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Wir sind das Sprachvolk aktuelle Bestrebungen von Sprachvereinen und -initiativen von Silke Wiechers 1. Vorstellung der Sprachvereine 2. Kooperationen: der Verein für Sprachpflege und das Netzwerk Deutsche Sprache 2.1 Der Verein für Sprachpflege (Im folgenden werden Auszüge dieses Artikels wiedergegeben. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Gesellschaft für deutsche Sprache, Wiesbaden. Der vollständige Beitrag ist erschienen in: Muttersprache Vierteljahresschrift für deutsche Sprache, 111 (Juni 2001), Heft 2, Seite 147-162.) (...) In diesem Beitrag sollen zunächst acht Sprachvereine, ihre Ziele und Arbeitsweisen überblicksartig vorgestellt werden (...). Der zweite Teil des Artikels befasst sich mit dieser [der Verflechtung der Sprachvereine untereinander] Zusammenarbeit (...).
1. Vorstellung der Sprachvereine Die hier untersuchten Vereine wurden ausgewählt, um ein möglichst breites Spektrum sprachpflegerischer Aktivitäten darzustellen. Die einzelnen Vereine unterscheiden sich z. T. stark in ihren Einstellungen, aber auch im Hinblick auf Organisation und Mitgliederzahl. Sie werden in alphabetischer Reihenfolge beschrieben. Arbeitsgemeinschaft für deutsche Sprache (...) Arbeitskreis Unsere Sprache (ARKUS) (...) Bund für deutsche Schrift und Sprache e. V. (...) Bubenberg-Gesellschaft Bern Sprachkreis Deutsch (...) Interessengemeinschaft Muttersprache in Österreich Graz e. V. (...) Verein Muttersprache Wien (...) Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e. V. (...) Verein deutsche Sprache e. V. 2. Kooperationen: der Verein für Sprachpflege und das Netzwerk Deutsche Sprache In den letzten zwei bis drei Jahren haben einige Sprachvereine damit begonnen, ihre Aufgaben und Ziele zu vergleichen und ihre Arbeit aufeinander abzustimmen. Die daraus entstehende Verflechtung soll hier am Beispiel zweier öffentlichkeitswirksamer Initiativen vorgestellt werden: dem Verein für Sprachpflege mit seiner Veröffentlichung Engleutsch sowie seiner Zeitschrift Deutsche Sprachwelt und dem Netzwerk Deutsche Sprache.
2.1 Der Verein für Sprachpflege Es handelt sich hierbei nicht um einen Sprachverein im oben beschriebenen Sinn, sondern um einen Zusammenschluss von Vertretern verschiedener Vereine mit dem Ziel, gemeinsam erarbeitete Publikationen zu ermöglichen. Unter den angegebenen Adressen sind Redaktion und Vertrieb zu erreichen: Schriftleitung Vertrieb Die Broschüre Engleutsch? Nein danke! mit dem Untertitel Wie sag ichs auf deutsch? Ein Volks-Wörterbuch erschien in zweiter Auflage im Herbst 2000 mit einer Gesamtauflage von 36.000 Exemplaren. Bereits die 1. Auflage aus dem Jahr 1998 wurde von einer Reihe anderer Sprachpflegevereine unterstützt: der Arbeitsgruppe Wahrung der Muttersprache, Wien, der Bubenberg-Gesellschaft Bern, dem Bund für deutsche Schrift und Sprache, der Interessengemeinschaft Muttersprache Österreich Graz, dem Verein für [deutsche] Rechtschreibung und Sprachpflege und dem Verein Muttersprache Wien. Als Autoren der zweiten Auflage zeichnen Stefan Micko und Thomas Paulwitz, ersterer war bis zum Frühjahr 2000 Obmann des Vereins "Muttersprache" Wien. Beide geben für den Verein für Sprachpflege die Zeitschrift Deutsche Sprachwelt heraus (siehe 2.1.2). Bei Engleutsch handelt es sich um einen Leitfaden zur Verdeutschung englischer Wörter in deutschen Texten, zu dem auch Mitglieder anderer Sprachvereine durch Kritik, Vorschläge und Kommentare beitrugen. Die Autoren erläutern im Vorwort ihre Einteilung der Anglizismen [richtig: Einteilung von Engleutsch (pau)] in fünf verschiedene Klassen (ursprüngliches und angedeutschtes Englisch, deutsch-englische Wortmischungen, nachgeahmte englische Redewendungen sowie Pseudoenglisch (Paulwitz/Micko, 2000, S. 9 f.)), doch kreist ihre Argumentation um die Auffassung, dass die Ersetzung englischer Wörter durch deutsche [richtig: Ersetzung von Engleutsch durch Deutsch (pau)] anzustreben sei die jeweilige Kommunikationssituation wird dabei nicht beachtet. Problematisch erscheinen nicht näher nachgewiesene Behauptungen, wie etwa die, dass sich anders als etwa das Griechische oder Lateinische [...] das Engleutsche [...] nicht so leicht in die deutsche Sprache einfügen könne (ebd., S. 15). Zwar werden einige der Verdeutschungsversuche mit Fragezeichen oder Asterisken versehen zum Zeichen, dass sie (noch) nicht als durchweg gelungen betrachtet werden, dies kann aber nicht davon ablenken, dass manche Vorschläge überflüssig, gewollt oder peinlich wirken oder aber schon lange gebräuchlich sind (Kügel, 2000). So werden für Starlet folgende Vorschläge unterbreitet: (Film-)Sternchen, Hoffnung, Blitzmädel, Glanzmädel, Starin (Schaugeschäft) (Paulwitz/Micko, 2000, S. 111). Filmsternchen ist schon seit 1967 belegt (Carstensen, 1996, S. 1421), eine Hoffnung ist ein Starlet nicht unbedingt, die Starin ist die Movierung des ebenfalls verpönten Stars [im Wörterbuch wird, deutlich gekennzeichnet nur Star in seiner englischen Aussprache verpönt (pau)], ob sich das Glanzmädel durchsetzen lässt, darf bezweifelt werden; Blitzmädel hingegen wäre aufgrund der historischen Konnotation besser unerwähnt geblieben (vgl. Der Spiegel, 19/1984, S. 85). [Berichtigung von Thomas Paulwitz (pau): Bei dem Wörterbucheintrag Starlet wurden die Vorschläge Blitzmädel, Glanzmädel und Starin durch Schrägstellung klar als nicht ganz so Ernstgemeintes, mit Augenzwinkern zu Sehendes gekennzeichnet! Es ist wissenschaftlich nicht ganz einwandfrei, diese Tatsache hier zu verschweigen, und es ist zwar einfach, doch unoriginell, sich über lustig Gemeintes zu belustigen.] Bei dieser Wortsammlung irritiert der erzieherische Anspruch der Verfasser in Verbindung mit der dem Büchlein im Klappentext vorangestellten Aussage, dass kein Anspruch auf Wissenschaftlichkeit und Vollständigkeit erhoben werde. Auf Vollständigkeit hätte ich noch verzichtet, kommentiert dies Werner Kügel in seiner Rezension und kommt zu dem Schluss, dass hier aus dem Gefühl heraus, jetzt müsse aber Schluß sein mit diesem und jenem, eine ziemlich fanatische Kampagne vom Zaun gebrochen wurde, der sich die moderne Sprachwissenschaft kaum anschließen wird (Kügel, 2000). Er räumt aber ein, dass sich die laienhafte Sprachpflege gern dieses Hilfsmittels bedienen wird. Hier liegt m. E. durchaus ein Betätigungsfeld der wissenschaftlichen Sprachpflege: aufzuzeigen, warum die Vorschläge nicht alle von Qualität sind und daher wissenschaftlichen Kriterien nicht entsprechen. Die Deutsche Sprachwelt mit dem Untertitel Gemeinsam erhalten und gestalten wird von Stefan Micko und Thomas Paulwitz für den Verein für Sprachpflege herausgegeben. Mit einer Auflage von 50.000 dürfte die Streuung sehr groß sein, außerdem kann die Weltnetz-Ausgabe im Internet gelesen werden. Die Deutsche Sprachwelt erscheint vierteljährlich, die erste Ausgabe datiert vom 20. Mai 2000. Die Zeitung, die allein durch Spenden finanziert wird, dient als Mitteilungsblatt verschiedener Sprachvereine, die ihre Veranstaltungen so einer größeren Öffentlichkeit anbieten können. Die Internetseite der Deutschen Sprachwelt ist vernetzt mit den Seiten verschiedener Sprachvereine und öffentlich geförderter Sprachinstitute, mit Projekten und mit Initiativen gegen die Rechtschreibreform. Unter der Rubrik Termine werden neben Veranstaltungen des Vereins Deutsche Sprache auch solche der Gesellschaft für deutsche Sprache und des Instituts für Deutsche Sprache angekündigt. Die Deutsche Sprachwelt will offenbar ein möglichst breites Spektrum sprachpflegerischer Bemühungen darstellen und nennt daher auch Institutionen und Initiativen mit unterschiedlicher, mitunter konkurrierender Ausrichtung. Daneben finden sich allgemein abgefasste Artikel zu Sprachthemen, die Auswahl beschränkt sich dabei nicht auf die deutsche Sprache, es werden auch Informationen zu anderen europäischen und außereuropäischen Sprachen vermittelt. 2.2 Das Netzwerk Deutsche Sprache Unter diesem Namen haben sich Sprachvereine aus verschiedenen europäischen Ländern zusammengeschlossen mit der Absicht, Kontakte [zu] schaffen zwischen Menschen, denen die eigene Sprache kostbar und die Ausbildung darin wichtig ist, auch in einer oder mehreren Landes- und Fremdsprachen (http://www.sprachkreis-deutsch.ch/netzwerk/index.shtml). (...)
Die Gründung neuer deutscher Sprachvereine und ihre verstärkte Zusammenarbeit untereinander und mit bereits bestehenden Vereinen bzw. Initiativen zeigen, dass sprachliche Fragen derzeit größere Teile der Bevölkerung interessieren (vgl. Steinhauer, 2001. Möglicherweise haben auch die Diskussionen um die Rechtschreibreform als eine Art Katalysator gewirkt.). Unstrittig ist wohl, dass die in den hier beschriebenen Vereinen Organisierten ein großes Engagement für die Sprache zeigen, ein Engagement, das etwa von der GfdS in der individuellen Sprachberatung gefordert wurde (Wiechers, 1996, S. 80). Allerdings sind die Initiativen, obwohl die hier beschriebenen Vereine in ihren Zielsetzungen durchaus voneinander abweichen, mehr oder weniger stark auf einen gemeinsamen Nenner ausgerichtet, die Frage nach dem Umgang mit Anglizismen in der Gegenwartssprache. (...) Es stünde m.E. an, dass sprachwissenschaftliche Institutionen handhabbare Bewertungskriterien für die Beurteilung von Anglizismen entwickelten. Dies wurde bereits 1996 bei der GfdS angeregt (Hoberg,1996, S. 142), deren Kommission Besseres Deutsch solche Kriterien zusammen mit der Dudenredaktion erarbeiten will (Stellungnahme der GfdS, 1999, S. 220). Derart abgesichert sollten sich Sprachpflege, Sprachkritik und Sprachwissenschaft als Ressource auch für politische Entscheidungen verstehen und sich nicht davor scheuen, zur Meinungsbildung auf diesem wichtigen Gebiet beizutragen. Literaturverzeichnis [Auszug] Broder Carstensen, Anglizismen-Wörterbuch. Der Einfluss des Englischen auf den deutschen Wortschatz nach 1945. Fortgeführt von Ulrich Busse; Berlin/New York, 3 Bde., 1993-1996. Rudolf Hoberg, Fremdwörter. Wie soll sich die Gesellschaft für deutsche Sprache dazu verhalten?; in: Der Sprachdienst 5/1996, S.137142. Werner Kügel Engleutsch die Sprachgefühligen schlagen zurück; http://www.ai.fh-nuernberg.de/Professors/Kuegel/Blumenorden/Sprachpflege25.html Thomas Paulwitz / Stefan Micko, Engleutsch? Nein danke! Wie sag ichs auf deutsch? Ein Volkswörterbuch; 2. Auflage Erlangen und Wien 2000. Anja Steinhauer, Deutsch; erscheint in: Albrecht Greule / Nina Janich (Hgg.), Sprachkulturen in Europa; Tübingen, vorgesehen für 2001 (G. Narr). Silke Wiechers, Der Sprachberatungsdienst der Gesellschaft für deutsche Sprache, Wiesbaden; Magisterarbeit, Universität Tübingen 1996 (Typoskript).
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