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Vorschlag für einen Tag der deutschen Sprache

Von Heinz-Dieter Dey

Verein Deutsche Sprache, Regionalverband 65
Leiter der Arbeitsgruppe „Tag der deutschen Sprache“

Meine Damen und Herren,

am 15. April 2000, auf der letzten Mitgliederversammlung in Dortmund, hat der Vereinsvorstand beschlossen, eine Arbeitsgruppe „Tag der deutschen Sprache“ einzurichten. Die vielen erfolgreichen Einzelaktionen unserer Mitglieder, die deutsche Sprache von überflüssigen Angloamerikanismen freizuhalten, sollen an einem Tag im Jahr durch gemeinsame, bundesweite Aktionsprogramme unterstützt werden. Wir erhoffen uns davon mittelfristig ein nachhaltiges Umdenken beim Gebrauch unserer Sprache.

Die Arbeitsgruppe muß zwei Fragen beantworten:

Erstens: Auf welcher Ebene soll oder kann dieser Tag begangen werden? Auf internationaler, nationaler oder auf Vereinsebene? Ideal wäre die weltweite Durchsetzung eines Aktionstages.

Ein Tag der deutschen Sprache auf der Vereinsebene könnte ein erster Schritt zu einem offiziellen Aktionstag sein. Der Vorteil liegt in der Unabhängigkeit von irgendwelchen Institutionen. Des weiteren können wir vor den großen Auftritten Erfahrungen sammeln. Ich meine, daß man damit bereits im nächsten Jahr auf Vereinsleitungsebene und zumindest in den Regionen beginnen könnte, die bereits eine funktionsfähige Unterstruktur aufgebaut haben. Die Veranstaltungen sollten unter einem jeweils aktuellen Motto stehen. Die kreativen Mitglieder unter uns bitte ich, der Arbeitsgruppe Vorschläge zu einem eingängigen Spruch für das Jahr 2001 zu machen. Wichtig ist, daß sich unser Tag positiv von den bereits vorhandenen Aktionstagen abhebt und nicht Gleichgültigkeit und Gähnen erzeugt.

Ziel sollte es jedoch sein, einen offiziellen Aktionstag auf nationaler Ebene einzurichten.

Auf internationaler Ebene wäre ein „Tag der Muttersprachen“ im Rahmen der Vereinten Nationen (UN) denkbar, der dann in einen nationalen Tag übertragen werden könnte. Es ist bekannt, daß auch andere Länder das Problem dieser “englischen Krankheit” haben, die kürzlich in einem FAZ-Beitrag als BSE bezeichnet wurde, aber in diesem Fall nichts mit Rindern zu tun hat, sondern mit Basic Simple English zu übersetzen ist. Gefährlich ist beides, entweder für die körperliche oder die kulturelle Gesundheit. Der Weg zu einem internationalen Tag wird sicherlich langwierig und steinig sein, da die UN-Bürokratie angloamerikanisch dominiert ist. Über die Einrichtung von Aktionstagen beschließt die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. Ich habe inzwischen eine Anfrage über das Genehmigungsverfahren an die dortige Deutsche Vertretung gerichtet. Die Antwort steht noch aus.

Zweitens, und dieser Punkt muß zuallererst erarbeitet werden: Wie soll der Tag gestaltet werden?

Es sind überregionale und regionale Veranstaltungen vorzusehen.

Für den überregionalen Bereich ist die Vereinsleitung zuständig. Das Programm könnte Sachvorträge, öffentliche Diskussionen mit Verbänden und ausgewählten Konzernen, Rundfunk- und Fernsehauftritte und so weiter umfassen. Weitere Ideen wären z. B. die Vorstellung von Spielen im Sinne der Vereinsziele zusammen mit den Spiele-Herstellern, deutschsprachige Musikwettbewerbe sowie die Vergabe von Preisen an Unternehmen mit gelungenen deutschsprachigen Werbebotschaften. Repräsentanten der Gesellschaft sollten in ausgewählte Aktionen einbezogen werden. Überlegenswert sind auch jährlich wechselnde thematische und/oder regionale Schwerpunkte.

Auf der regionalen Ebene ist es erforderlich, alle Bevölkerungsgruppen, ibesonders die jungen Leute, anzusprechen. Auch hier sind Sachvorträge, regionale Rundfunk-, und Fernsehauftritte in den dritten Programmen eine Möglichkeit. Damit ein solcher Tag emotional angenommen wird, sollte Spiel und Spaß (statt play/game and fun) nicht fehlen. Solche Aktionen können aber nur auf Gemeinde- oder Ortsebene organisiert werden. Wissensträger sind dort vielfach vorhanden. Vereine und Schulen könnten an den Aktionen teilnehmen.

Die Mitgliederwerbung darf dabei nicht vergessen werden. Der Wunsch der Mehrheit der Bevölkerung nach Verständigung und Ansprache in der eigenen Muttersprache braucht eine kräftige Stimme. Es muß verhindert werden, daß sich in Werbung, Unterhaltung, Medien, Kommunikation und anderen Bereichen die sprachkulturelle Vernichtung fortgesetzt und Produkte, Sport, elektronischer Handel, Informationstechnik und Gesang z. B. immer englisch- oder pseudo-englischsprachiger werden. Ein oft gehörtes Vorurteil, daß die Jugend nur auf englischsprachige Ansprachen reagiert, darf sich nicht bewahrheiten. Es wäre dies ein Zeichen dafür, daß die Erziehung bei der Weitergabe unserer Kultur versagt und dem Kommerz überlassen wird. Eine Werte-Diskussion darüber wäre auch ein Thema für den Tag der deutschen Sprache.

Voraussetzung für einen gelungenen Tag der deutschen Sprache ist ein lebendiger regional-lokaler Unterbau, eine Herausforderung für alle Regionalbeauftragten. Die Fäden für diesen Unterbau müssen bei den Regionalbeauftragten auch zusammenlaufen, um einen Informationsfluß sowohl in Richtung Unterbau-Einheiten als auch in Richtung Regionalbeauftragte und Vereinsleitung zu ermöglichen.

Letztlich ist über den Kalendertag für den Tag der deutschen Sprache zu entscheiden. Erinnerungstage sind nicht optimal, da wir uns für den Aktionstag einen arbeitsfreien Sonntag wünschen. Eine hohe Wahrscheinlichkeit schönen Wetters sollte gegeben sein.

Meine Damen und Herren, das waren einige Gedanken zu einem Tag der deutschen Sprache. Für Meinungen, Vorschläge, konstruktive Kritiken und Ideen aus dem Kreis der Mitglieder haben wir jederzeit ein offenes Ohr. Auch ideen- und beziehungreiche Mitarbeiter sind willkommen. Ich hoffe, daß die Arbeitsgruppe schon in Kürze mit der Sichtung der zahlreichen Ideen und Vorschläge beginnen kann, die er von Ihnen erhält. Wir möchten aus terminlichen und programmatischen Gründen spätestens zum Ende des Jahres 2000 einen Überblick über die Resonanz der Mitglieder und insbesondere der Regionalbetreuer gewinnen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf Ihre Reaktionen!

 

 
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