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Nachrichten von SEPTEMBER bis DEZEMBER 2001


Die Schlagzeilen im Überblick:

Chaos in Argentinien –
Unsere verbliebene Chance: Sprache kann nicht verzinst werden
(Kommentar, 22.12.2001)

PISA-Musterländer bauen auf Latein (21.12.2001)

Neue These über die Herkunft der Runen (20.12.2001)

Griechenland: Englisch als zweite Amtssprache? (19.12.2001)

Kids ja, Kits nein: GfdS jetzt auch gegen gewisse überflüssige Anglizismen (18.12.2001)

Angehende Deutschlehrer beeindruckt von der DEUTSCHEN SPRACHWELT (17.12.2001)

Verein Deutsche Sprache (VDS): Kulturnazis? (17.12.2001)

Für Eskimos und Alpenbewohner hat Schnee viele Namen (15.12.2001)

Über die Lesbarkeit von Sprachen (11.12.2001)

6. Ausgabe der DEUTSCHEN SPRACHWELT erschienen (25.11.2001)

„Tag der deutschen Sprache“ (26.09.2001)

Chaos in Argentinien –
Unsere verbliebene Chance: Sprache kann nicht verzinst werden
22. 12. 2001. Weihnachten in Argentinien: Mundraub-Plünderungen aus bohrender Hunger-Verzweiflung, Menschen festgenommen, Menschen verwundet, Menschen erschossen, die Regierenden flüchten, verlassen das Land. Die Argentinier glaubten schon lange nicht mehr der Sprache ihrer Regierungen, jetzt ist das Maß voll: Mit der letzten Ansprache des hilflosen Präsidenten de la Rúa brach der Volkszorn aus. Die Sprache ließ sich nicht mehr zur Verschleierung mißbrauchen, Medien-Manipulation war wirkungslos geworden. Die dramatischen Ereignisse in Argentinien zeigen uns, daß die Sprache das erste und das letzte Opfer der weltweiten widernatürlichen Vereinheitlichungen ist. Die weltweiten Verwerfungen in den Sprachen sind Vorboten für die Gefahren, die uns drohen, falls der Weg der Vermünzung, der Entmenschlichung und Entgeistung weitergegangen wird, der sich als erstes in der Sprache zeigt. Nur mit der Entwicklung eines neuen Sprachbewußtseins haben wir die Möglichkeit, unser kritisches Denken zu schärfen und den Verlockungen einer verheißenen, scheinglücklichen, scheinheilen Konsum-Welt zu widerstehen. Unsere Sprache kann nicht verzinst werden. Nutzen wir die Chance, die den Völkern der Welt, die jedem einzelnen bleibt: die Sprachkritik als intellektuelle Selbstverteidigung. Kommentar von Thomas Paulwitz

@ PISA-Musterländer bauen auf Latein
21. 12. 2001 (dsw) Länder, die in der PISA-Studie besonders gut abschnitten, bauen auf Latein. Nicht nur PISA-Musterland Finnland pflegt die lateinische Sprache, die in der Bundesrepublik Deutschland von den Kultusministern zurückgedrängt wird; auch Schweden setzt stärker auf Latein. So bietet die südschwedische Universität Lund erstmals seit ihrer Gründung 1611 einen Anfängerkurs für Latein an. Der Andrang war so groß, daß nur 90 von 611 Bewerbern aufgenommen werden konnten.

@ Neue These über die Herkunft der Runen
20. 12. 2001 (dsw) Germanische Inschriften mit etruskischen Buchstaben sind in Slowenien aufgefunden worden. Aufgrund dieses Fundes vermutet der amerikanische Sprachwissenschaftler Thomas Markey in der neuesten Ausgabe des Magazins Geo, daß die Runenschrift von etruskischen Buchstaben abgeleitet worden ist. Bisher nahm man an, daß die Germanen die Runen aus dem lateinischen Abece entlehnt hatten. Da in dem Fundgebiet in Slowenien Kelten lebten, nimmt Markey an, daß diese die etruskische Schrift an die Germanen vermittelt haben.

@ Griechenland: Englisch als zweite Amtssprache?
19. 12. 2001 (jwk) Die griechische EU-Kommissarin Anna Diamantopoulou provoziert ihre Landsleute. Sie fordert eine zweite Amtssprache, und zwar sofort. „Wir sollten Englisch zu unserer zweiten offiziellen Sprache machen“, so die für das Soziale in der EU zuständige Politikerin. Unglaublich, empörend, ungriechisch, viel zu teuer; so einige der harmloseren Reaktionen in der griechischen Öffentlichkeit. Dabei scheint die Forderung von Frau Diamantopoulou bis zu einem gewissen Grad verständlich. Werden wir doch in Kürze in einer EU mit etwa 25 Landessprachen leben. Mit welcher Sprache sollen wir uns dann untereinander verständigen? Benötigt Europa eine einzige, alle verbindende Lingua franca? Und wenn ja, welche? Oder können wir mit mehreren „Linguae francae“ leben? Doch auch hier stellt sich die Frage, welche Sprachen sollen es sein, und nach welchen Kriterien soll man sie auszuwählen. Und soll eine solche Sprache dann zu einer zweiten nationalen Amtssprache gemacht werden? Soll man gar eine neutrale Hilfssprache wie Esperanto einführen? „Ich kann nicht mal richtig griechisch schreiben. Soll ich da künftig meine Anträge auf Englisch ausfüllen?“, wunderte sich ein hellenischer Bauer im Fernsehen. Diese Aussage gilt wohl nicht nur für Griechenland. In einem Punkt ist Frau Diamantopoulou mit manchen Kritikern einer Meinung. Europa solle sich endlich auf eine einzige Arbeitssprache einigen, nämlich auf Englisch. Doch bis dahin wird wohl noch viel Schnee auf den Olymp fallen.

@ Kids ja, Kits nein: GfdS jetzt auch gegen gewisse überflüssige Anglizismen
18. 12. 2001 (pau) Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) rückt geringfügig von ihrem bisherigen Kurs der nichtwertenden reinen Zurkenntnisnahme der Sprachentwicklung ab. Wie die Deutsche Presseagentur meldet, lehnt nun auch der GfdS-Vorsitzende Rudolf Hoberg einen überflüssigen Anglizismus wie „Starter Kit“ ab. Damit werden die Euro-Münzpäckchen bezeichnet, die seit kurzem von den Geldinstituten ausgegeben werden. „Man hätte jede Menge gute deutsche Worte dafür finden können“, so Hoberg. Nicht nur Worte, sondern auch Wörter, möchte man meinen. Aber so ganz sicher im Umgang mit Überflüssigem ist sich die GfdS dann doch noch nicht. Denn die „Kids“ etwa hätten ihre Berechtigung, da sie eine Lücke im deutschen Wortschatz ausfüllten.

@ Angehende Deutschlehrer beeindruckt von der DEUTSCHEN SPRACHWELT
17. 12. 2001 (dsw) Die Weltnetz-Seiten der DEUTSCHEN SPRACHWELT waren Gegenstand eines Seminars für angehende Deutschlehrer an der Freiburger Hochschule. Drei Studenten stellten unter anderem die Seite www.deutsche-sprachwelt.de vor. Sie kam gut bei den Studenten an. Die Vortragenden schrieben nachher: „Das Referat lief äußerst positiv und die Seite kam echt gut an! Eure Seite wurde als neutral und nicht wertend bezeichnet, wohingegen andere Seiten außerhalb der Deutschen Sprachwelt eher in die 'rechte' Schublade gesteckt wurden, Seiten, auf denen man einschlägige Literatur bestellen kann (Kriegsbücher, Polit-Schinken usw.). Eure Seite haben wir danach vorgestellt und die Studenten waren erleichtert zu sehen, daß es nicht immer gleich heißen muß, man sei rechtsradikal, wenn man sich dem Thema Verenglischung der Sprache widmet.“

@ Verein Deutsche Sprache (VDS): Kulturnazis?
17. 12. 2001 (dsw) Eine Wanderausstellung des Vereins Deutsche Sprache (VDS) an der Universität in Weimar hat öffentlichkeitswirksame Proteste einer kleinen studentischen Minderheit ausgelöst. Plakate der Ausstellung „Stetes Denglisch höhlt den Käufer“ wurden mit dem Schriftzug „Kulturnazis“ und dem Spruch „Was habt Ihr an der Uni zu suchen???“ überschmiert. Der VDS-Regionalbeauftragte Tobias Mindner begründete die Entscheidung, die Schmierereien nicht zu entfernen, mit den Worten: „Sollte sich doch jeder selbst seinen Reim auf dieses Diskussions-Niveau machen.“ Außerdem hätten sich die Medien erst nach den Schmierereien für die Ausstellung interessiert. Winter in Deutschland.

@ Für Eskimos und Alpenbewohner hat Schnee viele Namen
15. 12. 2001 (jwk) Wer fast nur im Schnee und mit dem Schnee lebt, der hat für die weiße Pracht sicher auch viele Namen. So sollen die Eskimos über zwanzig Ausdrücke für Schnee haben. Aus manchen Quellen hört man, daß sie sogar über hunderte von Schneearten unterscheiden. Schaut man aber genau hin, sind es doch erstaunlich wenige Bezeichnungen. Die Zählung ist zwar schwierig, verschmelzen die Eskimos doch viele Satzteile zu Riesenwörtern. Betrachtet man aber nur die Wortstämme, da kommt man kaum auf zehn Bezeichnungen für Schnee. Vergleicht man diesen Befund mit den Wörtern, die man im Alpenraum für Schnee verwendet, dann ist das nicht außergewöhnlich. So kennen die Älpler rund zwanzig Ausdrücke für die weiße Pracht. Neben Locker-, Wild-, Neu- und Pappschnee gibt es unter anderem auch filzigen Schnee, Oberflächenreif, Harsch, Firn und Sulz. Skifahrer mögen Pulverschnee und sollten unbedingt Schwimmschnee meiden, der sich ganz schnell in eine Schneebrettlawine verwandeln kann.

@ Über die Lesbarkeit von Sprachen
11. 12. 2001 (din) Diesmal haben britische Psychologen an der Dundee Universität eine Last aus der Untersuchung ihrer Schüler zu tragen. Sie fanden heraus, daß Schüler in englischer Muttersprache zweieinhalb Jahre benötigen, um Grundlagen der Schreibung und Aussprache zu erwerben. Schüler anderer europäischer Sprachen, insbesondere romanischer, benötigen mit einem Jahr nicht einmal die Hälfte der Zeit für die gleiche Aufgabe. Wie der Untersuchungsleiter Phil Seymore vor der British Association Festival of Science in Glasgow betont, sucht man die Ursache dafür natürlich in den Unterschieden der Sprache. Im entsprechenden Fachzeitschriftenartikel im New Scientist von Doris Marszk richtet sich die Ursachenerklärung auf den Umfang schwer aussprechbarer Konsonantenkombinationen sowie auf die Vielfalt der Sprechvarianten für eine bestimmte Konsonantengruppe je nach Wort. Die finnische Sprache zeigte dabei die direkteste Entsprechung zwischen einer solchen Buchstabengruppe und jeweils nur einer oder wenig mehr Varianten in der Aussprache. Bei dieser Sprache ist der Erwerb von Sprechlesen also am leichtesten. Während der Vokal in der Aussprache nur einen Laut hat (a, e, i, o, u) benötigen Konsonanten bei der Aussprache eines weiteren (k-a, e-r, b-e, e-l, e-m, usw.) Dies macht die Umsetzung in Sprechsprache schwieriger, wenn mehrere Konsonanten zusammenstehen. Es wird also nicht gesprochen "K-a-raft", sondern "Kraft", der Konsonant "k" verliert je nach Zusammenhang seine Hilfslautung. Im Englischen hingegen werden sogar Vokale konsonantisch behandelt. So wird auch der Vokal "i" konsonantisch, wenn er im Wort "sign" (Zeichen) wie "s-e-in" auszusprechen ist, wobei also auch der Vokal den Hilfslaut "e" erhält. Seymor ergänzt, daß die Stellung des Englischen als Weltsprache sich eher zufälligen Gründen verdankt und nicht der Qualität der englischen Sprache.

@ 6. Ausgabe der DEUTSCHEN SPRACHWELT erschienen
25. 11. 2001 (wun) Am 20. November erschien die sechste Ausgabe der DEUTSCHEN SPRACHWELT. Themen unter anderem: „Der Euro kommt auf englisch“ (von Hans-Manfred Niedetzky), „Sprachpfleger Micky Maus?“ (von Thomas Paulwitz) und „Vorsicht, Trojanische Pferde!“ (Heinz-Dieter Dey). Auf Seite drei: „Sprachpflege statt Geschwätzigkeit” (von Josef Kraus). Außerdem werden die Sprachwahrer des Jahres 2001 gesucht. Fordern Sie noch heute ein Exemplar der DEUTSCHEN SPRACHWELT Ausgabe 6 an. Schicken Sie dazu einen E-Brief mit Ihrer Postanschrift an bestellung@deutsche-sprachwelt.de. Die DEUTSCHE SPRACHWELT finanziert sich aus Spenden. Wenn Sie unsere Arbeit unterstützen möchten, können Sie dies mit einer Spende auf das Konto 400 1957 des Vereins für Sprachpflege bei der Stadt- und Kreissparkasse Erlangen, Bankleitzahl 763 500 00, tun.

@ „Tag der deutschen Sprache“
26. 09. 2001 (vds) Der Dortmunder „Verein Deutsche Sprache“ veranstaltet anläßlich des „Europäischen Tages der Sprachen“ heute, am 26. September 2001, seinen ersten „Tag der Deutschen Sprache“. Mit Dichterlesungen, Vorträgen, Sonderstempel-Karten und Info-Ständen in vielen Städten der Republik werben Vereinsmitglieder für mehr Achtung und Respekt vor der am häufigsten gesprochen Muttersprache in Europa. Vereinsvorsitzender Krämer: „Sprachenvielfalt fördert Toleranz und gegenseitiges Verstehen. Dazu gehört auch, daß die anderen uns verstehen. Das geschieht europaweit immer seltener. Damit Deutsch als Fremdsprache für unsere europäischen Nachbarn nicht noch weiter an Anziehungskraft verliert, müssen zunächst einmal die Deutschen selbst die Schönheit und die Ausdruckskraft ihrer Sprache wieder schätzen lernen.“ Weitere Informationen beim VDS-Beauftragten für den „Tag der Deutschen Sprache“ Heinz-Dieter Dey, Weserstr. 15, D-65479 Raunheim, Fernruf 0049-(0)6142-43636, Ferndruck -46060. Lesen Sie hier Heinz-Dieter Deys Bericht zum Tag der deutschen Sprache.

 
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