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Nachrichten von MAI bis AUGUST 2001


Die Schlagzeilen im Überblick:

Fotoausstellung des VDS zur „Anglifizierung des öffentlichen Raumes“ (20.08.2001)

„Digitale Handschriftenbibliothek Köln“ im Weltnetz (16.07.2001)

Wertungsspeicher entdeckt (13.07.2001)

Deutschtürken sehen Sprache als Werkzeug, nicht als Integrationsförderin (07.07.2001)

Positive Sprachpflege kann etwas bewegen: beispielhafte Aktion in Südwestdeutschland (03.07.2001)

Auf deutsch studieren in Rumänien (26.06.2001)

Deutsch-Tschechisches Gymnasium bietet zweisprachiges Abitur (23.06.2001)

Deutscher Sprachpreis 2001 an Theodor Ickler (19.06.2001)

Zauberstab: Sprache als Steuerungsmittel der Meinungsführer (16.06.2001)

Kein Sprachverfall bei Abiturienten? (14.06.2001)

Panta rhei – auch die deutsche Rechtschreibung (05.06.2001)

Sprachenlernen wie Musik? (02.06.2001)

Salzburger Vizebürgermeister gegen Engleutsch in der Verwaltung (01.06.2001)

Mitarbeiter gesucht (29.05.2001)

Goethe-Institut bietet für ausländische Jugendliche Deutschkurse an (20.05.2001)

Worterfindung des Monats (15.05.2001)

Sozialhilfe nicht mehr ohne Deutschkenntnisse? (09.05.2001)

Rolf Hochhuth bekommt vom VDS 70.000 Mark (08.05.2001)

Späte Rache der Finnen? (04.05.2001)

Linkskurs des Vereins Deutsche Sprache? (03.05.2001)

Überforderte Lehrer kapitulieren vor Engleutsch – mit Unterstützung des Kultusministeriums (01.05.2001)

@ Fotoausstellung des VDS zur „Anglifizierung des öffentlichen Raumes“
20. 08. 2001 (vds) Unter dem ironisch gemeinten Titel "Shops und Centers in der City" wird der Verein Deutsche Sprache (VDS) Herford am Dienstag, den 21. August um 18 Uhr im Foyer der Stadtbibliothek Herford eine Ausstellung mit Fotos aus den Stadtzentren von Herford und Bad Salzuflen eröffnen. Die Ausstellung wird bis zum 7. September zu sehen sein. Dargestellt sind in der Hauptsache Fassaden von Geschäften sowie Werbeschilder, auch solche der Verwaltungen, die die Anglifizierung des öffentlichen Raumes belegen. Die zum Teil recht bissigen Bildunterschriften mögen zum Schmunzeln oder auch zur Empörung anregen – je nach dem Standpunkt des Betrachters. Die Ausstellung zeigt die alltägliche Wirklichkeit, an der wir täglich vorbeilaufen, ohne sie wirklich zu sehen. Dieser Alltag hat sich aber in den letzten Jahren dramatisch verändert. Christoph Knüppel wird zur Eröffnung der Ausstellung einige Worte sprechen, zur Feier des Ereignisses werden auch Getränke angeboten. Die Idee zu einer solchen Ausstellung ging auf unser Mitglied Wilfried Beermann aus Bad Salzuflen zurück, der auch die ersten Fotos beisteuerte. Weitere Fotos stammen von Christoph Knüppel und Silvio Dalla Torre. Am Tag der deutschen Sprache, der am Samstag, 1. September begangen wird, wird ein Mitglied des VDS-Bundesvorstandes, Dr. Horst Hensel, zum Thema "Deutsche Sprache" sprechen. Sein Vortrag wird umrahmt von Musik des Barockduos "Tafelspitz" mit dem Blockflötenvirtuosen Horst Nölle aus Spenge.

Verein Deutsche Sprache e. V., Region 32
Regionalsprecher: Gerd Büntzly
Waltgeristr. 56 a, 32049 Herford
Tel. 0049-(0)5221-380866

@ Digitale Handschriftenbibliothek Köln im Weltnetz
16. 07. 2001 (jwk) Wer sich für die Sprache interessiert, kommt an der Schrift nicht vorbei. Besonders ihre Darstellung im Laufe der Jahrhunderte ist sicher nicht nur für Wissenschaftler von Bedeutung, sie berührt auch das ästhetische Empfinden des Betrachters. Mittelalterliche Handschriften waren bisher für die meisten Menschen nur in Form von Fotografien in Büchern oder auf CDs zugänglich. Wer es sich leisten konnte, erwarb Faksimiles. Wer diese Meisterwerke der europäischen Schrift und der Buchmalerei im Original betrachten wollte, mußte entsprechende Museen aufsuchen. Das kann sich jetzt ändern. Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft haben die Universität Köln und die Diözesanbibliothek Köln ein Projekt begonnen mit dem wohlklingenden Namen "Codices Electronici Ecclesiae Coloniensis" (CEEC). In dieser "Digitalen Handschriftenbibliothek Köln" sollen ca. 130.000 Seiten mittelalterlicher Handschriften digitalisiert und ins Weltnetz gestellt werden. Dabei soll eine Qualität erreicht werden, die in den digitalen Medien bisher lediglich einzelnen Prachthandschriften vorbehalten war und meist nur bei der Publikation einzelner CDs verwendet wurden. Durch die Darstellung im Weltnetz und mit den entsprechenden Beschreibungs- und Suchkriterien versehen steht den Wissenschaftler in aller Welt stets das gesamte Spektrum der Bibliothek des Domes in Form von hochauflösenden Grafikdaten zur Verfügung. Daß die Schönheit der Buchmalereien einem größeren Publikum in Zukunft leichter zugänglich sein wird, ist ein willkommener Nebeneffekt. Welche Datenmengen bei dieser Aktion zu bearbeiten sind, soll ein Vergleich deutlich machen. Wollte man allein die Rohdatenmenge auf eine Silberscheibe brennen, benötigte man über 9.000 CD-ROMs. Die Netzseite www.ceec.uni-koeln.de stellt ein Kleinod im Weltnetz dar. Auch wenn sie noch im Auf- und Ausbau begriffen ist, ein Besuch ist sie jederzeit wert.

@ Wertungsspeicher entdeckt
13. 07. 2001 (din) Neurologen haben herausgefunden, wo im menschlichen Hirn die Wertungen zu Begriffen gespeichert werden. Adam K. Anderson von der Universität Yale und Elizabeth A. Phelps von der Universität New York untersuchten die Unterscheidungsfähigkeit zwischen negativen Begriffen (Bastard, Vergewaltigung, usw.) und neutralen Begriffen (Handtuch, Blume). Die Versuchspersonen waren eine Patientin mit vollständiger Entfernung eines Endhirnlappens sowie zweimal fünf weitere mit jeweils rechts-/linksseitiger Entfernung der Amygdala (Mandelkern). Als Kontrollgruppe dienten zwanzig Personen mit vergleichbarem Alter, Ausbildung, usw. Die eigentliche Aufgabe wurde den Testpersonen nicht offengelegt. Sie hatten nur farblich verschieden geschriebene Wörter auf ihre Gemeinsamkeit in der Sache zu bestimmen. Die Farbzuweisung wurde dazu auch nicht an positive oder negative Inhalte gebunden sondern zu Kontrollzwecken gemischt. Zwar reagierten alle Versuchspersonen grundsätzlich gleich auf die negativ konnotierten Begriffe, doch jene sechs mit linksseitig oder vollständig entfernter Amygdala konnten im Versuch die Begriffsbedeutung nicht mit gleicher Genauigkeit auseinanderhalten. Daraus folgt, daß diese Hirnregion die Verarbeitung sprachlicher Reize, besonders der Begriffsbedeutung übernimmt (Nature 2001, Vol. 411, S. 305-309). Neurologen neigen dazu, menschlichen Geist aus physiologischen Faktoren zu erklären. Sie finden sich dadurch bestätigt, daß immer mehr psychische Störungen medikamentös oder operativ behandelt werden können. Der Geist, der den Menschen vom Tier unterscheidet, wäre demnach nicht mehr als das Resultat einer besonders weiten Entwicklungsstufe von Biomaschinen mit komplexer Struktur. Dagegen spricht, daß die Entfernung von Hirnregionen mit inzwischen entschlüsselter Funktion in bestimmten Fällen durch Training der Patienten teilweise ausgeglichen werden konnte. Die Funktion des fehlenden Hirnteils wird dann von einem anderen mit übernommen. Die sogenannte „mechanistische“ Deutung für die nur beim Menschen zu findende Geistigkeit wird daher nicht von allen Fachleuten geteilt. Im Mittelalter suchte man einmal menschlichen Geist und Seele aus dem Herzen zu erklären. Heute dient für diese Erklärungsfunktion das Gehirn. Auf die Körperteile weiterer Entwicklungsstufen der Wissenschaft kann man gespannt sein.

@ Deutschtürken sehen Sprache als Werkzeug, nicht als Integrationsförderin
07. 07. 2001 (din) Nach den Einwanderungswellen der 80er und 90er Jahre in die wirtschaftsstarken Länder Mitteleuropas und vor allem nach Deutschland nehmen nun Bemühungen zu, eine Bilanz der Integration zu ziehen und diese zu verbessern. Dabei hat nun eine Umfrage ergeben, daß türkische Jugendliche in Deutschland überwiegend keine Landesidentifikation entwickeln, weder mit ihrem Herkunftsland noch mit dem Gastland. Nur jeweils rund 16 Prozent der Befragten wünschten einen türkischen oder deutschen Paß, ebensoviele machten keine Angaben und die Mehrheit wünschte eine doppelte Staatsbürgerschaft. Direkt nach ihrem Orientierungsbezug befragt, gaben die Befragten an, sich mehr mit der Türkei verbunden zu fühlen. Ihrem Herkunftsland ordneten sie mehr positive Aspekte zu als dem Gastland. Die Sachzwänge ihres Aufenthalts führen jedoch dazu, daß sie sich der deutschen Sprache mehr verbunden sehen und ihre Zukunftsplanung nach hiesigen Möglichkeiten orientieren. Die soziale Intergration hat offenbar keinen Einfluß auf die Landesidentifikation. Junge Türken mit deutschen Freunden identifizieren sich nicht mehr mit Deutschland als solche mit rein türkischem Umfeld. Grundsätzlich wollen die Befragten sowohl Integration in Deutschland, also volle Teilnahme an beruflicher und gesellschaftlicher Mitwirkung, und zugleich emotionale Identifikation mit ihrem türkischen Herkunftsland. Es liegt nahe, daß dieses Konzept langfristig dazu führt, daß diese Bevölkerungsgruppe zu beiden Ländern zunehmend geringere Identifikation entwickelt. Aus beiden Staatsbürgerschaften könnten dann jeweils nur die Aspekte zum eigenen individuellen Vorteil ausgelesen werden. Die Akzeptanz zur Übernahme von Solidarlasten würde dabei tendenziell sinken und den Prozeß der gesellschaftlichen Individualisierung und Destrukturierung verstärken. Die Umfrage führte Hans Merkens, Professor für Erziehungswissenschaft an der Freien Universität Berlin unter 605 türkischen Schülern der Klassen 5-10. Da diese Jugendlichen bereits in deutschem Umfeld aufgewachsen sind und insofern die bestintegrierte Teilgruppe der hiesigen Türken sind, dürfte das Integrationsbild der Gesamtbevölkerungsgruppe noch ungünstiger aussehen.

@ Positive Sprachpflege kann etwas bewegen: beispielhafte Aktion in Südwestdeutschland
03. 07. 2001 (hmn) Viele Zeitgenossen klagen über die Amerikanisierung unserer deutschen Muttersprache. Aber Jammern allein hat noch nie die Verhältnisse verändert. Wer sich aber bei Sprachpanschern über Anglizismen beschwert, muß damit rechnen, daß Einzelstimmen nicht ernstgenommen werden. Wie aber bündelt man Einzelaktionen und setzt Sprachverhunzer massivem Druck aus? In der VDS-Region Pforzheim/Nordschwarzwald wurde im September 2000 der Wettbewerb „Protest!“ ins Leben gerufen. Über ein halbes Jahr hinweg sollten die Mitglieder möglichst viele Beschwerdebriefe an Sprachsünder schreiben. Um einen wirksamen Anreiz zu setzen, winkten den drei Eifrigsten Warengutscheine im Wert von 100, 75 und 50 Mark. Die Gutscheine wurden von Firmen besorgt, die ihre Kunden in verständlichem Deutsch ansprechen. Ausgewählt wurden lokale Firmen: die Versandhäuser Klingel und Bader sowie der Filialist Breuninger. Nach anfänglichem Dahindümpeln kam der Wettbewerb so richtig in Schwung, als den Mitgliedern Monat für Monat Hilfestellung gegeben wurde: Namen, Adressen und verwendete Anglizismen von Sprachsündern; Vordrucke „Kaufverzicht“, „Abschaltung“, „Protest“ und „Appell“, damit jeder einfach und schnell protestieren konnte. Insgesamt fast 300 (!) Protestbriefe konnten am Ende gezählt werden. Sieger wurde Siegfried Schuler mit 109 Protesten. Platz zwei und drei errangen Horst Köhler und Jürgen Merkle. Den Siegern wurden die Gutscheine im Rahmen einer kleinen Feier im Anschluß an die monatliche Mitgliederversammlung am 7. Juni 2001 bei Sekt und Saft überreicht. Die Firmen Klingel und Breuninger hatten die Beträge auf 200 bzw. 100 Mark verdoppelt, Bader auf 100 Mark aufgerundet. Alle drei Firmen übersandten die Gutscheine nicht einfach kommentarlos, vielmehr wurde in den Begleitschreiben der Einsatz für die deutsche Sprache wohlwollend beurteilt. Hat die ganze Aktion etwas gebracht? Ja, denn eine erste Auswertung von Antwortschreiben der Gerügten ergab, daß viele über ihre Werbung nachdenken wollen, einige auch Änderungen versprachen und zum Teil schon vollzogen haben. Weitere Informationen beim VDS-Regionalvorsitzenden Hans-Manfred Niedetzky.

@ Auf deutsch studieren in Rumänien
26. 06. 2001 (jwk) Rumänische Hochschulen von Bukarest über Jassy, Klausenburg, Temeswar und Kronstadt bis Hermannstadt bieten ein überraschend reichhaltiges Angebot an deutschsprachigen Studiengängen. Es werden unter anderen Bauwesen, Betriebswirtschaftslehre, Biologie, Chemie, Journalistik, Mathematik, Informatik, Philosophie, Germanistik angeboten. Selbst Fernstudiengänge sind möglich. Interessenten können sich eine vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) herausgegebene Broschüre über „Deutschsprachige Studiengänge an Hochschulen in Rumänien“ bei den DAAD-Lektoren in Rumänien bestellen. Kontaktanschrift in Hermannstadt:
Peter Groth
Lucian-Blaga-Universität
Philologische Fakultät
Bd. Victoriei 5-7
2400 Sibiu

@ Deutsch-Tschechisches Gymnasium bietet zweisprachiges Abitur
23. 06. 2001 (jwk) Es muß nicht immer Englisch oder Französisch sein. Im sächsischen Pirna ist es die tschechische Sprache, die am dortigen Friedrich-Schiller-Gymnasium eine bedeutende Rolle spielt. Was vor drei Jahren als Experiment mit 15 tschechischen Siebtklässlern begann, ist heute bereits schulischer Alltag. Im zweisprachigen und binationalen Gymnasium wird nicht nur in deutscher und tschechischer Sprache unterrichtet. Im angeschlossenen Internat leben vom kommenden Schuljahr an bereits über 70 tschechische und deutsche Schüler der Klassen 7 bis 10 zusammen. 2003 sollen die ersten Schüler aus beiden Ländern ihr zweisprachiges Abitur machen, das sie zum Studium in Deutschland und Tschechien berechtigt. Das Interesse ist groß. Für den Sommer sind nicht nur Schüler aus Berlin angekündigt, auch einige in Prag lebende Chinesen möchten ihre Kinder nach Pirna auf das Schiller-Gymnasium schicken. Informationen zum Friedrich-Schiller-Gymnasium Pirna und seinen sprachlichen Angeboten sind auf der Netzseite marvin.sn.schule.de/~schiller zu finden. Zu Pirna selbst gibt es eine schöne Seite unter www.pirna.de.

@ Deutscher Sprachpreis 2001 an Theodor Ickler
19. 06. 2001 (jwk) Theodor Ickler, Kritiker der Rechtschreibreform und Verfechter einer vernünftigen Orthographie, erhält den diesjährigen deutschen Sprachpreis der „Henning-Kaufmann-Stiftung zur Pflege der Reinheit der deutschen Sprache“ im Stifterverband der Deutschen Wissenschaft. Die Stiftung würdigt damit nach eigenen Angaben „die vielfältigen und richtungsweisenden Arbeiten eines bedeutenden deutschen Sprachwissenschaftlers, vor allem auf dem Gebiet der Orthographietheorie und Orthographiegeschichte“. In der Begründung heißt es weiter, Ickler habe mit seiner umfassenden und konstruktiven Kritik an der Rechtschreibreform und seiner vorbildlichen Aufbereitung der allgemein üblichen Rechtschreibung der deutschen Sprachgemeinschaft und ihrer Kultursprache einen großen Dienst erwiesen und einen Weg aufgezeigt, der aus der Krise der deutschen Rechtschreibung herausführen könne. Die Preisverleihung wird am 21. September 2001 um 18 Uhr im Wittumspalais in der Goethestadt Weimar stattfinden. Die DEUTSCHE SPRACHWELT gratuliert Ihrem Autor Theodor Ickler zur Auszeichnung mit dem „Deutschen Sprachpreis“. In der vierten Ausgabe der DSW schreibt auf Seite 10 Germanistik-Professor Heinz-Günter Schmitz (Kiel) von der „Henning-Kaufmann-Stiftung“ über „Schulkinder im Schreibchaos“. Außerdem stellt sich Germanistik-Professor Horst-Haider Munske (Erlangen), der aus der Rechtschreibkommission austrat, auf Seite 9 in einem zweiten Teil der Frage: „Duden oder Ickler?“

@ Zauberstab: Sprache als Steuerungsmittel der Meinungsführer
16.06.2001 (din) Nach einem Gedicht von Eichendorff („Schläft ein Lied in allen Dingen“) erschließe sich die Welt, wenn man das „Zauberwort“ ihrer jeweiligen Dinge finde („... und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort“). Demnach hätten die Begriffe menschlicher Sprache einen inneren Sinn mit entsprechender Kraft. Der in der Moderne dominante „Nominalismus“ ist hingegen überzeugt, daß die Begriffe unserer Sprache lediglich eine Konvention zur gegenseitigen Verständigung seien, deren Resultate eher als Zufall oder Tradition anzusehen seien. Die neuere Gegenbewegung dazu findet sich in der Moralisierung der „political correctness“ von Sprache. Dazu wird den Begriffen eine Wertung verliehen, die aber nicht jeder definieren darf. So erging es etwa dem Wort „Neger“, von lat. „niger“, also „schwarz“. Das Wort „Tisch“ bezeichnet eine Sache und ist keine Wertung. Das Wort „Schrott-Tisch“ konnotiert zwei Dinge und ist eine Wertung (die deshalb nicht falsch sein muß). Der „Neger“ ist ein schwarzer Mensch (was objektiv stimmt), ebenso wie der „Albino“ ein bleicher Mensch ist (was ebenfalls objektiv stimmt). Beide Begriffe haben keine Wertung und keine Konnotation. Man kann diese höchstens hineinlesen, bzw. künstlich erzeugen. Wenn man der veröffentlichten Meinung nahelegt, „Neger“ sei ein „böses Wort“, werden viele das so übernehmen, obwohl es nicht stimmt. Ist das gelungen, wird Politik unkontrolliert steuerbar (Media-kratie). Zugleich ist damit gelungen, daß nicht mehr nach Objektivität und Fakten gefragt wird, sondern danach, wie man etwas findet (Subjektivismus). Damit werden mit den Begriffen auch Gegenstände beliebig. Eine Entscheidung folgt dann nicht mehr aus Erkenntnis der Sache sondern aus der Willkür der Meinungsführer oder ihren jeweiligen Interessen.

@ Kein Sprachverfall bei Abiturienten?
14. 06. 2001 (jwk) Die Untersuchung von Abituraufsätzen aus den letzten fünfzig Jahren zeigen, daß es den angeblichen Sprachverfall bei Abiturienten nicht gibt. Das behauptet Professor Rudolf Hoberg, Vorsitzender der Gesellschaft für deutsche Sprache, der als Dozent an der Technischen Universität Darmstadt Abituraufsätze deutscher Gymnasien wissenschaftlich analysierte. Er stellte nach einer ersten Auswertung fest, daß „alle Texte nicht nur länger seien, auch der verwendete Wortschatz sei größer geworden“. Zwar sei die Stilanalyse noch nicht abgeschlossen, doch deute alles daraufhin, daß der Satzbau nicht schlechter geworden sei. Allerdings wurden mehr Rechtschreibfehler gefunden. Ob sie durch die Rechtschreibreform bedingt waren, das heißt, ob sie sich in den letzten Jahren häuften, bleibt offen. Professor Hoberg glaubt, die sprachliche Qualität von Abituraufsätzen auf das Sprachvermögen der gesamten Gesellschaft übertragen zu können. Schließlich habe sich die Zahl der Abiturienten von etwa acht Prozent in den vierziger Jahren auf heute 30 bis 35 Prozent erhöht. Bleibt eine Frage übrig: Ist das auch ein Verdienst unserer Deutschlehrer?

@ Panta rhei – auch die deutsche Rechtschreibung
05.06.2001 (jwk) Panta Rhei – alles fließt. Bereits Heraklit war der Überzeugung, alles sei in unaufhörlicher Bewegung. Dies scheint auch für die Wörterbuchredaktion des Hauses Duden zu gelten. Warum soll man auf Entscheidungen der zwischenstaatlichen Kommission zur Rechtschreibreform oder des im Februar neugeschaffenene „Beirats für deutsche Rechtschreibung" warten, wenn man doch selber Korrekturen der so hochgelobten Rechtschreibreform vornehmen kann, scheinen sich die Duden-Leute zu fragen. Die vierte Auflage des Deutschen Universalwörterbuchs – bisher eines der besten Duden-Erzeugnisse – zeigt erneut die „Einheitlichkeit“ der sogenannten Reform. Getrenntschreibung oder Zusammenschreibung, Silbentrennung ja, aber an welcher Stelle, Neuschreibung von Fremdwörter etymologisch begründet oder auch nicht... Wie Bertelsmann nachzieht, ist noch unklar. Eines läßt sich heute immer eindeutiger sagen. Die Rechtschreibung hat sich nicht vereinfacht, wie es von den Reformern angestrebt war, sie hat sich vervielfacht, verkompliziert und führt immer wieder, immer stärker zu Verwirrungen. Das Durcheinander ist groß. Manche Rechtschreibexperten schlagen daher halbernst vor, künftig unter jeden Artikel, unter jeden Aufsatz einen Hinweis auf das verwendete Wörterbuch zu setzen und damit auf die benutzte Rechtschreibversion (z.B. Duden-Deutsch 2001 oder Bertelsmann-Deutsch 2000).

@ Sprachenlernen wie Musik?
02.06.2001 (din) Lernt man Sprache wie Musik? Zumindest verarbeitet das menschliche Gehirn die Zusammenhänge musikalischer Eindrücke an der gleichen Stelle wie die von sprachlichen Eindrücken. Die Beeinträchtigung dieses sogenannten „Broca-Areals“ durch Schlaganfall ist bereits als Ursache für gestörte Beherrschung von Grammatik und Satzbildung erwiesen. Die Messung der vom Gehirn erzeugten Magnetfelder (MEG: Magnetoenzephalographie) zeigt nun, daß unterschiedliche, musikalisch nicht vorgebildete Testpersonen in diesem Broca-Areal gleichartig auf musikalische Harmonie oder Disharmonie reagieren. Neurowissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Neuropsychologische Forschung in Leipzig entdeckten dies bei Untersuchungen zur Frage nach der kulturübergreifenden Ähnlichkeit der Wirkung von Musik (Nature Neuroscience Vol. 4, No. 5, May 2001). Ein harmonischer Akkord kann nicht zufällig oder beliebig erzeugt werden, sondern nur durch Befolgung von Harmonieregeln mit fast mathematischer Qualität. Was der Mensch als harmonisch empfindet, ist demnach offenbar nicht beliebig oder subjektiv. Zumindest reagierten die Hirnfelder der Testpersonen bei der Wahrnehmung unterschiedlicher Musikharmonie in diesem Punkt gleich. Für die Sprache heißt dies zwar nicht, daß man Vokabeln besser mit Musik lernt, wohl aber stellt sich die Frage, ob objektiv harmonisch lautende Sprachen leichter zu erwerben sind als andere. Speziell dem Französischen und Italienischen sagt man „musikalischen“, also harmonischen Klang nach, osteuropäischen Sprachen eher das Gegenteil. Es wäre also interessant, wenn die Leipziger Neuropsychologen den Testpersonen fremde Vokabeln unterschiedlicher harmonischer Qualität wie Musikeindrücke vermittelten und die Reaktion im Broca-Areal überprüften. Aus einem entsprechendem Ergebnis würde folgen, daß Qualität und Lautharmonie einer Sprache zusammenhängen. Ein ergänzender Vergleich dieses Befunds mit dem Niveau der Kulturtradition des jeweiligen Sprachraums läge nahe.

@ Salzburger Vizebürgermeister gegen Engleutsch in der Verwaltung
01.06.2001 (jwk) Siegfried Mitterdorfer (FPÖ), Salzburger Vizebürgermeister, tritt für die Rettung der deutschen Muttersprache und gegen Anglizismen in der Verwaltung ein. So hat er die Leiter seiner Abteilungen angewiesen, anstelle von englischen und amerikanischen Modewörtern deutsche Begriffe zu verwenden. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. So war von einer „xenophoben Attacke“ die Rede. – Warum eigentlich nicht „fremdenfeindlich“? Das könnte jeder verstehen! - Die „unverständliche deutsche Sprache in Verordnungen und Gesetzen“ sei das eigentliche Problem und nicht die Anglizismen, hielt man entgegen. Das Tüpfelchen auf das i setzte der Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ). So sagte er, viele Anglizismen seien inzwischen Allgemeingut. Als Beispiel nannte er unter anderem „E-Gouvernment“. Wen wundert es da noch, daß Regierende und Wähler sich oft nicht verstehen.

@ Mitarbeiter gesucht
29.05.2001 (wun) Die DEUTSCHE SPRACHWELT sucht Verstärkung zum weiteren Ausbau der Weltnetz-Ausgabe. Besonders dringend suchen wir ehrenamtliche Mitarbeiter zur Betreuung der Rubriken „Verweise“ und „Termine“. Wenn Sie Interesse haben, an der Weltnetz-Ausgabe der DEUTSCHEN SPRACHWELT mitzuwirken, dann schreiben Sie an schriftleitung@deutsche-sprachwelt.de. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter werden Sie im Impressum geführt und erhalten eine eigene E-Brief-Adresse nach dem Muster vorname-nachname@deutsche-sprachwelt.de.

@ Goethe-Institut bietet für ausländische Jugendliche Deutschkurse an
20.05.2001 (jwk) Das Goethe-Institut bietet jungen Menschen die Möglichkeit, spannende Ferien mit Sport und Freizeit zu erleben, neue Freundschaften zu schließen, ein fremdes Land kennenzulernen – und dabei auch noch richtig Deutsch zu lernen. In landschaftlich schön gelegenen Internaten mit Turnhallen und Sportanlagen werden zwei- oder dreiwöchige Sprachkurse für Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis zwanzig Jahren angeboten. Für jeden Schüler erstellen erfahrende Lehrkräfte ein optimales Trainingsprogramm entsprechend seinen Fähigkeiten und Defiziten. Hierdurch kann auch derjenige, der ohne jegliche Vorkenntnisse am Kurs teilnimmt, anschließend einfache Texte verstehen und ein Gespräch über alltägliche Belange führen. Selbstverständlich kommen sportliche, musische und kulturelle Aktivitäten während der Sprachkurse nicht zu kurz. Einzelheiten zu den Örtlichkeiten, den Kosten usw. stehen auf der Netzseite des Goethe-Institutes.

@ Worterfindung des Monats
15.05.2001 (jwk) Vergangenen Monat stellten wir die Netzseite www.worterfindung.de vor (zur Meldung vom 6. April), in der Wörter aus dem deutschen Sprachraum gesammelt werden, die außerhalb von Familie oder Gruppen niemand kennt und in keinem Wörterbuch zu finden sind. Nachdem nun zahlreiche Wortschöpfungen vorliegen, möchten die Betreiber der Seite regelmäßig das „Wort des Monats“ küren. Aus einer Liste von rund zehn sprachlichen Eigenschöpfungen kann der Besucher der Seite sein „Wort des Monats“ auswählen. Zu gewinnen gibt es Spaß und Freude an witzigen Wortschöpfungen.

@ Sozialhilfe nicht mehr ohne Deutschkenntnisse?
08.05.2001 (jwk) Im April äußerte der nordrhein-westfälische Innenminister Behrens (SPD) im Rundfunk einige Gedanken zur Situation von Türken der dritten und vierten Generation, die in Deutschland geboren sind, sich abkapselten und die deutsche Sprache kaum beherrschten. Da aber die Sprache „ein wichtiges Instrument der Integration“ sei, so der Minister, sollten die, die sich sträubten, Deutsch zu lernen, Abstriche bei der Sozialhilfe und ähnliche Beschränkungen erfahren. Auf den Widerspruch der FDP, dies sei ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz, erwiderte die Sprecherin des Innenministers, das wisse der Minister. Doch gebe es durchaus Möglichkeiten zu Sanktionen. So könne es Einschränkungen bei der Sozialhilfe geben, falls ein Arbeitsloser sich weigere, Anstrengungen zur eigenen Qualifikation in Angriff zu nehmen. Es sei wichtig und von großer Bedeutung, daß die Empfänger von Sozialleistungen, seien sie Zuwanderer oder Einheimische, ihren Teil zur Sicherung ihrer Zukunft beitragen. Voraussetzung sei selbstverständlich, daß zum Beispiel Sprachkurse und ähnliche Förderprogramme für diese Menschen öfter angeboten werden. Minister Behrens erklärte, daß er zusammen mit Sozialminister Schartau (SPD) an einer Veränderung des Ausländerrechtes arbeite, um es den modernen Erfordernissen anzupassen. Dabei wird die Sprachkompetenz nicht nur von neuen Zuwanderern eine wichtige Rolle spielen. Man wolle sich bemühen, daß bestehende Sprachinseln nicht konserviert werden.

@ Rolf Hochhuth bekommt vom VDS 70.000 Mark
07.05.2001 (vds) Der Kulturpreis „Deutsche Sprache“ wird vom Verein Deutsche Sprache (VDS) und der Eberhard-Schöck-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Brüder-Grimm-Gesellschaft vergeben. Er besteht aus dem Jacob-Grimm-Preis „Deutsche Sprache“, dem Initiativpreis „Deutsche Sprache“ und dem Institutionspreis Deutsche Sprache. Die Preisverleihung findet am 3. November in Kassel in Zusammenarbeit mit der Initiative „Pro Nordhessen“ statt. Mit dem Jacob-Grimm-Preis „Deutsche Sprache“ (dotiert mit 70.000 Mark) des Jahres 2001 wird Rolf Hochhuth ausgezeichnet. Er wird geehrt für seine Verdienste um die deutsche Sprache und sein beherztes Eintreten für ihre Pflege, ihre kreative Weiterentwicklung und die Sicherung ihrer Position als geschätzte und lernenswerte Fremdsprache in anderen Ländern. Dem Wahlgericht gehören an: Prof. Dr. Helmut Glück (Bamberg) als Sprecher, Prof. Dr. Walter Krämer (Dortmund), Dipl. Ing. Eberhard Schöck (Baden-Baden), Manfred Windfuhr (Kassel), sowie Prof. Dr. Ulrich Knoop (Freiburg) als beratendes Mitglied. Weitere Informationen sind erhältlich unter Ruf 0951-8632238.

@ Späte Rache der Finnen?
04.05.2001 (hmn) Vielen ist noch der Sprachenstreit zwischen der finnischen und deutschen Regierung vom Juli 1999 in Erinnerung. Zu Beginn ihrer EU-Ratspräsidentschaft wollte die finnische Seite bei inoffiziellen Ministertreffen nur noch Übersetzungen ins Französische und Englische anbieten. Aufgrund massiver Proteste aus Deutschland und Österreich lenkte Finnland schließlich ein und bot wieder Übersetzungen ins Deutsche an. Beim Betrachten einer am 17. Januar dieses Jahres ausgegebenen finnischen Briefmarke kommt die Vermutung auf, daß die Finnen diesen verlorenen Streit wohl nicht vergessen haben. Das Jahr 2001 wurde von Europäischer Union und Europarat zum „Europäischen Jahr der Sprache“ erklärt, und diesen Anlaß würdigte die finnische Post mit der Ausgabe einer ansprechenden Sondermarke. Das Bildmotiv zeigt die Gesichtspartie einer Frau. In Mundhöhe ist der Ausgabeanlaß als Textbalken in finnischer und schwedischer Sprache angebracht. Im Hintergrund ist das Leitmotiv in neun verschiedenen Sprachen wellenförmig angeordnet. So kann man sehr deutlich lesen: „European Year of Languages“ oder „...née européene des langues“. Die deutsche Version läßt sich anhand von Fragmenten der Buchstaben „der Sp” nur erahnen, weil der landessprachliche Textbalken genau darübergelegt ist. Unter dieser Abdeckung leidet zwar auch die griechische Variante, aber von ihr blieb wenigstens ein Wort erhalten. Die in der Europäischen Union am meisten gesprochene Muttersprache wird auf dieser Briefmarke gnadenlos abgedeckt. Ob dies unbeabsichtigt oder ganz bewußt geschah, wird sich wohl kaum klären lassen. Sicher werden die Finnen den Verdacht weit von sich weisen, sie wären nachtragend. Aber verschwinden die leisen Zweifel?

@ Linkskurs des Vereins Deutsche Sprache?
03.05.2001 (dsw) Im Verein Deutsche Sprache (VDS) scheint eine Diskussion über die politische Ausrichtung des Vereins zu beginnen. Am 19. Januar dieses Jahres meldete die Mittelbayerische Zeitung in einem Bericht mit dem Untertitel „Warum ein linker Dozent und Jazz-Sänger für die Bewahrung des Deutschen kämpft“ unter Berufung auf den „weltoffenen Linken“, das VDS-Vorstandsmitglied Gerd Schrammen: „Sieben von neun Vorstandsmitgliedern sind Linke.“ Mit seinen Weltnetzseiten ist der VDS dem politischen Bund Netz gegen Rechts beigetreten und läßt damit offenbar für seine Mitglieder nur noch das politische Spektrum von Mitte bis Links zu. Ein Regionalvorsitzender des VDS beklagte: „Der VDS bezeichnet sich ja selbst gern als überparteilich, dennoch werden konservativ denkende Mitglieder von linken Eiferern von 18 bis fast 80 verstärkt in die rechtsradikale Ecke gedrängt.“ Ein anderer Regionalleiter forderte: „Die ständigen Versuche, den VDS parteipolitisch links zu instrumentieren, müssen aufhören!“ Der Vereinsvorsitzende Walter Krämer, selbst Mitglied der FDP, sah sich zu einem Appell an die Vereinsmitglieder veranlaßt: „Wir sind eine Bürgerinitiative mit Mitstreitern aus vielen politischen Lagern. Das erfordert viel Toleranz, und die fordere ich hiermit ein. Mir selbst, und hoffentlich auch der Mehrheit der VDS-Mitglieder, sind Braunhemden und Rotsocken gleichermaßen zuwider.“ Der zweite Vorsitzende, Horst Hensel, beklagte in einem Offenen Brief den „heftigen Streit“ im Verein und erklärte die Strategie des VDS: „Man verunglimpft den VDS als rechtsradikal, nicht als linksradikal. Deshalb ist es ein Gebot politischer Vernunft und sowohl taktischen als auch strategischen Verhaltens, sich als VDS ausdrücklich gegen Rechtsradikalismus auszusprechen, nicht aber ausdrücklich gegen Linksradikalismus.“ Hensel ist indes selbst Opfer der Faschismus-Keule geworden. Er berichtet: „Gerade ich bin zur Zeit Zielscheibe linksradikaler Gruppen und Personen und werde von denen als Rechtsradikaler gehandelt und behandelt. Dies betrifft vor allem das Seminar 'Anglisierung der deutschen Sprache als politisches Problem', das ich am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin durchführe, zusammen mit Fritz Vilmar.“ Vorwürfe an den VDS scheinen teilweise berechtigt zu sein, denn Hensel entdeckt „zumindest in Spuren“ Rechtsradikalismus innerhalb des VDS, wie er zugibt. Kenner sehen den Verein vor einer politischen Zerreißprobe; der Vorstand beklagt zunehmende „Vereinsmeierei“.

@ Überforderte Lehrer kapitulieren vor Engleutsch – mit Unterstützung des Kultusministeriums
01.05.2001 (jwk) Welche Aufgabe hat der Deutschunterricht in unseren Schulen? Soll er unserem Nachwuchs Grundlagen und Feinheiten der deutschen Sprache beibringen? Oder soll er die Alltags- und Umgangssprache reflektieren? Nach Ansicht einiger Fürther Lehrer muß man der Entwicklung der Alltagssprache und dem Straßenslang Rechnung tragen, will man die Neugier der Schüler nicht nur wecken, sondern auch wachhalten: „Den englischen Modewörtern kann man sich nicht verschließen. Sie tauchen viel zu oft auf.“ – „Englische Trendbegriffe sind bei Jugendlichen 'in'.“ – „Wir haben schon immer Wörter aus anderen Sprachen übernommen und unsere Sprache so weiterentwickelt.“ Es ist „nur natürlich, daß sie englische Wörter oder Redewendungen häufig verwenden, denn sie hören sie täglich in der Werbung und in amerikanischen Filmen. Im Computerbereich überwiegt sogar das englische Vokabular.“ Wenn das Bayerische Kultusministerium zum Thema einer Abschlußprüfung „Nennen Sie Kriterien, warum viele Menschen Fast-Food-Restaurants bevorzugen“ macht, seien ja Anglizismen im Unterricht erlaubt. Andernfalls hätte das Ministerium sicher den Begriff „Schnellimbiß“ verwendet. Die Zitate ließen sich endlos fortsetzen. Manche Lehrer fragen sich, ob es nicht an der Zeit sei, den Deutschunterricht grundlegend umzugestalten und aus ihm einen Alltagssprachenunterricht zu machen. Hiermit entginge man dem Desinteresse und der Langeweile mancher Schüler; Lehrer und Schüler verstünden sich wieder. Und wer tatsächlich glaube, die deutsche Sprache lernen zu wollen, dem solle sie angeboten werden wie Englisch oder Französisch. Dabei gibt es Lehrer, die „es schade finden, daß die deutsche Sprache mehr und mehr verwässert wird, da sie (...) eine schöne und auch sehr kreative Sprache ist“. Warum dann diese Resignation?

 
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