Deutsche Sprachwelt
Die Sprachzeitung für alle! Die Sprachzeitung für alle! Deutsche Sprachwelt - Gemeinsam erhalten und gestalten
Hauptseite
Wissen
Neueste Ausgabe
Berichte
Archiv
Meinung
Sprachpanscherei
Sprachwahrer
Engleutsch?
Dienste
Spenden
Verweise
Impressum
Kontakt
Berichte


Dachauer Nachrichten vom 18./19. August 2001


Rechtschreibreform: Fiasko oder Segen?

Beitrag der Redaktionsmaus löst große Diskussion aus

Dachau (tol) _ Das Internet macht's möglich. Weil ein Leser aus Dachau das Thema der Redaktionsmaus vom 13. August ("Besorgnis erregend" oder "besorgniserregend") auf der Homepage [Hauptseite] der Deutschen Sprachzeitung" (DS) [richtig: DEUTSCHE SPRACHWELT] zur Diskussion stellte und den Aufruf dazu, möglichst viele Leser der DS sollten sich äußern, gab's für den kleinen Kolumnisten der Heimatzeitung Post aus ganz Deutschland. Einige verteidigen die Rechtschreibreform, die meisten aber lehnen die Reform ab und legen der Redaktionsmaus und Kollegen nahe, sich wieder der traditionellen Schreibweise zuzuwenden.

Ein Aufruf zur Konterrevolution gewissermaßen, zum Beispiel von Sven Dyroff aus Wiesbaden: "Das Verwirrung-erregende/verwirrungerregende/Ver Wirr Erregende Problem existiert doch gar nicht, wenn man solch einen Schrott schlichtweg nicht mitmacht." Uwe Prinz ist derselben Auffassung, der fragt: "Was hindert die Dachauer Nachrichten, hier einen mutigen Schritt zu tun?" Man solle eben so verfahren wie die "Frankfurter Allgemeine", die "sich traut, gegen den Zeitgeist zu schwimmen."

Wenn Tote Auto fahren und flüchten

Dr. Manfred Pohl, der sich selbst als "gelegentlicher Leser" der Dachauer Nachrichten bezeichnet, würde die Rückkehr zur alten Rechtschreibung sogar honorieren: "Würden Sie den Schritt wagen, wäre ich vermutlich sogar ihr Abonnent." Die Rechtschreibreform sei ein Fiasko, so Pohl, der ein Beispiel mitliefert: "Frau tot gefahren und dann geflüchtet." Heiße also, so Pohl, "die Frau, die gefahren ist, war schon tot, und dann ist sie auch noch geflüchtet!"

Die Reform verletzte das Sprachgefühl, schreibt der Musikjournalist Diether Steppuhn aus Würzburg. Auch er sei gezwungen, seine Manuskripte "im unsäglichen Dummdeutsch" abzuliefern. Zudem verweist Steppuhn darauf, dass "immer mehr Periodika und Zeitungen dem Vorbild der FAZ" folgten und wieder nach "alt bewährten Regeln schreiben".

Auch der Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege (VRS) ist dem Aufruf des Heimatzeitungslesers gefolgt und veröffentlichte einen Beitrag auf der DS-Homepage. Die Reform sei mangelhaft und künstlich und zudem über die Köpfe des Volkes hinweg eingeführt worden. "Das hat zu einer Beliebigkeitsrechtschreibung geführt." Kurz fasst sich in diesem Zusammenhang Robert Alen Richter aus Berlin: "Die Sprache gehört nicht dem Staat!"

Bei Ulrich Werner aus München kommen nicht nur die Rechtschreibreform und deren Folgen schlecht weg, sondern auch das deutsche Wörterbuch schlechthin: der Duden. Weitgehend unbekannt sei, "dass der Duden, der sich als die Instanz für die deutsche Sprache bezeichnet, seit vielen Jahrzehnten das Verhunzen der Sprache maßgeblich gefördert hat." Im Internet befasst er sich unter www.ulrich-werner.de mit der "Verbreitung des Sprachmülls".

Aber es gibt auch Befürworter der neuen Rechtschreibung. Einer davon ist Niklas Hill [Regionalleiter und Diskussionsleiter im Verein Deutsche Sprache (VDS)]: "Ich möchte Sie bitten, trotz dieser kleinen Unstimmigkeiten die reformierte Rechtschreibung beizubehalten, um das Chaos nicht noch zu vergrößern. Ich bin Schüler in Schleswig-Holstein und weiß, wovon ich rede." H. Panier bricht in seinem Beitrag auf der DS-Homepage eine Lanze für die Reform. Sprache sei etwas Lebendiges, "das man nicht ein für alle Mal in feste Formen gießen kann. Wenn wir jede Änderung ablehnen, dann müssten wir auch noch Thür und Thor schreiben."

Raymond Zoller schließlich erklärt, warum der Unterschied zwischen "Besorgnis erregend" und "höchst besorgniserregend" sehr Wohl Sinn macht. Nachzulesen ist das unter www.deutsche-sprachwelt.de

 

 
Zurück Nach Oben
© 2000-2013 Verein für Sprachpflege e. V. – Alle Rechte vorbehalten!