arbeitssprache] in der Europäischen Union wäre seiner Ansicht nach jedoch zumindest ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung. Und die Musiksender „sollten vielleicht ein bisschen mehr deutsche Musik spielen“.

 

 
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