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Nachrichten im NOVEMBER / DEZEMBER 2000


Die Schlagzeilen im Überblick:

Neue Goethe-Institute
23. 11. 2000

Aus für die „Israel-Nachrichten?“
21. 11. 2000

Eine Milliarde Mark für die deutsche Sprache
20. 11. 2000

Deutsche Leichtkultur:
Über 50 Prozent der Türken in NRW haben mangelnde Deutschkenntnisse

15. 11. 2000

Amerikanische Leitkultur zurückgedrängt:
Netzanschriften jetzt auch mit asiatischen Schriftzeichen

14. 11. 2000

Bleiben nur drei Sprachen auf der Welt übrig?
13. 11. 2000

VDS sucht „ohne Demutsgesten“ Gastgeber für Preisverleihung
10. 11. 2000

Goethe-Präsident gegen „deutsche Leitkultur“
08. 11. 2000

Bretonen betreiben Fernsehprogramm in ihrer Sprache
07. 11. 2000

Neuer VDS-Regionalleiter des Gebiets 32
06. 11. 2000

VDS-Mitgliederversammlung der Großregion Rhein-Main-Neckar
06. 11. 2000

Begriffsverwirrung: Multikultur? Polykultur? Leitkultur?
05. 11. 2000

BDI will Englisch zur einzigen Patentsprache machen
03. 11. 2000

Brasilien: Gesetz gegen die Amerikanisierung der Sprache angestrebt
01. 11. 2000

@ Neues Spendenkonto des Vereins für Sprachpflege
19. 12. 2000 (dsw) Fehlt Ihnen noch ein Weihnachtsgeschenk für die DEUTSCHE SPRACHWELT (DSW)? Der Verein für Sprachpflege, der die DSW herausgibt, hat ein neues Spendenkonto eröffnet. Wenn Sie die Arbeit des Vereins - z.B. den Weltnetz-Auftritt der DSW oder die Papierausgabe der "Sprachzeitung für alle" - unterstützen möchten, dann spenden Sie bitte auf das unten angegebene Konto. Derzeit arbeitet die Schriftleitung unter Hochdruck an der 3. Ausgabe, die am 20. Januar erscheinen wird. Daneben wird laufend der Weltnetz-Auftritt "http://www.deutsche-sprachwelt.de" ausgebaut. Wenn Sie möchten, daß dieses Angebot für Sie auch weiterhin besteht, dann können Sie mit einer Spende zum Fortbestand der DEUTSCHEN SPRACHWELT beitragen. Die DEUTSCHE SPRACHWELT lebt von Ihrer Spende und Ihrer Mitarbeit!

Bankverbindung:

Verein für Sprachpflege
Stadt- und Kreissparkasse Erlangen
Bankleitzahl 763 500 00
Konto-Nummer 400 1957

@ ZDF führt türkische Untertitel ein
18. 12. 2000 (dsw) Das ZDF will erstmals in der Geschichte des deutschen Fernsehens Sendungen mit türkischen Untertiteln versehen. Aus Anlaß der Weihnachtszeit verwendet das ZDF die Rundfunkgebühren zugunsten der in Deutschland lebenden Türken, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Zwischen dem 22. und dem 28. Dezember bietet das ZDF die türkischen Untertitel auf einer speziellen Videotexttafel an. Somit können alle fernsehenden Türken die Verbrecherjagd in der Krimireihe „Ein Fall für zwei“ mitverfolgen. Zwei Spielfilme werden ebenfalls mit türkischen Untertiteln versehen. Ob das Angebot für die türkischsprachigen Zuschauer aufrechterhalten wird, hängt laut ZDF vor allem von der Zahl der Zugriffe auf die entsprechende Videotexttafel ab. Für andere Fremdsprachen hatte das Zweite Deutsche Fernsehen bisher noch keine Untertitel angeboten. Ob der in Deutschland zu sehende türkische Kanal TRT seine Sendungen künftig nun mit deutschen Untertiteln versieht, ist nicht bekannt.

@ Lettisches Sprachgesetz in Kraft
08. 12. 2000 (jho) In Lettland ist ein Sprachschutzgesetz in Kraft getreten, das vorschreibt, daß Dokumenten, die nicht in lettischer Sprache verfaßt sind, eine lettische Übersetzung beigefügt werden muß. Ein Verstoß gegen dieses Gesetz soll Bußgelder zwischen 150 und 750 Mark zur Folge haben. Lediglich bei der Einfuhrabfertigung sollen fremdsprachige Dokumente übergangsweise anerkannt werden.

@ Die deutsche Sprache auf Kuba soll stärker werden
07. 12. 2000 (pau) Für einen schnellen Abschluß eines Kulturabkommens zwischen Kuba und der Bundesrepublik Deutschland hat sich der Präsident der Kultusministerkonferenz, Lemke (SPD), ausgesprochen. Besonders müsse die deutsche Sprache auf Kuba gefördert werden. Dabei solle auf den engen Bindungen aufgebaut werden, die bereits zwischen der DDR und Kuba bestanden haben. Staatspräsident Fidel Castro habe einem schnellen Abschluß der bislang noch zähen Verhandlungen zugestimmt, so Lemke nach der Rückkehr von einer Reise nach Havanna.

@ Redselige Mädchen
03. 12. 2000 (pau) Der sprichwörtliche Redefluß scheint Frauen in die Wiege gelegt. Anhand von 3000 Zwillingspärchen – gleichgeschlechtliche und gemischte – stellten britische Wissenschaftler fest, daß Mädchen schon im Alter von zwei Jahren mehr reden als gleichaltrige Jungen. Das berichtet die Gesundheitszeitschrift „Apotheken Umschau“. Eine Umfrage unter Eltern bestätigt demnach: Während zweijährige Jungen 44 Begriffe im Wortschatz haben, bringen die Mädchen es bereits auf 52 verschiedene Wörter – ein deutlicher Hinweis, daß hier Erbanlagen im Spiel sind. Das entsprechende Gen konnten die Wissenschaftler jedoch noch nicht orten.

@ Muttersprache statt Monitore
01. 12. 2000 (pau) „Das Lesen ist die Schlüsselqualifikation für die Wissensgesellschaft“ hat der Literaturwissenschaftler Willie van Peer von der Universität München festgestellt. Seiner Ansicht nach werden die Anforderungen an die Lese- und Schreibfähigkeit in der Informationsgesellschaft weiter zunehmen. Deshalb sei es nicht nötig, mehr Rechner, Bildschirme und Tastaturen in die Schulen zu bringen. Vielmehr müsse der Unterricht in Mathematik und in der Muttersprache verbessert werden. Auch der Erziehungswissenschaftler Hartmut von Hentig sprach sich dagegen aus, die Bildung der Kinder dem Rechner zu überlassen. Die moderne Sprachtechnologie wird die Bedeutung der Schriftsprache in den nächsten 50 Jahren zurückdrängen. Das behauptet der Informatiker Wolfgang Wahlster: „Das Lesen wird nicht völlig überflüssig, aber mit der Vorfilterung durch die Sprachtechnologie werden wir weniger Irrelevantes lesen“. Die heute stark am Text ausgerichtete Gesellschaft werde in Zukunft wieder mehr Wissen mündlich weitergeben und verarbeiten, wie dies schon vor der Erfindung des Buchdrucks der Fall gewesen sei.

@ Sprache der Geparden entschlüsselt
01. 12. 2000 (pau) Mit Hilfe von Sonographen und Spektrographen ist es russischen Zoologen gelungen, die Sprache der Geparden zu entschlüsseln. Die Forscher achteten dabei besonders auf die Paarungslaute der Tiere. Die Zoologen fanden geraus, daß die Geparden durch bestimmte Knacklaute ihre Paarungsbereitschaft anzeigen. Acht verschiedene Laute und deren Bedeutung sind bereits analysiert.

@ Weizenbaum: Das Weltnetz ist ein riesiger Misthaufen
01. 12. 2000 (pau) Vor einer Überschätzung des Weltnetzes hat der Wissenschaftler Joseph Weizenbaum gewarnt. „Das Internet ist wie ein riesiger Misthaufen“, behauptete der Informatiker, der am Massachusetts Institute of Technology (MIT) arbeitet, auf dem Mainzer Kongreß „Gutenbergs Folgen“. Im weltweiten Datennetz gebe es jedoch einige Perlen zu finden. Dies gelinge allerdings nur mit der Fähigkeit, gute Fragen zu stellen. Dazu müsse das kritische Denken in den Schulen und Universitäten gefördert werden.

@ Sprachwissenschaftlerin: Rechtschreibregeln abschaffen
26. 11. 2000 (dsw) Die völlige Abschaffung der Rechtschreibregeln hat die Bamberger Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Leiss gefordert: „Die Regelsysteme, die uns an die Hand gegeben sind, sind zum größten Teil unvollkommen, ja unrichtig.“ Eine Rechtschreibnorm könne die Verständigung nicht erleichtern. Deshalb sollte die Diskussionen um die Rechtschreibung eingestellt und verschiedene Schreibweisen zugelassen werden. „Regeln haben die Aufgabe, Vielfalt zu bewältigen, ohne sie zu vernichten“ meint Leiss. „Leser einer vollständig normierten Schriftsprache werden in kognitiver Hinsicht unterfordert.“

@ Psychologe: Schriftsprache an gesprochene Sprache anlehnen
26. 11. 2000 (dsw) „Eine enorme Erleichterung des Lesens“ verspräche sich Psychologie-Professor Ernst Pöppel, wenn man die Schriftsprache so weit wie möglichen an die gesprochene Sprache anlehnte. Der Hirnforscher vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität München erklärte bei einem Lesekongreß in Mainz, daß eine Reform der Rechtschreibung „eine Katastrophe“ darstelle, wenn sie sich an der Sprachgeschichte ausrichte und nicht an der gesprochenen Sprache. Erkenntnisse aus der Hirnforschung werden nach Pöppels Ansicht noch zu wenig berücksichtigt. So seien zum Beispiel in zahlreichen Schulbüchern wegen des ungeeigneten Satzspiegels die Zeilen viel zu lang. Es sei im übrigen nicht von der Natur vorgesehen worden, daß der Mensch lese. Deswegen meint Pöppel, daß das Lesen medizinisch gar nicht möglich sei. Eltern sollten daher schon mit Neugeborenen viel reden und ihren Kindern viele Geschichten vorlesen. „Fremdsprachen sollten schon im vorschulischen Bereich vermittelt werden“, so Pöppel weiter.

@ Neue Goethe-Institute
23. 11. 2000 (pau) Im Iran und in Algerien sollen auf Kosten europäischer Standorte neue Goethe-Institute eröffnet werden. Die Neugründungen erfolgen im Zusammenhang mit dem Beschluß des Präsidiums des Goethe-Instituts vom 22. November, das Netz der Auslandsinstitute neu auszurichten. An die geplanten Standorte Teheran und Algier werden demnächst Gründungsstäbe zum Aufbau künftiger Kulturinstitute entsandt. In Schanghai soll die Zusammenarbeit des Goethe-Instituts mit dem dortigen Generalkonsulat verstärkt werden. Deswegen wurden für Institute in Großbritannien, Frankreich und Schweden weitere „Umstrukturierungen“, das heißt Mittelkürzungen angekündigt. Nach Goethe-Präsident Hilmar Hoffmann seien die Beschlüsse der Beweis für die politische Handlungsfähigkeit des Instituts: „Die Bedeutung der neuen Standorte ist jedem bewußt. In Teheran und Algier knüpfen wir an jahrzehntelange erfolgreiche Goethe-Arbeit an, die aus von uns unverschuldeten Gründen lange Zeit unterbrochen war. Wer die Chance zum Neuanfang an diesen Orten verstreichen läßt, den bestraft dereinst das Leben.“

@ Aus für die „Israel-Nachrichten“?
21. 11. 2000 (pau) Der letzten deutschsprachigen Tageszeitung Israels, den „Israel-Nachrichten“, droht das Ende. Das Blatt der „Jeckes“, wie die aus Deutschland kommenden Juden genannt werden, ist schon lange ein Verlustgeschäft. Der Verleger George Edri erklärte, daß die Auflage zu niedrig sei und die Anzeigeneinahmen zu gering seien. Die 1936 gegründete Zeitung, in der einst Kolumnisten wie Max Brod und Arnold Zweig schrieben, hat heute eine Auflage von unter 5000. Die Leser sind durchschnittlich 75 Jahre alt und damit sogar noch jünger als die 84jährige Chefredakteurin Alice Schwarz-Gardos. Von vormals hunderttausenden eingewanderten „Jeckes“ leben nur noch wenige tausend in Israel. Sie haben Schwierigkeiten mit der Integration, die Hebräisch-Kenntnisse sind oft schlecht. Die deutsche Sprache stand in Israel in schlechtem Ruf: „Auf der Straße haben sie uns Steine nachgeworfen, wenn wir deutsch sprachen“ berichtete eine deutschstämmige Jüdin. Der Verleger der „Israel-Nachrichten“ hat aufgegeben: „Ich komme aus Marokko und spreche nicht einmal deutsch. Ich werde nicht der Don Quichote der deutschen Sprache sein.“

@ Eine Milliarde Mark für die deutsche Sprache
20. 11. 2000 (pau) Die deutschen Sprachkenntnisse von Aussiedlern und von Ausländern mit dauerhaftem Bleiberecht will die deutsche Bundesregierung verbessern. Das gab der Aussiedlerbeauftragte der Regierung bekannt. Ein „Gesamtsprachförderkonzept“ für 2001 liegt dem Haushaltsauschuß des Bundestages vor. Danach soll in Zukunft jeder zuziehende Aussiedler oder Ausländer mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht eine sechsmonatige Grundförderung bekommen. Der bereitgestellte Betrag für Sprachkurse und Lebensunterhalt während der Unterrichtszeit umfaßt insgesamt eine Milliarde Mark. Auf die sinkenden Sprachkenntnisse der Aussiedler müsse man nach der Ansicht des Beauftragten nicht nur mit der „Integrationsförderung“, sondern auch mit der „Integrationsforderung“ antworten.

@ Deutsche Leichtkultur:
Über 50 Prozent der Türken in NRW haben mangelnde Deutschkenntnisse
15. 11. 2000 (pau) Mehr als die Hälfte der Türken, die in Nordrhein-Westfalen leben, schätzen ihre Deutschkenntnisse als mittelmäßig bis schlecht ein. Das geht aus einer Umfrage des Zentrums für Türkeistudien hervor, die der nordrhein-westfälische Arbeits- und Sozialminister Harald Schartau (SPD) vor kurzem vorstellte. Ein Drittel der über zwei Millionen Ausländer in Nordrhein-Westfalen sind Türken. 25 Prozent der türkischen Bevölkerungsgruppe sind arbeitslos. Nur sieben Prozent gaben an, einen Sprachkurs besucht zu haben, da sie nach eigenen Angaben dafür neben der Arbeit zu wenig Zeit hätten. Aus der Untersuchung ging außerdem hervor, daß 70 Prozent der Türken SPD oder Grüne wählten, wenn sie denn dürften. Die Studie verdeutliche, welch wichtige Rolle die Sprache bei der Integration spiele, meinte Schartau.

@ Amerikanische Leitkultur zurückgedrängt:
Netzanschriften jetzt auch mit asiatischen Schriftzeichen
14. 11. 2000 (pau) Künftig können Netzanschriften auch in chinesischen, japanischen und koreanischen Schriftzeichen aufgerufen werden. Das meldet „Spiegel Online“. Bisher konnten Namen neuer Netzplätze sich lediglich aus 26 lateinischen Buchstaben, 10 arabischen Ziffern und dem Bindestrich zusammensetzen. Mit der Einführung der asiatischen Schriftzeichen wächst die zulässige Anzahl von 37 auf 40.282 Zeichen. Die Kenntnis lateinischer Schriftzeichen ist nicht mehr erforderlich. Man rechnet zudem damit, daß in den nächsten zwei Jahren nur noch weniger als die Hälfte der Netznutzer Englisch zur Muttersprache haben. James Woods, Mitarbeiter der Firma Tucows, meint, der Name einer Netzanschrift sei „eine Art Eingangstür mit Willkommensbotschaft. Wenn diese Willkommensbotschaft in der Muttersprache möglich wird, dann werden die Leute eher durch die Eingangstür gehen.“ Der Ansturm auf neue Netzanschriften mit asiatischen Schriftzeichen ist groß. Allein in China seien binnen kurzem 450.000 Anträge gestellt worden, meldet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

@ Bleiben nur drei Sprachen auf der Welt übrig?
13. 11. 2000 (pau) Englisch, Spanisch und Mandarin: Lediglich diese drei Sprachen werden nach Ansicht des Wissenschaftlers Steven Roger Fischer in 300 Jahren noch gesprochen werden. Auf Dauer werde allein das Angelsächsische übrigbleiben. Deutsch überlebe allenfalls als unbedeutender Dialekt. Annette Trabold vom Mannheimer Institut für deutsche Sprache zeigte sich wachgerüttelt und erklärte: „Wir sollten das nicht einfach so hinnehmen“. Sie sieht die Gefahr einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“. Der Duisburger Sprachwissenschaftler Ammon gab sich nicht hoffnungslos. Prognosen seien zwar schwierig, aber in der Geschichte habe es bisher gegenüber jeder sprachlichen Vorherrschaft auch „reaktive Tendenzen“ gegeben.

@ VDS sucht „ohne Demutsgesten“ Gastgeber für Preisverleihung
10. 11. 2000 (pau) Über den Ort der Verleihung des von der Baden-Badener Eberhardt-Schöck-Stiftung ausgelobten „Kulturpreises Deutsche Sprache“ gebe es „Verwicklungen“. Das teilte Walter Krämer mit, der Vorsitzende des Vereins Deutsche Sprache (VDS), der an der Preisvergabe mitwirkt. Offensichtlich hat der Verein immer noch keine Stadt gefunden, die als Gastgeber auftreten möchte. Die Stadt Dortmund, Krämers „heimlicher Favorit“, habe „Deutschtümelei“ unterstellt. Laut Krämer werde „der vertändliche Ärger der Dortmunder Bürger“ auf den VDS geschoben. Auch die Städte Kassel, München und Berlin, bei denen der VDS angefragt hat, haben noch nicht zugesagt. Krämer meinte enttäuscht: „Offenbar gehen manche Kritiker des VDS davon aus, daß Personen und Organisationen, die das Wort ,deutsch‘ anders als hämisch und herablassend gebrauchen, sich zunächst einmal zu rechtfertigen und zu entschuldigen hätten. Solche Demutsgesten haben wir nicht nötig.“ Der „Kulturpreis Deutsche Sprache“ soll im Herbst 2001 erstmals vergeben werden.

@ Berufsschüler wählen Englisch
10. 11. 2000 (kri) Englisch wird bei den Berufsschülern in Bayern immer öfter gewählt. Das berichtet der Münchner Merkur. Eine vor vier Jahren eingeführte freiwillige Zertifikatsprüfung sei nach Angaben des Kultusministeriums in diesem Jahr von knapp 5.000 Schülern abgelegt worden. Vor drei Jahren seien es hingegen nur etwa 900 gewesen. Diese zusätzliche Qualifizierungsmöglichkeit böten inzwischen auch fünf andere Bundesländer an. Im nächsten Jahr werde sich eine nationale Fachtagung auf der Ebene der Kultusministerkonferenz mit dem Gegenstand beschäftigen.

@ Goethe-Präsident gegen „deutsche Leitkultur“
08. 11. 2000 (pau) Aus Anlaß der Einweihung des Gründungsbüros des Goethe-Instituts in Sarajevo hat der Präsident des Goethe-Instituts, Hilmar Hoffmann, den Begriff einer „deutschen Leitkultur“ erneut in Frage gestellt. Die Vermittlung der deutschen Kultur im Ausland könne niemals von dem Begriff einer hegemonialen Leitkultur ausgehen, betonte Hoffmann. „Deshalb reden wir schon immer von einer Kultur in Deutschland, statt von deutscher Kultur.“ Sarajevo und der Balkan seien hierfür die denkbar besten Beispiele. „Wir bewegen uns in einer Region, deren Tragik darin besteht, dass ein Kampf verschiedener Kulturen um die Vorherrschaft letztlich mit Waffen ausgetragen wurde. Also tun wir gut daran, mit Beispielen für den Reichtum einer modernen Kultur, die sich aus vielen Quellen speist, in den Dialog mit unserem Gastland einzutreten.“ Die Deutschen hätten, so Hoffmann weiter, am eigenen Leib erfahren, wohin die Idee kultureller Hegemonie in schlimmster Konsequenz führen kann, nämlich zur Zerstörung des eigenen Landes, Flucht und Vertreibung. „Diese Erfahrung teilen wir mit Serben, Bosniern, Kosovaren und Kroaten und deshalb stellt das Engagement des Goethe-Instituts auf dem Balkan einen neuen Schwerpunkt dar.“

@ Das Goethe-Institut verstärkt seine Balkan-Aktivitäten
08. 11. 2000 (pau) Nach einjähriger Vorbereitungszeit, in der bereits eine Reihe von Veranstaltungen durchgeführt wurden, eröffnet das Goethe-Institut am 17. November offiziell ein Gründungsbüro in Sarajevo. Der Anstoß für diese Neugründung war bereits 1998 von Außenminister Joseph Fischer ausgegangen. Zur Eröffnung zeigt das Goethe-Institut in der Kunstgalerie Sarajevos die Ausstellung der Frankfurter Buchmesse „Ohne Angst verschieden sein – Religion und Glaube in einer pluralistischen Welt“ mit etwa 1.500 Ausstellungsstücken. Als Fortsetzung findet vom 8. bis 12. Dezember eine große bosnisch-herzegovinische Religionskonferenz statt. Für 2001 ist unter anderem eine Theatervorstellung des „Nathan“ geplant. Neben Sarajevo wird das Goethe-Institut in Belgrad im Winter seine Veranstaltungstätigkeit in größerem Umfang wieder aufnehmen. Die Goethe-Institute der Region führen seit Mitte des Jahres eine Reihe von länderübergreifenden Veranstaltungen zu den Themen Menschenrechte, Demokratisierung und Zivilgesellschaft durch, für die die Europäische Union aus dem Balkan-Stabilitätspakt insgesamt 1,2 Millionen Mark zur Verfügung gestellt hat.

@ Bretonen betreiben Fernsehprogramm in ihrer Sprache
07. 11. 2000 (jho) Anfang Herbst ging TV Breizh, der erste private Regionalsender der Bretagne, auf Sendung. Ausgestrahlt wird er im digitalen Standard. Das hat den besonderen Vorteil, daß man auf Knopfdruck das Programm sowohl in bretonischer als auch in französischer Sprache empfangen kann. Der Sender spricht etwa sechs Millionen Bretonen an und bietet ein Vollprogramm; ein besonderer Schwerpunkt liegt allerdings auf der keltischen Kultur. Auch Verbindungen zu Irland, Schottland und Wales sollen geknüpft werden. Der Sender hat seinen Sitz in Lorient, wo übrigens seit vielen Jahren ein interkeltisches Fest stattfindet. Er möchte den Zuschauern die bretonische Sprache näherbringen, die in letzter Zeit wieder an Bedeutung gewinnt. In Wales wird ebenfalls das zweisprachige Fernsehen eingesetzt, um die walisische Sprache lebendig zu halten.

@ Neuer VDS-Regionalleiter des Gebiets 32
06. 11. 2000 (vds) „Es gilt, mit Phantasie und Humor den gegenwärtigen Sprachunsitten zu Leibe zu rücken“. Dieses Motto hat sich der neue Sprecher der Regionalgruppe 32 im Verein Deutsche Sprache, Gerd Büntzly, gestellt. Am Samstag, den 4. November, fand im Schützenhof Herford eine Regionalversammlung des Vereins statt. Die Region Herford (mit Minden und Lippe) ist mit etwa 250 Mitgliedern eine der stärksten bundesweit. Der frühere Regionalbeauftragte Klaus Gosmann, der einen kurzen Bericht über die Lage des Vereins abgab, wurde von allen Anwesenden mit lebhaftem Beifall geehrt. Die Versammlung wählte den Hispanisten und selbständigen Musiklehrer Gerd Büntzly zum neuen Sprecher und Paul Gerhardt Adam zu seinem Stellvertreter. Als zweiter Bevollmächtigter für die Delegiertenversammlung des Vereins im März des kommenden Jahres wurde Christoph Knüppel gewählt, als Schriftführer und Kassenwart Philipp-Rainer Fäth aus Lübbecke. Die Versammlung griff einen Vorschlag von Wilfried Beermann aus Bad Salzuflen auf, mit einer Fotoausstellung auf die Ziele des Vereins aufmerksam zu machen. Zu diesem und zu anderen Vorhaben aus der Region werden sich Arbeitsgruppen bilden. Gerd Büntzly legte großen Wert auf die Feststellung, daß die Satzung des Vereins Mitglieder ausschließe, „wenn sie die Forderung der deutschen Sprache zur Verunglimpfung von anderen Sprachen und Kulturen nutzen.“ – „Wer mich nur ein bißchen kennt", sagte er, "wird wissen, daß mir dieses Thema ganz besonders am Herzen liegt.“ Anschrift: Verein Deutsche Sprache e. V., Region 32, Regionalleiter Gerd Büntzly, Waltgeristr. 56 a, D-32049 Herford, Fernruf 0049-(0)5221-380866.

@ VDS-Mitgliederversammlung der Großregion Rhein-Main-Neckar
06. 11. 2000 (vds) Der Regionalbeauftragte des Vereins Deutsche Sprache (VDS) für den PLZ-Bereich 64 (Großraum Darmstadt), Peter U. Limberg, hatte für den 4. November alle Mitglieder zur ordentlichen Mitgliederversammlung nach Griesheim eingeladen. Darüber hinaus hatten die Regionalbeauftragten für die PLZ-Bereiche 68 (Werner Gierlich, Großraum Mannheim) und 69 (Harald Reinhardt) und ihre Mitglieder eine Einladung erhalten. Peter U. Limberg, der die Großversammlung leitete, berichtete über die Entwicklung des nunmehr rund 10.600 Mitglieder zählenden Vereins der Sprachwahrer in der Bundesrepublik Deutschland und dessen vielseitige Aktivitäten. Sprachwahrer wollen durch ihre Aktionen in direkter, brieflicher und elektronischer Art Betriebe, Unternehmen, Politiker und Bürger auf die Verwendung unnötiger Amerikanismen und Anglizismen aufmerksam machen und für eine Rückkehr zum vernünftigen Gebrauch ihrer Sprache ermuntern. In einem regen Gedankenaustausch fand man die Bestätigung, daß die „Anglizismen-Seuche“ weiterhin zunimmt. Umso mehr müsse diesem Unwesen in gezielter – aber auch maßvoller – Weise begegnet werden. Die Regionalbeauftragten wurden in ihrer Funktion aus der Wahl vom 13. Mai noch einmal bestätigt. Ebenso wurde Karl-Heinz Jakowski (Griesheim) als stellvertretender Regionalbeauftragter für den Großraum Darmstadt gewählt und steht damit Limberg zur Seite. Anschrift: Verein Deutsche Sprache e. V., Region 64, Regionalleiter Peter U. Limberg, Gabelsbergerweg 17, D-64347 Griesheim, Fernruf 0049-(0)6155-61676, Ferndruck 0049-(0)6155-61108.

@ Begriffsverwirrung: Multikultur? Polykultur? Leitkultur?
05. 11. 2000 (pau) „Denn eben, wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein“, meinte bereits Mephisto in Goethes Faust. Nur eines? In Deutschland ist der Streit um den Begriff „Leitkultur“ entbrannt; ein Begriff, der ebenso wie Richard Wagners Wortschöpfung „Leitmotiv“ Eingang auch in den angelsächsischen Wortschatz finden könnte. Obwohl der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU im Bundestag, Friedrich Merz, eher nur beiläufig von einer deutschen „Leitkultur“ gesprochen hatte, ist dieses Wort aus der politischen Debatte nicht mehr wegzudenken; – auch wenn der Liedermacher Wolf Biermann kürzlich ein Ende des Geredes um diesen Begriff gefordert hat. Die Vorstandssprecherin von Bündnis 90 / Den Grünen, Künast, setzt gegen die „Leitkultur“ nicht die „Multikultur“, wie man vielleicht erwarten könnte, sondern will ausdrücklich lieber von „Verfassungspatriotismus“ sprechen. Der Begriff „Multikultur“ sei ihr zu unscharf. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Brüderle hingegen will weder das deutsch-lateinische Wort „Leitkultur“ noch das lateinische „Multikultur“, sondern das griechisch-lateinische „Polykultur“ verwenden. Deutschland sei eine „Polykultur“. „Multikultur“ sei „der Weg in einen Eintopf“, „Polykultur“ hingegen die Bewahrung von Vielfalt. Liebe Leser, was meinen Sie: Brauchen wir ein neues Wort? Und wenn ja: Wie sollte es heißen? Multikultur? Polykultur? Leitkultur? Oder ganz anders?

@ BDI will Englisch zur einzigen Patentsprache machen
03. 11. 2000 (pau) Englisch soll die einzige Patentsprache und diese nur für Fachleute verständlich sein. Das forderte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) mit Joachim Wuermeling (CSU), einem Mitglied des Europäischen Parlamentes. Im Hinblick auf den Vorschlag für ein Gemeinschaftspatent vom Juli verlangt der BDI, der angeblichen Wirklichkeit Rechnung zu tragen: Sprache der Technik und der Wissenschaft sei Englisch. Daher solle ein Gemeinschaftspatent auch nur ins Englische übersetzt werden. Nur Patentfachleute würden ein Patent lesen und diese verstünden Englisch. Der BDI und Wuermeling beanstandeten, daß heute ein europäisches Patent bis zu fünfmal so teuer wie ein vergleichbares Patent in den USA sei. Ursache seien vor allem die Übersetzungserfordernisse, die überflüssig seien.

@ Brasilien: Gesetz gegen die Amerikanisierung der Sprache angestrebt
01. 11. 2000 (pau) Auch in Brasilien stößt die allgegenwärtige Amerikanisierung der Sprache und der Kultur auf Widerstand. Der Abgeordnete Aldo Rebelo, Mitglied der nationalgesinnten Kommunistischen Partei, wendet sich gegen den „Sprachimperialismus“ der USA mit einem nun eingebrachten Gesetzentwurf. Bezeichnungen wie „Sex Shop“ und „Self Service“ sind in Brasilien keine Seltenheit. Die portugiesischen Entsprechungen werden dagegen immer seltener verwendet. Aus dem „Cabeleireiro“ wurde ein „Hairstylist“ (Haarschneider), aus der „Sapataria“ ein „Shoe Shop“ (Schuhgeschäft). Rebelos Gesetzesvorlage liegt derzeit dem Senat vor. Mit dem angestrebten Gesetz soll der Gebrauch fremdsprachiger Modewörter bei Regierungsverlautbarungen, im Geschäftsleben und in den Medien verboten sein. Brasilianische Firmen mit ausländischem Namen müßten sich dann umbenennen. Ausländische Firmen müßten fremdsprachige Wörter in Werbetexten mit portugiesischen Übersetzungen versehen. Ausgenommen in dem geplanten Gesetz sind althergebrachte Lehnwörter wie „futebol“ von „football“ (Fußball) oder „gol“ von „goal“ (Tor). Rebelo fordert: „Die Brasilianer müssen wieder lernen, stolz auf ihre eigene Sprache zu sein!“

 

 
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